1992 erfolgte in Santa Cruz die Grundsteinlegung für das SOS-Kinderdorf. Santa Cruz, Hauptstadt des gleichnamigen ostbolivianischen Departments, liegt in einer Höhe von 440 Metern am Río Piray. In den letzten 40 Jahren zog Santa Cruz durch den Anschluss an die Infrastruktur sowie Erdöl-, Erdgas- und Eisenerzfunde viele Zuwanderer aus dem Hochland an und entwickelte sich zu einer Großstadt mit über 600.000 Einwohnern. Diese Entwicklung brachte jedoch auch eine Verstärkung sozialer Probleme wie Arbeitslosigkeit und Armut mit sich. Santa Cruz ist heute Handelszentrum sowie Sitz verschiedener Unternehmen der Konsumgüterindustrie.
Das SOS-Kinderdorf Santa Cruz wurde auf einem etwa 15.500 m2 großen Grundstück errichtet und liegt an der alten Straße nach Cochabamba, in einem Wohnbezirk in der Nähe des Flusses Piray. Es besteht aus 12 Familienhäusern, die bis zu 108 Kindern ein neues Zuhause geben können. Auf dem Gelände befinden sich außerdem das Haus des Dorfleiters, das Haus für die so genannten SOS-Tanten (in Ausbildung befindliche zukünftige SOS-Kinderdorf-Mütter oder Familienhelferinnen, die den SOS-Kinderdorf-Müttern bei der täglichen Arbeit zur Hand gehen oder sie bei Krankheit und im Urlaub vertreten) und ein Verwaltungsgebäude. Die Infrastruktur des SOS-Kinderdorfes umfasst außerdem eine SOS-Hermann-Gmeiner-Schule, ein SOS-Sozialzentrum und eine SOS-Jugendeinrichtung.
Die SOS-Hermann-Gmeiner-Schule öffnete im Februar 1999 ihre Pforten und wird als Grundschule für 760 Schüler geführt. Im Schulgebäude sind 17 Klassenzimmer, ein Verwaltungsbereich und alle erforderlichen Nebenräume untergebracht. Zudem verfügt die Schule über einen Sportplatz. Das SOS-Sozialzentrum wurde gemeinsam mit der SOS-Hermann-Gmeiner-Schule eröffnet und umfasst eine Kindertagesstätte und ein kleines Gesundheitszentrum. Fünf Gruppenräume zur Betreuung von Kindern im Vorschulalter und drei Räume zur Säuglingsbetreuung sowie drei Behandlungszimmer mit den entsprechenden Nebenräumen stehen der Bevölkerung der Umgebung zur Verfügung und leisten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen der bedürftigen Bevölkerungsschichten. Die Kindertagesstätte ist besonders wertvoll, da sie allein erziehenden Müttern aus der Umgebung die Möglichkeit eröffnet, tagsüber den Lebensunterhalt der Familie durch Arbeit zu verdienen oder zumindest zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen und die Kinder unter fachlich ausgebildeter Betreuung zu wissen.
Für die Jugendlichen des SOS-Kinderdorfes wurden im Stadtgebiet von Santa Cruz insgesamt drei SOS-Jugendeinrichtungen für Burschen und Mädchen geschaffen, in denen bis zu 36 Jugendliche bereits im Verlauf ihrer höheren Schul- und Berufsausbildung Schritt für Schritt auf ein Leben in Selbstständigkeit vorbereitet werden.