Hauptstadt: Neu-Delhi
Fläche: 3.287.263 km²
Bevölkerungszahl: über 1 Milliarde (Juli 2005)
Bevölkerungsgruppen: Indoarier, Dravidier
Amtssprache(n): Englisch und Hindi
Religion(en): Hinduismus, Islam, Christentum
Währung: 1 Indische Rupie = 100 Paise
SOS-Kinderdorf-Aktivitäten im Land
Im Jahr 1963 traf sich Hermann Gmeiner mit Pandit Jawahar Lal Nehru, dem damaligen Premierminister Indiens, der vom SOS-Kinderdorf-Konzept tief beeindruckt war. Unter dem Vorsitz seiner Tochter Indira Gandhi wurde ein Komitee und in der Folge ein Verein gegründet, der sogleich die Realisierung des ersten SOS-Kinderdorfes Greenfields in der Nähe von Dehli vorantrieb. Eines der Gründungsmitglieder des nationalen SOS-Kinderdorf-Vereins, J.N. Kaul, wurde der erste Dorfleiter und sollte in den nachfolgenden Jahrzehnten die SOS-Kinderdorf-Arbeit in diesem armen und bevölkerungsreichen Land prägen. 1967 übergab Frau Indira Gandhi den Vorsitz des Komitees an Frau Tara Ali Baig, die dem SOS-Kinderdorf-Verein Indien bis zu ihrem Tode im Jahre 1989 vorstand. Danach fungierte Herr J.N. Kaul bis 2007 als Präsident der gesamten SOS-Kinderdorf-Arbeit in Indien.
Seit den 1960er Jahren besteht eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen der Tibetischen Gemeinde im Exil und SOS-Kinderdorf International. Bald nach der Flucht der Tibeter aus ihrer Heimat, gründete der Dalai Lama im Mai 1960 die "Tibetan Children's Villages". 1962 entstand die "Tibetan Homes Foundation", und somit waren zwei Betreuungsorganisationen geschaffen, die die SOS-Kinderdorf-Idee für tibetische Kinder in die Tat umsetzten. 1971 entwickelte sich aus einem notdürftig geschaffenen Kinderheim das erste tibetische SOS-Kinderdorf in Dharamsala, einer Stadt im Norden Indiens, wo sich eine große Zahl von Flüchtlingen angesiedelt hatte.
Im Laufe der Zeit konnten allein in Indien an sieben Standorten große SOS-Kinderdörfer für Tibeter aufgebaut werden. Die wirtschaftliche Not und die angespannte politische Lage in einigen Gebieten des indischen Subkontinents führten zu einem besonders starken Engagement von SOS-Kinderdorf, dessen Arbeit eine rasante Entwicklung nahm und zahlreiche SOS-Kinderdörfer und weitere SOS-Einrichtungen entstehen ließ.
Indien wurde immer wieder von politischen Unruhen erschüttert (1983 in Assam und seit 1994 in Jammu und Kaschmir), oder von Umwelt- und Naturkatastrophen heimgesucht, wie bei dem Giftgasunfall 1984 in Bhopal, den Unwettertragödien 1996 in Visakhapatnam und 1999 in Orissa, den verheerenden Erdbeben in Latur 1993 und Gujarat im Jahr 2001, sowie den Verwüstungen durch die Tsunami-Flutwelle in der Provinz Tamil Nadu im Dezember 2004. SOS-Kinderdorf leistete bei all diesen Katastrophen Soforthilfe im Rahmen von Nothilfeprogrammen, die stets in bleibende Einrichtungen, vor allem in SOS-Kinderdörfer, übergeleitet wurden.
2002 startete SOS-Kinderdorf Familienstärkungsprogramme. Ziel dieser Programme ist es, Kindern, die Gefahr laufen, von ihrer Herkunftsfamilie getrennt zu werden, den Verbleib in ihrer Familie zu sichern. Um dies zu erreichen, arbeitet SOS-Kinderdorf direkt mit den Familien und den jeweiligen Gemeinden und stärkt sie in ihren Kapazitäten, die Kinder bestmöglich zu betreuen und zu schützen. Organisiert wird diese Präventivarbeit gemeinsam mit lokalen Behörden und anderen Sozialpartnern.
Durch heftigen Monsunregen im September 2009 wurde die Provinz Bihar im Norden Indiens von Fluten überschwemmt. Das SOS-Kinderdorf Begu Sarai war nicht direkt betroffen. Glücklicherweise gingen die Fluten im Oktober zurück und die Bevölkerung konnte in ihre Dörfer zurück kehren. 1600 Flutopfer wurden in drei Nothilfelagern in zwei Bezirken betreut. Im Mai 2009 führte SOS Indien die Hilfe in Form eines Familienstärkungsprogrammes in einem der am schwersten betroffenen Dörfer in Jorgama in Madhepura im Bundesstaat Bihar weiter. Die Bewohner dieses Gebietes zählen zu den benachteiligsten der Gesellschaft in Indien. Das Programm soll mit den zur Verfügung stehenden Mitteln ab Mai 2009 für drei Jahre auskommen.
Zurzeit gibt es in Indien 40 SOS-Kinderdörfer mit angeschlossenen SOS-Jugendeinrichtungen und SOS-Kindergärten, 16 SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen, 8 SOS-Berufsbildungszentren, 33 SOS-Sozialzentren (inkl. Familienstärkungsprogramme), 2 SOS-medizinische Zentren sowie ein SOS Nothilfeprogramm. Ein SOS-Kinderdorf befindet sich in Bau.