Die Insel Chiloé liegt vor der chilenischen Küste im Pazifischen Ozean, etwa 1000 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago de Chile. Nächstgrößte und wichtigste Stadt auf dem Festland ist die Hafenstadt Puerto Montt, in etwa 60 Kilometern Entfernung. Chiloé ist die größte von insgesamt 40 Inseln, die einen Archipel bilden. 35 Inseln sind bewohnt, die Insel Chiloé selbst ist mit etwas mehr als 9.000 km² die zweitgrößte Insel Lateinamerikas und hat ungefähr 130.000 Einwohner. Typisch für die Insel sind die unzähligen Buchten, Kanäle, Golfe, Seen und Lagunen, welche die Landschaft prägen.
Die Stadt Ancud liegt im äußersten Norden der Insel, zählt etwa 24.000 Einwohner und besticht durch die typischen Holzhäuser und -kirchen. Das soziale Umfeld der Insel wird durch die Armut der Bewohner gekennzeichnet, Arbeitsplätze sind auf der Insel rar und große Armut und hohe Arbeitslosigkeit führen zu einer Reihe stark ausgeprägter sozialer Probleme wie Alkoholismus, Gewalt und Obdachlosigkeit. Die Abgelegenheit der Insel erschwert den Austausch und die Kontakte der Bewohner mit den restlichen Landesteilen Chiles, es bestehen kaum Möglichkeiten einer fundierten Ausbildung. Das Festland ist in etwa 40 Minuten nur mittels Fähre erreichbar, der Bau einer Brücke zwischen der Insel und dem Festland ist in Planung. Das SOS-Kinderdorf Chiloé-Ancud soll dazu beitragen, elternlosen Kindern ein neues Zuhause zu geben und den Lebensstandard der benachbarten Bevölkerung verbessern zu helfen.
Die Bauarbeiten zur Errichtung des dreizehnten SOS-Kinderdorfes in Chile wurden im August 2002 in Angriff genommen und erfolgten unter reger Anteilnahme seitens der Bevölkerung. Bereits vor Baubeginn wurde ihr mit Hilfe lokaler Zeitungen, Radiosender und in Versammlungen die Idee von SOS-Kinderdorf nahe gebracht und die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Errichtung aufgerufen. Es wurden Spendengelder gesammelt und auch Maschinen, Werkzeug und Arbeitskraft zur Verfügung gestellt. Die Gestaltung der Grünflächen und des Parks des SOS-Kinderdorfes konnte so fast ausschließlich durch lokale Spenden finanziert werden. Die feierliche Eröffnung fand am 19. Oktober 2003 durch den Präsidenten von SOS-Kinderdorf International, Helmut Kutin, und in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste statt.
Das SOS-Kinderdorf Chiloé-Ancud liegt im Stadtteil Bellavista auf einem leicht in die Bucht von Ancud abfallenden Gelände von sechs Hektar. Es wurden zwölf Familienhäuser errichtet, die insgesamt 100 Kindern Geborgenheit geben und ein Aufwachsen in einer liebevollen Umgebung ermöglichen sollen. Die Häuser wurden in Anlehnung an die ortsüblichen Bauweise aus Holz errichtet, bieten etwa 160 m² Wohnfläche und umfassen vier Schlafzimmer, zwei Badezimmer, Küche, Waschküche, Esszimmer und Wohnzimmer. Zur Infrastruktur des SOS-Kinderdorfes Chiloé-Ancud gehören außerdem das Haus des Dorfleiters, ein Verwaltungsgebäude, ein Mehrzwecksaal für Feste und Veranstaltungen, ein Haus für Familienhelferinnen (sogenannten SOS-Tanten, die den SOS-Kinderdorfmüttern bei ihrer Arbeit zur Hand gehen) und Lagerräume.
Ebenfalls auf dem Gelände des SOS-Kinderdorfes befindet sich ein SOS-Kindergarten. Hier können bis zu 60 Kinder aus dem SOS-Kinderdorf sowie aus der Umgebung im Alter zwischen drei und sechs Jahren in drei Gruppenräumen betreut werden.