Das SOS-Kinderdorf El Alto liegt in der gleichnamigen Stadt in unmittelbarer Nähe von La Paz in einer Höhe von über 4000 Metern über dem Meeresspiegel. El Alto ist die bolivianische Stadt mit dem stärksten Bevölkerungswachstum, etwa 50% der Bevölkerung sind jünger als 19 Jahre. Die extreme Bevölkerungsentwicklung begann in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit der verstärkten Zuwanderung von Personen aus ländlichen Gebieten und setzte sich Mitte der 80er Jahre fort, als zahlreiche unrentabel gewordene Bergwerke in den Bergbauzentren Oruro und Potosí geschlossen wurden und die arbeitslosen Bergarbeiter und deren Familien auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen nach El Alto und in die Nähe von La Paz drängten.
Da der Ausbau der Infrastruktur mit dem Anstieg der Einwohnerzahl nicht Schritt halten konnte, mangelt es trotz unleugbarer Fortschritte noch merklich an öffentlichen Schul- und Gesundheitseinrichtungen, und auch der Ausbau der Verkehrswege sowie die Versorgung mit Trinkwasser ist noch nicht überall in ausreichendem Maße gewährleistet. Mehr als 70% der Haushalte El Altos leben unterhalb der Armutsgrenze, die Lebenserwartung liegt bei nur 62 Jahren und über 88% der Bevölkerung sind Analphabeten. Die ausgeprägte Armut der Bevölkerung führt bei vielen Kindern zu Unterernährung, schlechten Leistungen in der Schule bedingt durch häufiges Fernbleiben vom Unterricht, Kinderarbeit und Alkoholismus und Drogenkonsum bei Jugendlichen und Erwachsenen. Gewalt und das Auseinanderbrechen familiärer Strukturen sind weit verbreitete Problemfelder, tagtäglich werden Kinder von ihren Eltern verlassen oder ausgesetzt. Angesichts der ausgeprägten sozialen Problematik in El Alto beschloss SOS-Kinderdorf International, in der Stadt neben einem SOS-Kinderdorf auch ein SOS-Sozialzentrum zu errichten, das einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensumstände leisten soll.
Das SOS-Kinderdorf El Alto wurde auf einem 17.500 m² großen Grundstück im Stadtteil Villa Nueva Asunción errichtet und zählt zwölf Familienhäuser in denen insgesamt 108 Kinder untergebracht werden können. Neben den Familienhäusern umfasst die Infrastruktur des SOS-Kinderdorfes auch das Haus des Dorfleiters, ein Haus für die SOS-Tanten - in Ausbildung befindliche SOS-Kinderdorf-Mütter, die ihr Berufspraktikum absolvieren oder Familienhelferinnen, die den SOS-Kinderdorf-Müttern bei der Verrichtung ihrer täglichen Arbeit zu Hand gehen -, ein Gästehaus für SOS-Mitarbeiter, die sich zu Schulungs- oder Ausbildungszwecken im SOS-Kinderdorf aufhalten, ein Lagerhaus, ein Verwaltungsgebäude mit Büroräumen sowie eine Mehrzweckhalle für verschiedene Veranstaltungen und Aktivitäten des SOS-Kinderdorfes.
Für die Jugendlichen des SOS-Kinderdorfes wurde im Stadtgebiet eine SOS-Jugendeinrichtung geschaffen, in der in Ausbildung stehende Jugendliche untergebracht sind. Hier werden sie bereits während der höheren Schul- oder Berufsausbildung unter Aufsicht eines Jugendpädagogen im Rahmen einer Wohngemeinschaft Schritt für Schritt auf ein Leben in Selbstständigkeit vorbereitet.
Im SOS-Sozialzentrum sollen etwa 260 Personen, vornehmlich Mütter mit kleinen Kindern, Betreuung und Beratung finden, das Schwergewicht der Arbeit der Mitarbeiter des SOS-Sozialzentrums liegt darin, die oft alleinerziehenden Mütter mittels Beratung und Fortbildungsmaßnahmen in ihrem täglichen Überlebenskampf zu unterstützen und so dem Verlassen der Kinder vorzubeugen. Durch das Angebot, die Kinder tagsüber in der SOS-Kindertagestätte bzw. dem SOS-Kindergarten zu versorgen, wird den Müttern die Möglichkeit gegeben, einer Beschäftigung nachzugehen und somit den Unterhalt ihrer Familie zu bestreiten. Auch die grundlegende medizinische Versorgung soll durch das SOS-Sozialzentrum gewährleistet sein. Das SOS-Sozialzentrum umfasst zwei Krankenzimmer, ein Untersuchungszimmer für den praktischen Arzt, ein Untersuchungszimmer für den Zahnarzt, eine kleine Apotheke, ein Klassenzimmer für Kinder, ein Klassenzimmer für Erwachsenenbildung, einen Speisesaal, eine Küche mit Vorratsraum, Toiletten und Waschräume, Verwaltungsräume und die Wohnung des Hausmeisters.