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| Dr. Abdullahi mit einem kleinen Patienten in der SOS-Klinik in Afgoye - Foto: SOS-Archiv |
"Ich habe eine junge Frau mit einem 40 Tage alten Baby getroffen. Bei der Geburt hatte eine traditionelle Hebamme geholfen, die dafür 400.000 Somalia-Schillinge verlangte. Aber weil die Mutter nur 50.000 hatte, behielt die Hebamme das Kind so lange, bis die Frau die ganze Summe zahlen konnte."
Da zeigt sich die ganze Tragik der Lebensumstände in Somalia. Als ob das tägliche Leiden am Krieg, die unerschwinglich teuren Lebensmittel und Dürre nicht genug wären, müssen Frauen auch noch aus bloßer Armut ihre Neugeborenen hergeben.
Diese Frau konnte sich glücklicherweise das Geld borgen und damit ihr Kind zurückkaufen. Dann brachte sie ihr Baby in die Mutter-Kind-Klinik, die SOS-Kinderdorf in Afgoye, 22 km von Mogadischu entfernt, errichtet hat. Dort wurde das Kind gratis geimpft und untersucht. Auch die Mutter wurde kostenlos behandelt. Und dabei hat sie Dr. Abdullahi Hussein Moallin, den ärztlichen Leiter der SOS-Klinik in Mogadischu, kennengelernt, den die Geschichte dieser Mutter zutiefst schockierte.
Von Europa nach Somalia
Dr. Abdullahi ist Kinderarzt. Sein Studium hat er 1988 an der Universität von Somalia abgeschlossen, zu einer Zeit, als im Land Frieden herrschte. 1991 brach der Bürgerkrieg aus. Dr. Abdullahi kam an die SOS-Klinik in Mogadischu, wo er bis 1995 arbeitete. Anschließend ging er nach Mailand, wo er drei Jahre lang vertiefende Ausbildungen in der Pädiatrie absolvierte. Dann folgte gemeinsam mit seiner Familie der Umzug nach England. Im Jahr 2005 sagte irgendwas in ihm, dass es Zeit wäre, nach Somalia zurückzukehren, um seinen Landsleuten zu helfen. Für eine italienische NGO ging er als Leiter eines Krankenhauses in Joha schließlich zurück in seine Heimat.
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| Das Gelände der SOS-Kinderdorf-Einrichtungen in Mogadischu muss besonders abgesichert werden - Foto: SOS-Archiv |
Abdullahi Hussein hat nie den Kontakt zu seinen früheren Kollegen von der SOS-Klinik verloren. Vor zwei Jahren war er dabei, als die ersten Absolventen der SOS-Krankenpflegeschule in Mogadischu ihre Diplome erhielten. Bei dieser Gelegenheit wurde er gefragt, ob er sich eine Rückkehr an die SOS-Klinik vorstellen könne, wo Ärzte mit seinen Qualifikationen dringend gebraucht würden. Er stimmte zu, nach seinem Vertragsende 2007 wieder bei SOS-Kinderdorf einzusteigen.
2007 war aber für die SOS-Mutter-Kind-Klinik kein gutes Jahr. Nach der Invasion der äthiopischen Truppen in Mogadischu gerieten die SOS-Kinderdorf-Einrichtungen regelmäßig zwischen die Kampflinien. Gebäude wurden zum Teil schwer beschädigt, Menschen wurden verletzt und getötet. Ende Dezember musste die SOS-Klinik vorübergehend geschlossen werden - zum ersten Mal in den 17 Jahren des Bürgerkriegs, und das SOS-Kinderdorf wurde evakuiert; die Kinder und ihre SOS-Mütter leben bis heute in anderen Stadtteilen.
Helfen mitten im Krieg
Im März dieses Jahres entschlossen sich Dr. Abdullahi und Ahmed Ibrahim, der Leiter von SOS-Kinderdorf in Somalia, die Klinik wieder in Betrieb zu nehmen. Das gesamte Klinikpersonal stimmte zu, trotz der ständigen Gefahr durch Straßenblockaden, Scharfschützen und Bomben. "Am 15. März haben wir wieder aufgemacht", erzählt Dr. Abdullahi. "Nach vier Tagen kamen Milizen, die rund um das Krankenhaus zu schießen begannen. Die Kämpfe dauerten zwölf Stunden, von sechs Uhr in der Früh bis sechs Uhr am Abend. Wir blieben die ganze Zeit drinnen im Krankenhaus und hatten schreckliche Angst. An diesem Tag wurde unser Anästhesist durch einen Irrläufer getötet. Wenn Ärzte verletzt werden, dann gibt es keine anderen Ärzte, die helfen könnten."
Die Klinik begann ihre Arbeit mit Notfällen und Kaiserschnitten, eine Operation, die in Somalia normalerweise astronomische 500 US-Dollar kostet. Schritt für Schritt wurden die medizinischen Leistungen wieder ausgeweitet, vor allem auf die Versorgung von Müttern und ihren Kindern und auf ambulante Patienten. "Mangelernährung bei Kindern nimmt extrem zu", so Dr. Abdullahi. "Für diese Kinder haben wir Unimix, einen Nahrungsmittelersatz, und Milch eingekauft, um ihnen zwei Mal täglich ein Essen geben zu können. Die Kinder reagieren sehr positiv auf diese Zusatzernährung und erholen sich deutlich."
Für die Bedürftigsten im Einsatz
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| Dieses Kind konnte geheilt werden, tausende andere nicht - Foto: SOS-Archiv |
Im April eröffneten Dr. Abdullahi und sein Team eine Satellitenklinik in Afgoye, wo viele Flüchtlinge, vor allem aus Mogadischu, gestrandet sind. Zuerst konzentrierte man sich auf die ambulante Versorgung vor allem von Kindern und Müttern. Doch nach der Begegnung mit jener Mutter, die ihr Kind "loskaufen" musste, wurde klar, dass dies nur die Spitze des Eisberges sein kann, und so wurde eine Geburtenstation eröffnet, wo Frauen kostenlos entbunden und Babys gratis geimpft werden.
Die Klinik in Afgoye wird von einem mobilen Team geführt, das abwechselnd 24 Stunden in Mogadischu arbeitet und 24 Stunden in Afgoye. Rund 150 bis 200 Patienten kommen täglich in die medizinische Außenstelle von SOS-Kinderdorf, an Samstagen können es auch bis zu 300 sein.
Für Ahmed Ibrahim ist die Rückkehr von Abdullahi Hussein ein Segen. "Dass jemand aus Europa kommt, um in Mogadischu zu arbeiten, war für uns ein unglaublicher moralischer Antrieb", so Ahmed. "Das hat auch die Wiedereröffnung der Klinik sehr erleichtert. Abdullahi war so überzeugt, das hat auch die anderen mitgerissen."
Trotz des hohen Risikos - er gibt zu, dass Mogadischu eines der gefährlichsten Pflaster der Welt ist - ist Abdullahi Hussein glücklich darüber, wieder in Somalia zu sein. "Ich bin so froh, dass ich meinen Landsleuten, die unter dermaßen schwierigen Bedingungen leben müssen, helfen kann", sagt Abdullahi. Obwohl seine eigene Familie in England geblieben ist, fühlt er sich verpflichtet, in Mogadischu zu bleiben. "Die Menschen hier leiden. Und wenn sie leiden, muss ich ihnen helfen."