SOS-Kinderdorf Igarassu 

Das SOS-Kinderdorf Igarassu liegt in der gleichnamigen Stadt im Nordosten Brasiliens und ist etwa 26 Kilometer von Recife, der Hauptstadt des Bundesstaates Pernambuco, entfernt. Die Stadt Igarassu mit etwa 82.000 Einwohnern gehört zum Großraum von Recife, der insgesamt etwa 1,5 Millionen Einwohner zählt und ein wichtiges wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Region ist. Die Wirtschaft der Region stützt sich vor allem auf die verarbeitende Industrie, wobei hier die Erzeugung von Alkohol und Rohrzucker von besonderer Bedeutung ist. Im Umland der Stadt spielen Obst- und Gemüseanbau sowie der Anbau von Schnittblumen eine große Rolle. Fischfang und Tourismus sind ebenfalls von Bedeutung.

Die rasche wirtschaftliche Entwicklung führte zu einem kräftigen Anstieg der Bevölkerungszahl, da die Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen viele Menschen aus der gesamten Region nach Recife lockte. Etwa ein Viertel der rund 1,5 Millionen Einwohner von Recife ist jünger als 15 Jahre und etwa ein Drittel der Bevölkerung muss mit weniger als der Hälfte des üblichen Mindestlohnes ihr Auslangen finden. Etwa 20% der Bevölkerung haben weniger als ein Schuljahr absolviert und 10% der Bevölkerung sind ohne Arbeit. Diese schwierigen sozialen Verhältnisse haben zur Folge, dass zahlreiche Eltern nicht in der Lage sind, für ihre Kinder zu sorgen. Untersuchungen haben ergeben, dass etwa 300 Kinder in der Region langfristig außerhalb ihrer leiblichen Familien untergebracht werden müssen, staatliche Einrichtungen für die Versorgung dieser Kinder gibt es in Recife nicht oder nur in unzureichendem Ausmaß. Dies war auch der Grund, weshalb sich SOS-Kinderdorf zur Errichtung des SOS-Kinderdorfes in Igarassu entschlossen hat.

 Das SOS-Kinderdorf Igarassu liegt auf einem 30.000 m² großen Grundstück, das von der Regierung des Bundesstaates Pernambuco zur Verfügung gestellt wurde. Das SOS-Kinderdorf umfasst 14 Familienhäuser, in denen insgesamt bis zu 126 Kinder ein liebevolles Zuhause finden können. Ein Haus für den Dorfleiter, ein Haus für die so genannten SOS-Tanten (in Ausbildung befindliche zukünftige SOS-Kinderdorf-Mütter oder Familienhelferinnen, die den SOS-Kinderdorf-Müttern bei der täglichen Arbeit zur Hand gehen oder sie bei Krankheit und im Urlaub vertreten), ein Verwaltungs- und Servicebereich, eine Mehrzweckhalle für Feiern und Veranstaltungen sowie ein Sport- und Spielplatz runden die Infrastruktur des SOS-Kinderdorfes ab.

 Auf dem Gelände des SOS-Kinderdorfes befindet sich auch ein Sozialzentrum, in dem eine Kindertagesstätte, eine kleine Krankenstation inklusive zahnärztlicher Ordination und Apotheke für die bedürftige Bevölkerung der Umgebung sowie Schulungsräume für Kinder- und Erwachsenenbildung untergebracht sind. Das SOS-Kinderdorf ist gut an das öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen und Supermärkte, Bäckereien, Apotheken, Banken, Unternehmen, Schulen und Gesundheitseinrichtungen bieten alles, was die Bewohner des SOS-Kinderdorfes für das tägliche Leben benötigen.