Am 26. Dezember 2004 brach eine Flutwelle über weite Teile der Küsten des Indischen Ozeans herein und forderte über 300.000 Menschenleben. In Indien verwüstete der gewaltige Tsunami die südlichen Küstengebiete. Die Ursache war ein starkes Erdbeben auf dem Meeresgrund vor der Insel Sumatra. Dadurch wurden zahlreiche Flutwellen ausgelöst, die sich mit einer Geschwindigkeit von 500 km/h ausbreiteten. Die am stärksten betroffenen Gebiete Indiens waren Puducherry sowie die Küsten der Bundesstaaten Tamil Nadu, Andhra Pradesh und Kerala.
Vom ersten Tag an leistete SOS-Kinderdorf Indien Nothilfe: fünf Kinderschutzzentren, in denen je 300 Kinder betreut werden können, wurden eingerichtet. Über 900 Familien mit insgesamt ca. 2.000 Kindern erhielten Unterstützung. Sieben Dörfer mit rund 1.100 Familien werden wieder aufgebaut. Zudem trat die Regierung von Puducherry an SOS-Kinderdorf heran und ersuchte um Errichtung eines Dorfes für Kinder, die ihre gesamte Familie verloren haben. Mithilfe eines neuen Zuhauses, einer Mutter und einer Familie und des dadurch entstehenden Zugehörigkeitsgefühls sollen die Kinder die traumatischen Ereignisse besser überwinden können.
Die Stadt Puducherry, die Hauptstadt des Unionsterritoriums Puducherry, liegt an der Ostküste von Indien in der Bucht von Bengalen, ca. 160 km südlich von Chennai. Vom 17. Jahrhundert bis 1954 war Puducherry die Hauptstadt der französischen Kolonien in Indien. Das reiche französische kulturelle Erbe ist auch heute noch deutlich erkennbar: ein übersichtliches Straßennetz, dessen Straßen immer noch französische Namen tragen, breite Boulevards und belebte Strandpromenaden sowie architektonisch beeindruckende Kirchen und öffentliche Gebäude prägen das Stadtbild. Trotz des relativ hohen Grades der Verstädterung leben rund 45% der Bevölkerung von der Landwirtschaft (vorwiegend Getreideanbau und Milchwirtschaft) und von der Fischerei.
Das SOS-Kinderdorf Puducherry besteht aus 15 Familienhäusern, dem Dorfleiterhaus, Mitarbeiterunterkünften, einem Gemeinschaftshaus sowie einem Verwaltungsbereich. Um bedürftige Familien aus der Umgebung zu unterstützen und ihnen dabei zu helfen, für ihre Kinder zu sorgen, wurde ein SOS-Kindergarten errichtet. Dort werden die Kinder tagsüber betreut, so dass die Eltern arbeiten gehen können.
2008 startete SOS-Kinderdorf Indien seine Familienstärkungsprogramme in Puducherry. Mit Hilfe dieser Programme soll verhindert werden, dass Familien ihre Kinder verlassen. Um dies zu erreichen, arbeitet SOS-Kinderdorf direkt mit den Familien und den jeweiligen Gemeinden zusammen und unterstützt diese darin, bestmöglich für die Kinder zu sorgen. Organisiert wird die Präventionsarbeit gemeinsam mit lokalen Behörden und anderen Partnern. In Puducherry wird Beratung und Unterstützung in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Bildung angeboten. Verschiedene Ausbildungen können absolviert werden, die Menschen werden bei der Berufswahl beraten und bei der Arbeitssuche unterstützt. Man hilft den Familien, mit bereits bestehenden Selbsthilfegruppen Kontakt aufzunehmen. Wenn keine passende Gruppe existiert, wird eine neue gegründet. Neben Erziehungsberatung finden auch Aktivitäten statt, um Hygiene und Kinderrechte im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern.