Das SOS-Kinderdorf Tarija wurde 1992 in Betrieb genommen und liegt in der gleichnamigen Stadt mit etwa 800.0000 Einwohnern, im Süden des Landes, nahe der Grenze zu Argentinien. Das umliegende Hügelland wird landwirtschaftlich genutzt. Hier gedeiht, begünstigt durch das gemäßigte Klima, vor allem Wein, der großflächig angebaut wird. Die Bewohner dieses Landstriches verdingen sich zumeist als Kleinbauern und Arbeiter in diversen Kleinbetrieben, in denen landwirtschaftliche Produkte verarbeitet werden und die der wichtigste Arbeitgeber der Region sind.
Das SOS-Kinderdorf liegt etwa 3,5 Kilometer vom Zentrum Tarijas entfernt in La Tablada, einer der wenigen von der Erosion verschonten Grünzonen der Stadt und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen. Es besteht aus 12 Familienhäusern, dem Haus des Dorfleiters, dem Haus für die so genannten SOS-Tanten (in Ausbildung befindliche zukünftige SOS-Kinderdorf-Mütter oder Familienhelferinnen, die den SOS-Kinderdorf-Müttern bei der täglichen Arbeit zur Hand gehen oder sie bei Krankheit und im Urlaub vertreten) und einem Verwaltungsgebäude. Insgesamt bietet das SOS-Kinderdorf bis zu 108 Kindern die Möglichkeit, in einer liebevollen Umgebung und in familienähnlichen Strukturen aufzuwachsen.
Zum SOS-Kinderdorf gehören außerdem eine SOS-Hermann-Gmeiner-Schule, eine SOS-Jugendeinrichtung und ein SOS-Sozialzentrum. Die im Januar 2004 eröffnete SOS-Hermann-Gmeiner-Schule hat Kapazität für 800 Schüler und besteht aus 16 Klassenräumen, Nebenräumen und einem Verwaltungsbereich.
In Tarija gibt es mehrere öffentliche und private Schulen, eine staatliche Fachschule bietet den Jugendlichen aus dem SOS-Kinderdorf die Möglichkeit, eine Ausbildung in verschiedenen Metall verarbeitenden Berufen zu verfolgen. Die medizinische Betreuung sowie die Versorgung mit Nahrungs- und Gebrauchsgütern sind durch die öffentliche Einrichtungen in der Stadt gewährleistet.
Zum SOS-Kinderdorf Tarija gehört auch eine SOS-Jugendwohngemeinschaft für Burschen, die insgesamt bis zu 10 Jugendlichen Platz bietet und in der die Jugendlichen aus dem SOS-Kinderdorf während ihrer höheren Schul- oder Berufsausbildung untergebracht sind und so Schritt für Schritt auf ein Leben in Selbstständigkeit vorbereitet werden. Zudem wird hier Beratung für Jugendliche geboten.
Das SOS-Sozialzentrum rundet die zum SOS-Kinderdorf gehörende Infrastruktur ab. Es liegt am Stadtrand von Tarija im Stadtteil "Defensores del Chaco". Die Bauarbeiten für das SOS-Sozialzentrum Tarija wurden 1993 in Angriff genommen, am 17. April 1996 wurde das SOS-Sozialzentrum eröffnet. Die Aktivitäten des SOS-Sozialzentrums liegen in folgenden Bereichen: Ernährung, Gesundheit und kindliche Entwicklung, familiäre Entwicklung und Frauenförderung, Organisation und Integration in die Gemeinde sowie Ausbildung und berufliche Entwicklung für Mütter. Das SOS-Sozialzentrum verfügt dazu über eine Kindertagesstätte, in der 220 Kinder täglich drei Mahlzeiten erhalten, über eine kinderärztliche und eine zahnärztliche Praxis, eine kleine Apotheke und ein Krankenzimmer für stationäre Fälle. Die Kindertagesstätte wird nach den Prinzipien der Montessorimethode geführt.
Ein weiterer wichtiger Grundstein der Sozialarbeit ist der so genannte Familienvertrag, den alle Eltern bei der Anmeldung ihres Kindes in die Kindertagesstätte abschließen müssen und von dessen Einhaltung die Zulassung des Kindes im nächsten Jahr abhängt. Vertragsgegenstand sind selbst gesteckte Ziele wie zum Beispiele die Arbeitssuche, deren Verfolgung von den Erzieherinnen der Kinder betreut und überwacht wird. Bei der Berufsförderung für Frauen wird das Schwergewicht auf Beratung Kleinhandel treibender Frauen (Produktqualität, Buchhaltung und Verkaufsstrategien), Agenden von Hauswirtschafterinnen und handwerkliche Kurse, wie etwa einen Korbflechtkurs, gelegt. Eine weitere Einrichtung sind acht Familienkomitees, die vornehmlich aus Müttern jener Kinder bestehen, die im SOS-Sozialzentrum betreut werden. Zu ihren Aufgabenbereichen gehören Erholung, Erziehungsfragen, Ausbildung, Spendensammlung, Sport und gemeinnützige Arbeit. So veranstalten die Familienkomitees etwa Informationsabende zu gynäkologischen Themen und bilden Helfergruppen zur Renovierung von Wohnhäusern.