1993 erfolgte in Sucre die Grundsteinlegung für das gleichnamige SOS-Kinderdorf. Sucre liegt etwa 400 Kilometer von La Paz entfernt auf 2800 Metern Seehöhe. Laut Verfassung ist Sucre zwar noch immer die Hauptstadt Boliviens, hat aber faktisch ihren Rang als Hauptstadt schon vor mehr als 100 Jahren an den Regierungssitz La Paz verloren. Das SOS-Kinderdorf Sucre wurde ungefähr sechs Kilometer außerhalb der Stadt auf einem Gelände von fünf Hektar erbaut und liegt in einer als städtisch deklarierten Zone, die jedoch noch nicht über eine städtische Infrastruktur verfügt. Der Großteil der Bevölkerung hat weder Trinkwasser, elektrischen Strom, Telefonanschluss oder sanitäre Einrichtungen.
Das SOS-Kinderdorf besteht aus 12 Familienhäusern, in denen bis zu 108 Kinder ein neues Zuhause finden können, dem Haus des Dorfleiters, einem Haus für die so genannten SOS-Tanten (in Ausbildung befindliche zukünftige SOS-Kinderdorf-Mütter oder Familienhelferinnen, die den SOS-Kinderdorf-Müttern bei der täglichen Arbeit zur Hand gehen oder sie bei Krankheit und im Urlaub vertreten) und einem Verwaltungsgebäude. Ein Mehrzwecksaal für Feiern und diverse Veranstaltungen sowie ein Sportplatz runden die Infrastruktur des SOS-Kinderdorfes ab.
Ebenfalls zum SOS-Kinderdorf gehören ein SOS-Sozialzentrum und eine SOS-Jugendeinrichtung. Das SOS-Sozialzentrum umfasst eine Kindertagesstätte und ein kleines Gesundheitszentrum. Fünf Gruppenräume zur Betreuung von Kindern im Vorschulalter, drei Behandlungszimmer mit den entsprechenden Nebenräumen sowie ein Seminarraum für die Erwachsenenbildung stehen der Bevölkerung der Umgebung zur Verfügung und leisten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen der bedürftigen Bevölkerungsschichten. Die Kindertagesstätte ist deshalb besonders wertvoll, weil sie allein erziehenden Müttern aus der Umgebung die Möglichkeit eröffnet, tagsüber den Lebensunterhalt der Familie durch Arbeit zu verdienen oder zumindest zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen und die Kinder unter fachlich ausgebildeter Betreuung zu wissen. Außerdem werden Informationsveranstaltungen über gesunde und ausgewogene Ernährung sowie über andere Gesundheitsthemen organisiert. Auch die Förderung von Frauen ist ein spezielles Anliegen. So werden Fortbildungskurse in verschiedenen handwerklichen Tätigkeiten angeboten, um die berufliche Qualifikation allein erziehender Frauen zu steigern und damit sowohl ihr Einkommen als auch ihre Position in der Gesellschaft zu verbessern.
Für die Jugendlichen des SOS-Kinderdorfes wurde im Stadtgebiet von Sucre eine SOS-Jugendeinrichtungen geschaffen. Dabei handelt es sich um eine Wohngemeinschaft für insgesamt bis zu neun Jugendliche, wo sie bereits im Verlauf ihrer höheren Schul- und Berufsausbildung Schritt für Schritt auf ein Leben in Selbstständigkeit vorbereitet werden.