Was den Familien hilft, hilft den Kindern 

18 Mehrzweckzentren, drei SOS-Sozialzentren, acht Familienförderprogramme 

In Indien war der Distrikt Nagapattinam in Tamil Nadu am schwersten von den Flutwellen betroffen. Man zählte in dem Gebiet, bekannt für sein Fischereiwesen, die meisten Toten. Die Bilder von aufeinander getürmten Schiffen gingen um die Welt. Wie in den anderen Katastrophenregionen waren auch in Nagapattinam vor allem Familien betroffen, die schon vor dem Tsunami unter harten Bedingungen ihre Existenz bestreiten mussten. Väter kehrten nicht vom Meer zurück, Mütter nicht zu ihren Häusern.
Foto: Dominic Sansoni
Akkampettai/Indien - Foto: Dominic Sansoni

Das Schicksal der Kinder hängt vom Schicksal ihrer Familien ab. Und die Familien wiederum sind auf funktionierende Dorfgemeinschaften angewiesen. Dieser einfachen Logik folgte SOS-Kinderdorf beim Bau von Mehrzweckzentren und SOS-Sozialzentren sowie beim Start von Familienförderprogrammen.

In Indien, Sri Lanka und Indonesien wurden insgesamt 18 Gemeindezentren errichtet - funktionale Gebäude, in denen unter anderem Kindertagesstätten, Schulen und Beratungsstellen untergebracht sind. Und die Häuser wurden so gebaut, dass die Menschen sich bei Überschwemmungen auf die Dächer retten können. Nach einer Laufzeit von drei bis fünf Jahren, in denen SOS-Kinderdorf koordinierend und beratend zur Seite steht, sollen diese Zentren in die Gemeindeverwaltung übergehen.

Anders die neuen SOS-Sozialzentren und Familienförderprogramme, die von SOS-Kinderdorf geführt werden. Das Zentrum in Nagapattinam besteht aus einem Haupthaus und Zweigstellen. Das Haus wurde in Kolonialzeiten für ein einziges nobles Mittagessen gebaut, das letztlich nie stattgefunden hat. Heute bildet es das Herz der Familienförderprogramme von SOS-Kinderdorf in der Stadt. Von den vielfältigen Angeboten profitieren rund 1.500 Kinder.

Foto: Dominic Sansoni
Computerkurse in Nagapattinam/Indien - Foto: Dominic Sansoni

Eine weitere wichtige Zielgruppe sind junge Frauen und allein erziehende Mütter, unter ihnen viele Witwen. Mädchen und Frauen lernen, wie man näht, stickt, Kerzen herstellt oder Pilze züchtet und eigene kleine Geschäfte führt. Es gibt Computerausbildung und Nachhilfeunterricht, Musik- und Tanzkurse für Kinder, für ältere Buben und junge Männer Mechanikerkurse für Bootsmotoren. Und dann noch medizinische Betreuung, Erziehungsberatung, Workshops zu Kinderrechten, Selbsthilfegruppen usw.

Bei allem geht es darum, dass die Familien ihr Leben wieder selbständig bewältigen können, dass die Kinder gut umsorgt sind und eine ordentliche Schulbildung bekommen, dass sich Netzwerke bilden, in denen Familien sich gegenseitig helfen, und die Menschen in den Dorfgemeinschaften für- und miteinander Verantwortung tragen.

"Ich habe meine Mutter sehr vermisst. Aber das Tanzen hat mir geholfen, damit fertig zu werden. Hier hab ich auch gute Freunde gefunden." - Satya, Mädchen aus dem Dorf Nambiyar Nagar/Nagapattinam