Seit den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts besteht eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen der Tibetischen Gemeinde im Exil und SOS-Kinderdorf International. Bald nach der Flucht der Tibeter aus ihrer Heimat gründete der Dalai Lama im Mai 1960 die "Tibetan Children's Villages". 1962 entstand die "Tibetan Homes Foundation", und somit waren zwei Betreuungsorganisationen geschaffen, die die SOS-Kinderdorf-Idee für tibetische Kinder in die Tat umsetzten.
1971 entwickelte sich aus einem notdürftig geschaffenen Kinderheim das erste tibetische SOS-Kinderdorf in Dharamsala, einer Stadt im Norden Indiens, wo sich eine große Zahl von Flüchtlingen angesiedelt hatte. Im Laufe der Zeit konnten in Indien an mehreren Standorten SOS-Kinderdörfer für Tibeter aufgebaut werden. Sie bieten über 7.000 Kindern, die von ihren Eltern getrennt wurden oder diese verloren haben, ein ständiges Zuhause. In den zahlreichen Zusatzeinrichtungen wie Schulen, Kindertagesstätten, Ausbildungszentren usw. werden über 6.000 weitere Kinder und Jugendliche betreut. SOS Kinderdörfer für Tibeter sind meist viel größer als herkömmliche SOS Kinderdörfer. Dies ist auf die hohe Zahl tibetischer Flüchtlinge zurückzuführen. Daher können die Familien in diesen Dörfern bis zu 30 Mitglieder haben, manchmal sogar noch mehr.
Das SOS-Kinderdorf Tibetan Homes konnte allein die große Zahl von Flüchtlingskindern aus Tibet nicht aufnehmen. Daher wurde ein zweites SOS-Kinderdorf gleich neben dem ersten errichtet. Das SOS-Kinderdorf Mussoorie - Happy Valley wurde 1982 offiziell eröffnet und besteht aus 11 Familienhäusern, einem Gemeinschaftshaus mit einer Mehrzweckhalle und den nötigen Nebengebäuden.
Die Tibetan Homes Foundation betreibt in der Nähe des Dorfes ein Spital, einen Kindergarten, eine Schule und ein großes Ausbildungszentrum für Schneiderei, Kunst und Kunsthandwerk. Alle diese Einrichtungen stehen nicht nur den SOS-Kindern, sondern auch Kindern aus den Tibetersiedlungen zur Verfügung. Zusätzlich zu den herkömmlichen Klassen gibt es in der Schule eine Sonderschulklasse, die von zwei Lehrern und einer Krankenschwester betreut wird. Tibetische Jugendliche, die zu Hause keine Schule besuchen konnten und jetzt für eine herkömmliche Schule zu alt sind, werden in speziellen Kursen für Jugendliche ausgebildet.
1990 wurde eine SOS-Jugendeinrichtung eröffnet. Die Übersiedlung von Jugendlichen in eine Jugendwohneinrichtung geht meist mit dem Beginn einer Berufsausbildung oder dem Wechsel an eine höhere Schule einher. In dieser neuen Umgebung entwickeln die Jugendlichen, begleitet von qualifizierten Betreuern, realistische Zukunftsperspektiven, übernehmen mehr Verantwortung und treffen zunehmend eigene Entscheidungen. Gefördert werden Teamgeist und Kontakte zu Verwandten und Freunden, aber auch zu Behörden und möglichen Arbeitgebern.