SOS-Kinderdorf startet Nothilfeprogramm in Niger, um 10 000 Kinder vor der Hungersnot zu bewahren  

18/03/2010 - In Niger zeichnet sich eine Hungersnot ab, die die Hälfte der Bevölkerung bedroht. SOS-Kinderdorf startet ein Nothilfeprogramm, um 10.000 der am meisten Not leidenden Kinder und ihre Familien zu unterstützen.

Foto: C. Ngo Biyack
Unregelmäßiger Niederschlag und politische Unruhen haben in Niger zu einer drohenden Hungersnot geführt - Foto: C. Ngo Biyack

Niger zählt zu den ärmsten Ländern der Welt und verfügt nur über sehr wenige natürliche Ressourcen. Ein Großteil der 13 Millionen Einwohner lebt in ländlichen Gebieten und lebt von Landwirtschaft und Viehzucht obwohl zwei Drittel des Landes aus Wüstengebieten besteht und es dort nur sehr geringe Niederschlagsmengen gibt. Fast die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre. 

Einer im Januar durchgeführten Untersuchung zur Nahrungsmittelsicherung zufolge könnten mehr als 7 Millionen Menschen – die Hälfte der Bevölkerung – von einer leichten bis schweren Lebensmittelknappheit betroffen sein, die auf unregelmäßige Niederschlagsmengen zurückzuführen ist und zu ernsthaften Problemen in der Getreideproduktion geführt hat. Obwohl die neue Regierung versprach, dieses Problem vorrangig anzugehen waren die politischen Unruhen aufgrund des Militärputsches im Februar nicht hilfreich, um Vorbereitungen für die bevorstehende Lebensmittelkrise zu treffen.

Foto: C. Ngo Biyack
Nigers Bevölkerung ist zur Nahrungsbeschaffung in hohem Maße von Landwirtschaft und Viehzucht abhängig - Photo: C. Ngo Biyack

Nach sorgsamer und gründlicher Analyse der Situation hat SOS-Kinderdorf deshalb beschlossen ein Nothilfeprogramm in der von der Krise am stärksten betroffenen Region Tahoua zu starten. Dort sind 870 000 Menschen von einer leichten bis starken Hungersnot bedroht. Das Programm wird von März 2010 bis September 2010 laufen und einer Zielgruppe von besonders gefährdeten 10 000 Kindern zu gute kommen, die nach genau bestimmten Kriterien ausgewählt werden. Die Prioritäten liegen dabei auf folgenden Gruppen:  

• Familien, die Kinder großziehen, die aufgrund von HIV/AIDS oder anderen Gründen zu Waisen geworden sind 
• Familien, in denen das Familienoberhaupt weiblich ist 
• Familien mit körperlich oder geistig behinderten Kindern 

Die im Rahmen des Programms festgelegten Ziele bestehen in der Lebensmittelverteilung für betroffenen Familien, in der medizinischen Versorgung von Menschen, die an Unterernährung leiden, in der Einführung eines Foodbanksystems, das Preisexplosionen in Zeiten in denen Lebensmittelknappheit herrscht entgegenwirken soll und im Kampf gegen die Bodenverschlechterung in der Region von Tahoua.

Kindern, die aufgrund der Hungersnot gefährdet sind, ihre Familien zu verlieren kommt das Programm direkt zugute. Indirekt begünstigt sind beispielsweise Kinder und Erwachsene, die von der Hungersnot betroffen sind. Sie erhalten Zugang zu medizinischer Behandlung durch Menschen vor Ort, die von SOS-Mitarbeitern geschult werden, sie können Lebensmittel bei der Foodbank erwerben oder erhalten Unterstützung in anderer Form.