In Cochabamba, der zweitgrößten Stadt Boliviens, wurde 1970 das erste SOS-Kinderdorf Boliviens, das SOS-Kinderdorf Jordán, gegründet. Da dieses SOS-Kinderdorf aus allen Nähten platzte, wurde am Stadtrand von Cochabamba als Erweiterung das SOS-Kinderdorf Tiquipaya erbaut und 1995 seiner Bestimmung übergeben. Dieses SOS-Kinderdorf wurde auf einem 12 Hektar großen Gelände errichtet. Es umfasst 10 Familienhäuser, in denen bis zu 90 Kinder ein neues Zuhause finden können, das Haus des Dorfleiters, ein Haus für die so genannten SOS-Tanten (in Ausbildung befindliche zukünftige SOS-Kinderdorfmütter oder Familienhelferinnen, die den SOS-Kinderdorfmüttern bei der täglichen Arbeit zur Hand gehen oder sie bei Krankheit und im Urlaub vertreten), ein Verwaltungsgebäude mit Büros, einen Mehrzwecksaal für Feiern und andere Veranstaltungen, eine Werkstätte, einen Spiel- und einen Sportplatz.
Auf diesem Gelände besteht bereits seit 1988 ein SOS-Sozialzentrum, das auf dem Gebiet der Gesundheitsfürsorge eine wertvolle Einrichtung für Familien mit geringem Einkommen ist. Der Gesundheitsdienst bietet Betreuung durch einen Kinderarzt und einen Zahnarzt, Erste Hilfe sowie eine kleine Apotheke. Eine Kindertagesstätte mit Platz für die Betreuung von 160 Kindern im Vorschulalter ergänzt das Angebot des SOS-Sozialzentrums.
Für die Jugendlichen des SOS-Kinderdorfes wurden im Stadtgebiet von Cochabamba insgesamt zwei SOS-Jugendeinrichtungen für Burschen geschaffen. Dabei handelt es sich um Wohngemeinschaften für insgesamt bis zu 32 Jugendliche, wo sie bereits im Verlauf ihrer höheren Schul- und Berufsausbildung Schritt für Schritt auf ein Leben in Selbstständigkeit vorbereitet werden.
Das SOS- Ausbildungs- und Produktionszentrum Tiquipaya gehört ebenfalls zum SOS-Kinderdorf, liegt nur wenige Kilometer entfernt und verfügt über insgesamt 48,6 Hektar Nutzfläche. Es entwickelte sich aus einer bereits vor 15 Jahren gegründeten Farm und wurde in den letzten Jahren ausgebaut und erneuert. Ende 1989 wurde mit dem Bau neuer Stallungen, Werkstätten, Unterrichtsräume und des Internats begonnen, die im Juli 1991 fertig gestellt werden konnten. Bereits einen Monat später, im August 1991, startete das Ausbildungsprogramm und am 11. Mai 1992 fand in Anwesenheit des Präsidenten von SOS-Kinderdorf International, Helmut Kutin, die feierliche Eröffnung statt.
Die umfangreiche Ausbildung umfasst die Bereiche Milchwirtschaft, Geflügel- und Schweinezucht, Gemüseanbau, Grünfutter- und Silowirtschaft, Landwirtschaftsmechanik und Nahrungsmittelverarbeitung aber auch kaufmännische Fächer, mündlichen und schriftlichen Ausdruck sowie Führungsverhalten, die die Jugendlichen befähigen sollen, leitende Funktionen in Landwirtschaft und öffentlicher Verwaltung zu übernehmen und selbst als Ausbildner und Vorarbeiter tätig zu sein. Die Ausbildung ist staatlich anerkannt, dauert zwei Jahre und wird mit dem Titel Landwirtschaftstechniker abgeschlossen. Das Schuljahr beginnt, unter Berücksichtigung der Fruchtfolge- und Anbauperiode, im August und endet im Juli. Unterrichtet wird von Montag bis Samstag, Schüler aus entfernten Gebieten können das Wochenende im Internat verbringen. Das Ausbildungszentrum bietet auch Fort- und Weiterbildungskurse für Kleingruppen und verfügt über eine Informationsdatenbank landwirtschaftlicher Organisationen in Bolivien. Es ist Mitglied der Holsteinviehzüchter Boliviens und Gründungsmitglied des Schweinezucht- und Bewässerungsverbandes von Tiquipaya. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen und nicht zuletzt die Tatsache, dass die Mehrheit der Absolventen sehr gute Arbeitsplätze gefunden hat, zeugen von der Bedeutung dieser Einrichtung und sind Beweis für die Wertschätzung, die ihr entgegengebracht wird.