Das fünfte kolumbianische SOS-Kinderdorf liegt in der etwa 100.000 Einwohner zählenden Kleinstadt Ipiales im Departement Nariño, im Süden des Landes nahe der Grenze zu Ecuador. Pasto, die Hauptstadt des Departements, ist etwa zwei Autostunden von Ipiales entfernt. Die Wirtschaft der Grenzregion stützt sich vor allem auf den Handel und Landwirtschaft, das soziale Umfeld ist von hoher Arbeitslosigkeit geprägt und die Bevölkerung leidet unter großer Armut.
Viele Bauern, die sich nicht mehr in der Lage sehen, ihre Familien mit den Erträgen ihrer Äcker zu versorgen, flüchten in die Ballungsgebiete und siedeln sich dort in der trügerischen Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer Lebensumstände am Rand größerer Städte an, wo jegliche Infrastruktur fehlt. Die extremen Lebensbedingungen dieser Familien sind häufig Auslöser von Alkoholismus und Gewalt, zahlreiche Kinder werden so aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen und können nicht in ihren Herkunftsfamilien heranwachsen.
Das SOS-Kinderdorf Ipiales wurde auf einem drei Hektar großen Grundstück errichtet und besteht aus 12 Familienhäusern, die insgesamt 108 Kindern Platz bieten. Die Infrastruktur des SOS-Kinderdorfes umfasst außerdem ein Verwaltungsgebäude, einen Mehrzwecksaal für Veranstaltungen und Feierlichkeiten, das Haus des Dorfleiters, das Haus für die so genannten SOS-Tanten (in Ausbildung befindliche zukünftige SOS-Kinderdorfmütter oder Familienhelferinnen, die den SOS-Kinderdorfmüttern bei der täglichen Arbeit zur Hand gehen oder sie bei Krankheit und im Urlaub vertreten), das Haus des Dorfhandwerkers sowie Lagerräume.
Ein SOS-Kindergarten, der sich ebenfalls auf dem Grundstück befindet, umfasst drei Gruppenräume und bietet bis zu 60 Kindern aus dem SOS-Kinderdorf und aus der Umgebung Betreuung. In unmittelbarer Nähe des SOS-Kinderdorfes liegen eine Grund- und Sekundarschule, die von den Kindern des SOS-Kinderdorfes besucht werden, weitere Bildungseinrichtungen befinden sich in einiger Entfernung, sind aber bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.
Im Jahr 2005 wurde eine SOS-Jugendeinrichtung im Stadtzentrum eingerichtet und bietet Platz für bis zu sieben Jugendliche aus dem SOS-Kinderdorf in Ausbildung. Hier leben die Jugendlichen in einer betreuten Jugendwohngemeinschaft und werden Schritt für Schritt auf ein Leben in Selbstständigkeit vorbereitet.
Ein ebenfalls seit 2005 in Betrieb befindliches SOS-Sozialzentrum wird als Kindertagesstätte geführt und bietet bis zu 420 Kindern Tagesbetreuung. Die Kindertagesstätte ist besonders wertvoll, weil sie allein erziehenden Müttern aus der Umgebung die Möglichkeit eröffnet, tagsüber den Lebensunterhalt der Familie durch Arbeit zu verdienen oder zumindest zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen und die Kinder unter fachlich ausgebildeter Betreuung zu wissen. Außerdem werden Informationsveranstaltungen über gesunde und ausgewogene Ernährung sowie über andere Gesundheitsthemen organisiert. Auch die Förderung von Frauen ist ein spezielles Anliegen. So werden Fortbildungskurse in verschiedenen handwerklichen Tätigkeiten angeboten, um die berufliche Qualifikation allein erziehender Frauen zu steigern und damit sowohl ihr Einkommen als auch ihre Position in der Gesellschaft zu verbessern.