Die indische Regierung siedelte Flüchtlinge aus Tibet an verschiedenen Orten im Land an. Einige dieser Siedlungen befinden sich im Bundesstaat Karnataka in der Umgebung der Bezirkshauptstadt Mysore. Zwischen den beiden größten Tibetersiedlungen wurde in der Kleinstadt Bylakuppe, die ca. 85 km von Mysore entfernt liegt, ein SOS-Kinderdorf errichtet. Dieses SOS-Kinderdorf betreibt eine eigene Landwirtschaft, wo hauptsächlich Mais angebaut wird.
Das SOS-Kinderdorf Bylakuppe besteht aus 32 Familienhäusern, von denen jedes einen eigenen Gemüsegarten hat. Weiters gibt es ein Gemeinschaftshaus, Mitarbeiterwohnungen und den notwendigen Verwaltungsbereich. Das SOS-Kinderdorf verfügt über einen eigenen SOS-Kindergarten. 1982 wurde eine SOS-Hermann-Gmeiner-Primarschule errichtet; 1990 wurde die SOS-Hermann-Gmeiner-Sekundarschule eröffnet. Beide Schulen zusammen haben 36 Klassen mit einer Kapazität von 1.300 Schülern. SOS-Kinderdorf betreibt mehrere Kindertagesstätten in den umliegenden Tibetersiedlungen. Dort kümmert sich geschultes Personal um Kinder bis zum Alter von fünf Jahren, während die Eltern arbeiten.
In Bylakuppe wurden einige SOS-Jugendhäuser errichtet. Die Übersiedlung von Jugendlichen in eine Jugendwohneinrichtung geht meist mit dem Beginn einer Berufsausbildung oder dem Wechsel an eine höhere Schule einher. In dieser neuen Umgebung entwickeln die Jugendlichen, begleitet von qualifizierten Betreuern, realistische Zukunftsperspektiven, übernehmen mehr Verantwortung und treffen zunehmend eigene Entscheidungen. Gefördert werden Teamgeist und Kontakte zu Verwandten und Freunden, aber auch zu Behörden und möglichen Arbeitgebern.