Hauptstadt: Kigali
Fläche: 26.338 km²
Bevölkerungszahl: 8,4 Millionen (Stand Juli 2005)
Bevölkerungsgruppen: Hutus, Tutsis und Twa
Amtssprache(n): Kinyarwanda, Französisch, Englisch und Kisuahili,
Religion(en): katholische Kirche, protestantische Kirche, Islam und traditionelle afrikanische Glaubensrichtungen
Währung: 1 Ruanda-Franc = 100 Centimes
SOS-Kinderdorf-Aktivitäten im Land
1978 knüpfte SOS-Kinderdorf International erste Kontakte mit den zuständigen Behörden Ruandas zum Zwecke der Errichtung von dringend notwendigen SOS-Kinderdorf-Einrichtungen. Bereits ein Jahr später bezogen die ersten Familien ihr SOS-Kinderdorf in Kigali, der Hauptstadt Ruandas. 1983 wurde mit der Jugendarbeit begonnen, um die dem Kinderdorf entwachsenen Jugendlichen auf ihrem Weg in die Selbständigkeit zu unterstützen. 1990 brach in Ruanda zwischen den beiden ethnischen Gruppen der Tutsis und Hutus der Bürgerkrieg aus. Die kriegerischen Auseinander-setzungen eskalierten und erreichten im April 1994 ihren Höhepunkt. In der Folge mussten die Familien aus dem SOS-Kinderdorf Kigali für kurze Zeit in Notunterkünfte in der Hauptstadt flüchten. Bald darauf konnte im Nordosten des Landes, in Ngarama, ein provisorisches SOS-Kinderdorf in den Gebäuden eines ehemaligen Waisenhauses eingerichtet werden.
Auch die Kinder des 1992 erbauten SOS-Kinderdorfes Gikongoro mussten vorübergehend ihre Heimat verlassen und fanden Unterkunft im SOS-Kinderdorf Bukavu im benachbarten Kongo. SOS-Kinderdorf vollbrachte unter diesen erschwerten Bedingungen außerordentliche, zuweilen fast übermenschliche Leistungen, indem die SOS-Kinderdorf-Einrichtungen Ruandas sowie der Nachbarländer Burundi und Kongo gemeinsam rund eintausend zusätzliche Kinder mitbetreuten.
Nachdem sich die Lage 1995 einigermaßen stabilisiert hatte, wurde ein drittes SOS-Kinderdorf in Byumba geplant, um den vielen Waisenkindern die Möglichkeit zu geben, wieder ein normales Leben in einer Familie zu führen. 1997 ging dieses Kinderdorf gemeinsam mit einem Kindergarten, einer Schule sowie einem medizinischen Zentrum in Betrieb. Aufgrund des anhaltend großen Bedarfs entstanden dieselben zusätzlichen Einrichtungen auch in der Hauptstadt Kigali. Der Schwerpunkt der SOS-Kinderdorf-Arbeit lag in dieser Zeit in therapeutischer Rehabilitation zur Unterstützung traumatisierter Kinder sowie Programmen zur Familienzusammenführung.
Ab 2004 unternahm SOS-Kinderdorf Ruanda in Zusammenarbeit mit anderen NGOs verschiedene Schritte, die Not der Bevölkerung, vor allem auch der von HIV/Aids-Betroffenen, zu lindern, z.B. Unterstützung mit Medikamenten, Schulgebühren, Schaffung von Selbsthilfeprojekten. Nach der Errichtung eines Berufsbildungszentrums für die SOS-Mitarbeiter und Mütter aus der Region der Großen Seen wurde in Kigali 2005 ein Berufsbildungszentrum für die SOS Jugendliche und die jungen Erwachsenen ins Leben gerufen mit dem Ziel, ihnen eine fundierte praktische Ausbildung zu vermitteln.
Mit dem Ziel, sich der schwierigen Situation der Kinder im Bezirk Kayonza zu stellen, aber auch um die Hilfs- und Präventionsaktivitäten (Aufnahme gefährdeter Kinder, aber auch Förderung der Rechte der Kinder sowie Familienstärkung) von SOS-Kinderdorf in dem Land besser zu verankern, begann der Bau eines vierten Kinderdorfes im Juni 2008. Das SOS-Kinderdorf Kayonza wurde im Frühjahr 2011 fertig und konnte kurz danach eröffnet werden.
Gegenwärtig gibt es in Ruanda vier SOS-Kinderdörfer, eine SOS-Jugendeinrichtung, vier SOS-Kindergärten, vier SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen, drei SOS-medizinische Zentren, zwei SOS-Berufsbildungszentren sowie vier SOS-Sozialzentren.