Am Vormittag des 26. Dezember 2004 verwüstete nach einem Seebeben mit Epizentrum nahe Banda Aceh ein Tsunami die Küstengebiete am Indischen Ozean. In Indonesien starben mehr als 130.000 Menschen, unzählige wurden obdachlos und tausende Kinder verloren ihre Eltern. Die etwa 200 km lange Küste zwischen den Städten Banda Aceh und Meulaboh war dabei am stärksten betroffen. Meulaboh ist die Hauptstadt des Bezirkes Aceh Barat (West-Aceh).
Das SOS-Kinderdorf Meulaboh liegt im Dorf Lapang, in der Cot Nibong Straße, etwa 3,5 km vom Stadtzentrum von Meulaboh und 6 km vom Meer entfernt. Es besteht aus 15 Familienhäusern, einem Dorfleiterhaus, einem Gemeinschaftszentrum (Verwaltung und medizinische Betreuung), ein Freizeitzentrum (Computer, Bibliothek, Musik, Tanz), einer Mehrzweckhalle und Wohngebäuden für SOS-MitarbeiterInnen. Da 98% der Bevölkerung von Aceh Moslems sind, wurde auf dem Gelände auch eine Moschee errichtet. Das SOS-Kinderdorf bietet bis zu 150 verlassenen oder verwaisten Kindern ein neues Zuhause.
Vor Ort gibt es einen SOS-Kindergarten mit drei Gruppen zu je 30 Kindern, der auch den Familien aus der Umgebung offen steht. Die größeren Kinder besuchen öffentliche Schulen, so dass sie genauso aufwachsen wie ihre Freunde aus der Nachbarschaft.
Das SOS-Sozialzentrum bietet Familienstärkungsprogramme, Gesundheitsberatung, Nachbarschaftshilfe, allgemeine Beratung und psychologische Betreuung an. Die Programme zielen darauf ab, dass die besonderen Bedürfnisse von Kindern in materieller und medizinischer Hinsicht sowie in Bildungsfragen gedeckt werden. Den Familien wird dabei geholfen, eine sichere Einkommensquelle zu finden. Sie werden in Erziehungsfragen beraten und auf die Rechte der Kinder aufmerksam gemacht. Außerdem hilft man den Menschen im Umgang mit Behörden und Ämtern.
2008 wurde in Meulaboh eine SOS-Jugendeinrichtung eröffnet. Jungen aus dem SOS-Kinderdorf übersiedeln für gewöhnlich in die Jugendwohneinrichtung, sobald sie mit einer Berufsausbildung beginnen oder an eine höhere Schule wechseln. In dieser neuen Umgebung entwickeln die Jugendlichen, begleitet von qualifizierten Betreuern, realistische Zukunftsperspektiven, übernehmen mehr Verantwortung und treffen zunehmend eigene Entscheidungen. Gefördert werden Teamgeist und Kontakte zu Verwandten und Freunden, aber auch zu Behörden und möglichen Arbeitgebern.