Das SOS-Kinderdorf Cap Haïtien liegt etwa sechs Kilometer von der Stadt Cap Haïtien entfernt in einer dünn besiedelten landwirtschaftlichen Nutzzone. Cap Haïtien ist als bedeutender Ausfuhrhafen und einziges Tourismuszentrum nach Port-au-Prince die zweitwichtigste Stadt des Landes.
Das SOS-Kinderdorf Cap Haïtien wurde auf einem 16 Hektar großen Grundstücks erbaut. Etwa die Hälfte davon wird landwirtschaftlich genutzt.
Mit seinen 22 Familienhäusern ist dieses SOS-Kinderdorf das größte in der ganzen Region Mittelamerika und Karibik. Außer den Familienhäusern gibt es ein Dorfleiterhaus, Personalwohnungen, einen Raum für medizinische Grundversorgung und ein Verwaltungs- und Servicezentrum. Auf dem Gelände des SOS-Kinderdorfes Cap Haïtien wurden außerdem eine SOS-Jugendeinrichtung und ein SOS-Berufsbildungszentrum errichtet. Die SOS-Jugendeinrichtung wurde 2003 in Betrieb genommen. Sie besteht aus mehreren Jugendwohngemeinschaften, deren Anzahl je nach Bedarf variiert. Die Jugendlichen bereiten sich dort unter Betreuung durch pädagogisch geschultes Personal langsam auf ihre spätere Unabhängigkeit vor, während sie in Ausbildung sind.
Das SOS-Kinderdorf verfügt über eine eigene SOS-Hermann-Gmeiner-Grund- und Sekundarschule, die sowohl von SOS-Kindern als auch von Kindern aus der Umgebung besucht wird. Die Grund- und Sekundarschule besteht aus sieben Klassen, einem naturwissenschaftlichen Versuchslabor und einer Versammlungshalle. Bis zu 350 Kinder und Jugendliche drücken dort die Schulbank, wobei etwa ein Drittel davon von außen kommt. Außer den normalen Unterrichtsgegenständen werden auch Kurse für Tanz, Kunst oder Sport angeboten. Die SOS-Hermann-Gmeiner-Schule erfüllt die vom Erziehungsministerium aufgestellten Kriterien und genießt einen guten Ruf.
Die 1999 abgeschlossene Errichtung des SOS-Berufsbildungszentrums war eine wichtige Maßname für die Zukunft der SOS-Jugendlichen und der jungen Menschen aus der unmittelbaren Umgebung des SOS-Kinderdorfes. In Haiti ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt vor allem für Jugendliche sehr schlecht. Viele junge Menschen sind arbeitslos oder gehen nur Gelegenheitsjobs nach, von denen sie aber nicht wirklich leben können. In dieser Situation ist eine fundierte Ausbildung besonders wichtig. In den Lehrwerkstätten des SOS-Ausbildungszentrums können bis zu 270 Jugendliche einen Beruf erlernen, es werden Schlosser-, Schneider-, Tischler-, Elektriker-, Installateur-, Automechaniker-, Kältetechniker- oder Frisörkurse angeboten. Außerdem führt das SOS-Berufsbildungszentrum Alphabetisierungskurse für Erwachsene durch.
Seit 2005 gibt es in Cap Haïtien auch zwei SOS-Sozialzentren, wobei das erste eine Kindertagesstätte beherbergt. Dort werden bis zu 160 Kinder aus der Umgebung betreut, während ihre Eltern arbeiten. Außerdem werden verschiedene Kurse angeboten, die Frauen, Familien und den Zusammenhalt der Gemeinden stärken sollen. Das zweite SOS-Sozialzentrum organisiert mit hunderten Familien aus den umliegenden Gemeinden sogenannte Tagesmütterprogramme. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, die Familien zu stärken und somit Armut und das Verlassenwerden der Kinder zu vermeiden.