Das SOS-Kinderdorf Brasília wurde am 13. Oktober 1968 in Betrieb genommen. In Brasília, der künstlich geschaffenen Hauptstadt des Landes, die erst Mitte der fünfziger Jahre gegründet wurde, leben rund zwei Millionen Menschen. Der einem Flugzeugrumpf ähnliche Grundriss der Stadt wurde vom brasilianischen Städteplaner Lúcio Costa entworfen, die bauliche Umsetzung erfolgte unter maßgeblicher Mitarbeit des brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer. Mit der Errichtung Brasílias sollte einerseits die alte Hauptstadt Rio de Janeiro entlastet und durch die Ansiedlung der Hauptstadt im Landesinneren die Erschließung des Binnenlandes vorangetrieben werden. Die staatliche Verwaltung ist wichtigster Arbeitgeber der Stadt, Industrie wurde in Brasília nicht angesiedelt, sondern vor allem die Entwicklung des Kleingewerbes gefördert. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung Brasílias leben in den riesigen Elendsvierteln am Stadtrand.
Das SOS-Kinderdorf Brasília liegt im Norden der Stadt und besteht aus 17 Familienhäusern für bis zu 120 Kinder, dem Haus des Dorfleiters, einem Haus für so genannte SOS-Tanten (in Ausbildung befindliche zukünftige SOS-Kinderdorfmütter oder Familienhelferinnen, die den SOS-Kinderdorfmüttern bei der täglichen Arbeit zur Hand gehen oder sie bei Krankheit und im Urlaub vertreten), sowie einem Verwaltungs- und Servicebereich. Die Kinder des SOS-Kinderdorfes besuchen öffentliche Kindergärten und Schulen in der Umgebung.