Am Beispiel Kenia: Was brauchen unbegleitete Kinder in Notfallsituationen? 

04/04/2008 - Die Ereignisse nach den Wahlen in Kenia haben die Behörden veranlasst, neue Richtlinien zu erarbeiten, um den Schutz von Kindern zu gewährleisten, die von ihren Eltern getrennt werden.
Foto: Thomas Schytz Larsen
Kinder brauchen in Notsituationen besondere Aufmerksamkeit - Foto: T. Schytz Larsen
Nach den umstrittenen Wahlergebnissen in Kenia vom Dezember 2007 wurden im Zuge von schweren Ausschreitungen tausende Menschen vertrieben und viele Kinder von ihren Familien getrennt. Das Amt für Kinderfürsorge (Department for Children's Services) hat gemeinsam mit dem kenianischen Roten Kreuz schnell reagiert und viele Kinder vorübergehend in Notunterkünften, unter anderem auch im SOS-Kinderdorf in Nairobi, untergebracht. Dennoch konnten einige Kinder von den offiziellen Behörden nicht erfasst werden und sind Kinderhändlern zum Opfer gefallen oder anderweitig missbraucht worden. Um für eine ähnliche Situation besser vorbereitet zu sein, hat das Department for Children's Services einen dreitägigen Workshop zum Thema Kinderschutz und Intervention für Kinder, die von ihren Familien getrennt wurden, in Nairobi abgehalten.

Zusammenarbeit mit Partnern

Ziel des Workshops war es, den Teilnehmern die verschiedenen Aspekte der Situation von unbegleiteten Kindern näher zu bringen. Einer der wichtigsten Schritte in derartigen Ausnahmesituationen ist die Registrierung unbegleiteter Kinder; dabei sollen den einzelnen Organisationen einheitliche Registrierungsformulare helfen. Die Workshopteilnehmer kamen von nichtstaatlichen Organisationen, Kinderbetreuungseinrichtungen und von Behörden, die in den Bereichen Kinderbetreuung und Kinderschutz tätig sind.

Schulungsinhalte waren: Kinder, die von ihren Familien getrennt werden; Ursachen und Prävention von Trennung; Identifizierung und Registrierung mit Schwerpunkt auf Kommunikationstechniken für verschiedene Altersgruppen; Nachforschung von Familien; sexuelle Ausbeutung und Missbrauch von unbegleiteten Kindern. Zusätzlich wurden die Formulare, die von den verschiedenen Behörden zur Registrierung der Kinder verwendet werden, analysiert und auf eine Standardisierung für die Eingabe in eine zentrale Datenbank geprüft. Die Datenbank soll die Informationserfassung, Fahndungsbemühungen, Aufgaben der Behörden und Kooperationen für unbegleitete Kinder und ihre Familien koordinieren. 

Nächste Schritte 

Die Teilnehmer stimmten darin überein, dass es viele Grauzonen gibt, wenn es um Betreuung und Schutz von unbegleiteten Kindern innerhalb und außerhalb von Flüchtlingscamps geht. Sie verpflichteten sich dazu, kurz- und langfristige Strategien zu Kinderbetreuung und Kinderschutz auszuarbeiten. Positive Resonanz fand die rasche und organisierte Aufnahme von unbegleiteten Kindern im SOS-Kinderdorf in Nairobi, die gute Dokumentation und die Kooperation von SOS-Kinderdorf Kenia mit Partnerorganisationen in dieser extrem schwierigen Situation. Alle Vertreter bei diesem Workshop waren sich einig, dass eine kontinuierliche Zusammenarbeit der verschiedenen Organisationen und Behörden dringend notwendig ist, um eine effektive Implementierung der Kinderrechte zu gewährleisten - unabhängig davon, ob eine Notsituation gegeben ist oder nicht.

Der Workshop war Teil einer Reihe von ähnlichen Treffen in ganz Kenia unter der Federführung des Department of Children's Services, um die Kinderbetreuung und den Schutz von Kindern weiter zu verbessern. Der Workshop in Kenia wurde von UNICEF und Save the Children UK mitveranstaltet. 

Lorraine Otieno, SOS-Kinderdorf Kenia