Das SOS-Kinderdorf Potosí zählt zu den jüngsten Projekten von SOS-Kinderdorf International in diesem Andenstaat, die Bauarbeiten wurden im August 1998 in Angriff genommen und im Jahr 2000 abgeschlossen. Das SOS-Kinderdorf Potosí befindet sich in der bolivianischen Hochebene in der gleichnamigen Stadt Potosí in einer Höhe von 3960 Metern über dem Meeresspiegel. Das Klima dieser Hochlandregion ist ausgesprochen kühl, die Wirtschaft war seit jeher auf den Bergbau ausgerichtet, jedoch führten fallende Rohstoffpreise zur Schließung zahlreicher Bergbauunternehmen, was Arbeitslosigkeit, Armut und zunehmende Abwanderung in das Landesinnere nach sich zog. Bettelnde Kinder und Kinderarbeit zählen zum alltäglichen Bild in Potosí, jener Stadt, die im Jahre 1545 als die reichste Stadt der Welt von sich reden machte und von der man damals meinte, mit ihrem Reichtum ließe sich eine Brücke aus Silber bis nach Spanien errichten.
Das SOS-Kinderdorf Potosí liegt in der nach dem Hügel "La Chaca" benannten Zone am Fuße der Stadt und ist mit Bus oder Auto erreichbar. Das SOS-Kinderdorf besteht aus 12 Familienhäusern, die bis zu 108 Kindern ein neues Zuhause bieten, dem Haus des Dorfleiters, einem Haus für die so genannten SOS-Tanten (in Ausbildung befindliche zukünftige SOS-Kinderdorf-Mütter oder Familienhelferinnen, die den SOS-Kinderdorf-Müttern bei der täglichen Arbeit zur Hand gehen oder sie bei Krankheit und im Urlaub vertreten) und einem Verwaltungsgebäude. Weiters gehören zum SOS-Kinderdorf eine SOS-Jugendeinrichtung und ein SOS-Sozialzentrum.
Für die Jugendlichen des SOS-Kinderdorfes wurde im Stadtgebiet eine SOS-Jugendeinrichtung geschaffen, in der in Ausbildung stehende Jugendliche untergebracht sind. Hier werden sie bereits während der höheren Schul- oder Berufsausbildung unter Aufsicht eines Jugendpädagogen im Rahmen von Wohngemeinschaften Schritt für Schritt auf ein Leben in Selbstständigkeit vorbereitet.
Das SOS-Sozialzentrum umfasst eine Kindertagesstätte für Tagesbetreuung von bis zu 120 weiteren Kindern sowie ein Gesundheitszentrum und öffnete im Januar 2003 seine Pforten. Die Kindertagesstätte ist mit zwei Räumen für die Säuglingsbetreuung, drei Klassenräumen für größere Kinder, einem Speisesaal, einem Seminarraum für Erwachsenenbildung, Küche und Nebenräumen ausgestattet. Im Gesundheitszentrum ordinieren ein Kinderarzt sowie ein Zahnarzt und es verfügt darüber hinaus auch über eine kleine Apotheke. Diese Einrichtung zur ambulanten medizinischen Versorgung leistet einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen im Umfeld des SOS-Kinderdorfes. Die Kindertagesstätte ist besonders wertvoll, da sie allein erziehenden Müttern aus der Umgebung die Möglichkeit eröffnet, tagsüber den Lebensunterhalt der Familie durch Arbeit zu verdienen oder zumindest zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen und die Kinder unter fachlich ausgebildeter Betreuung zu wissen.