Hesmats Flucht 

Die unglaubliche Geschichte eines Jungen aus Afghanistan, der mit Hilfe von SOS-Kinderdorf und dem Journalisten Wolfgang Böhmer in Österreich bleiben konnte, ist jetzt als Jugendbuch erschienen.
Foto: Cover des Buches "Hesmats Flucht"
Die Geschichte von Hesmat in Buchform
Eine wahre Geschichte aus Afghanistan
lautet der Untertitel auf dem Cover des Buches. Als packend, bewegend, aufrüttelnd wird der Inhalt beschrieben. Bewegt waren neben Autor Wolfgang Böhmer auch die Betreuer der Jugendwohngemeinschaft von SOS-Kinderdorf in Telfs/Österreich, als Hesmat ankam. Er fand bei ihnen im Bundesland Tirol eine neue Heimat und Menschen, denen er vertrauen konnte. Ein Radiobeitrag von Wolfgang Böhmer über Hesmats Ankunft 2003 war der Impuls für das nun vorliegende Buch.

 
Wie es zum Buchprojekt kam
Vor sieben Jahren flüchtet der 11-jährige Hesmat nach dem Tod seiner Eltern vor den Taliban und dem Bürgerkrieg aus dem Norden Afghanistans. Unter unglaublichen Strapazen überlebt das Kind die Flucht und landet in einer Einrichtung von SOS-Kinderdorf in Telfs, wo er auf seine Abschiebung wartet. Auf der Suche nach einer Radiogeschichte im Advent 2003 wendet sich Wolfgang Böhmer an SOS-Kinderdorf, wo er über das Schicksal von Hesmat erfährt. Nach einem Treffen mit Hesmat und dem einfühlsamen Bericht über seine Flucht im österreichischen Radiosender Ö3 beschließt der damalige Innenminister Ernst Strasser, der von Hesmats Schicksal hört, dem Jungen die humanitäre Aufenthaltsbewilligung zu geben und ihn vor der Abschiebung zu retten. Heute lebt und arbeitet Hesmat in Innsbruck. Vor wenigen Tagen ist das Buch über ihn erschienen.

Foto: SOS-Archiv
Hesmat und Wolfgang Böhmer mit dem ersten Buchexemplar - Foto: SOS-Archiv

Eine wahre Geschichte aus Afghanistan
Hesmat lebt in Mazar-e Sharif und ist acht Jahre alt, als die Mutter stirbt und wenig später sein Vater umgebracht wird. Völlig auf sich allein gestellt, beschließt der Elfjährige allein zu fliehen. Sein Ziel heißt London, die Traumstadt seiner gebildeten Mutter. Er flüchtet zu Fuß über die 5000 Meter hohen Pässe im Hindukusch, wird von Menschenhändlern verfolgt, mehrmals festgenommen und landet in Gefängnissen in Turkmenistan, Kasachstan und der Ukraine. Auf der Flucht findet er einen Freund, der den Traum, nach Europa zu kommen, mit dem Leben bezahlt. Er gerät in die Hände brutaler Menschenschmuggler, wird hintergangen, geschlagen und von Grenzpolizisten festgenommen, überlebt aber wie durch ein Wunder. Nach elf Monaten landet Hesmat halb verhungert, gequält und mit letzter Kraft in Österreich. Als er in Telfs auf seine Abschiebung wartet, begegnet ihm Wolfgang Böhmer. Drei Jahre lang hat Böhmer Hesmat zugehört, recherchiert und die Geschichte aufgeschrieben.

Der 38jährige Tiroler Wolfgang Böhmer kennt die Krisenregionen dieser Welt und war für den Radiosender Ö3 im Jahre 2002 in Afghanistan. Weitere Einsätze führten ihn u.a. zur Erdbebenkatastrophe nach Pakistan, nach Thailand und Indonesien nach dem Tsunami oder nach New York unmittelbar nach dem 11. September 2001. Seit Jahren arbeitet Böhmer eng mit SOS-Kinderdorf zusammen und setzt sich für die Anliegen von SOS-Kinderdorf ein. 2003 war er als erster Journalist seit Jahren im SOS-Kinderdorf in Mogadischu/Somalia.

 "Hesmats Flucht. Eine wahre Geschichte aus Afghanistan" ist im cbt/cbj Verlag bei Random House erschienen. Ab 12 Jahren (ca. 300 Seiten, € 8,20,-)

Erste Rezensionen in Deutschland:

"Spannend und völlig kitschfrei schildert Wolfgang Böhmer die Odyssee des Jungen Hesmat. Wir erleben einen auktorialen Erzähler, der berichtet, ohne eifernd Partei zu ergreifen. So gelingt ihm das Kunststück, die Auflösung Afghanistans, eines weltpolitischen Konflikts, am authentischen Schicksal eines jungen Menschen darzustellen." (DIE ZEIT)

"Wolfgang Böhmers Sprache ist klar. Niemals wird er sentimental. Anders wären der Schrecken, die Gewalt, die völlige Verrohung auch nicht zu ertragen. Er macht dem Leser bewusst, wie selbstverständlich für uns heute Frieden, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind und er sensibilisiert für das Schicksal der Menschen, die heimatlos und oftmals unerwünscht in der Fremde leben müssen."   (Deutschlandfunk)