Sambia: weniger Mahlzeiten, mehr Zwangsehen   

Düstere Zukunftsaussichten für Sambia. Bis zu 50.000 Menschen werden Nahrungsmittelhilfslieferungen benötigen, um bis zur nächsten bevorstehende Erntesaison zu überleben. Aufgrund angestiegener Nahrungsmittelpreise ist es für sambische Familien zunehmend schwer geworden, ihren Bedarf an Grundnahrungsmitteln zu decken. Kinder sind durch den Preisanstieg am meisten gefährdet.

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Familien essen geringere Mengen und die täglichen Mahlzeiten werden weniger - Foto: S. Rønning

In Sambia ist es insbesondere für die Bevölkerung der ländlichen Gebiete aufgrund der Nahrungsmittelkrise zunehmend schwierig geworden, sich adäquat und ausgewogen zu ernähren. Kinder aus armen Familien sind besonders stark betroffen und gefährdet an Unterernährung zu leiden. Das Immunsystem von HIV/AIDS betroffenen Menschen ist durch die Erkrankung ohnedies bereits geschwächt. Bei Nichteinhaltung entsprechender Ernährung sind sie noch mehr gefährdet.   

Bisher gab es einen Preisanstieg für Maismehl, eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel für die Sambier, weiters für Getreide, Speiseöl, Milch und Produkte wie Salz, Zucker und dergleichen. Maismehl ist die wichtigste Zutat für das so genannte mealie, eine traditionelle südafrikanische, mit Polenta vergleichbare Mahlzeit,  zu der Fleisch, Bohnen, Gemüse und Fisch gegessen wird. Die Kosten für 25 kg Maismehl sind von 34,5 ZMK im Dezember 2007 auf 43 ZMK im Mai 2008 gestiegen. Im Mai 2008 gab es kurzzeitig einen Preisrückgang bei Gemüse, Fisch, getrockneten Sardinen, Fleisch, Eiern, Trockenbohnen, Knollen und geschälten Erdnüssen.

Zwangsehen und Verzehr von Wurzeln 

Um das Problem mit den angestiegenen Preisen für Nahrungsmittel zu bewältigen, essen die Menschen weniger und nehmen weniger Mahlzeiten pro Tag zu sich. Das Kaufverhalten hat sich auch geändert. Die Menschen kaufen günstigere Waren, nehmen eher Gemüse als Fleisch.

Die Kinder sind davon am meisten betroffen und die Situation wirkt sich auf ihre Gesundheit aus. Um die Anzahl der Familienmitglieder, die ernährt werden müssen zu dezimieren, haben einige Familien in Sambia begonnen, ihre noch sehr jungen Töchter zu verheiraten. Die Mädchen, die ohne ihre Zustimmung zwangsverheiratet werden, werden aus der Schule genommen und können ihre Ausbildung nicht abschließen. Nach Angaben der lokalen Zeitung „The Post“ ist die Anzahl der Scheidungen und Abtreibungen bei solchen Ehen sehr hoch. Andere Familien, die sich die Nahrungsmittel nicht mehr leisten können, ernähren sich von wilden Wurzeln.

Auswirkungen auf SOS-Kinderdorf 

Foto: Synne Rønning
SOS-Familien versuchen mit ihrem Budget auszukommen  - Foto: S. Rønning

Florence Phiri, die nationale Direktorin von SOS-Kinderdorf Sambia erklärt, dass die SOS-Kinderdorf-Familien derzeit noch schaffen, mit ihrem Budget auszukommen. Wenn allerdings die Entwicklung so weiter geht und die Anzeichen stehen dafür, so wird sich das auch auf die SOS-Familien auswirken.

Das Personal der Hermann Gmeiner Schule berichtet, dass die meisten Kinder, die die Schule besuchen keine Lunchpakete mehr mitbringen, weil ihre Eltern es sich nicht mehr leisten können.

Immer mehr Familien nehmen die Angebote der Familienstärkungsprogramme (FSP) in Anspruch und das aus verschiedenen Gründen, Essen ist einer davon. Für arme Familien ohne festes Einkommen ist es schwierig für den täglich notwendigen Bedarf an Grundnahrungsmitteln für ihre Familien aufzukommen.

Großmutter Aissa kümmert sich um 11 verwaiste Enkelkinder. Um etwas Geld zu verdienen betreibt sie einen kleinen Warenhandel mit dem sie  1 – 2 Dollar pro Tag verdient. Das reicht nicht, um alle Kinder zu ernähren. Das SOS-Familienstärkungsprogramm stellt eine monatliche Lebensmittelration von 25 kg für eine „mealie“ Mahlzeit, eine Flasche Speiseöl, Bohnen und Fisch zur Verfügung. Auch das ist nicht ausreichend, die Familie hat die Essensmengen gekürzt und verzichtet auf das Frühstück. Im Allgemeinen sind in den Familienstärkungsprogrammen betreute Familien besonders betroffen, da sie bereits von Haus aus über ein niedriges Einkommen verfügen.

Zusätzliches Elend

Der Preisanstieg für Nahrungsmittel kommt in Sambia zu einem Zeitpunkt, in dem sich das Land soeben erst von den Auswirkungen der Überschwemmungen erholt hat. In den Erntesaisonen 2007/2008 gab es in Sambia heftige Regenfälle, insbesondere in den südlichen, westlichen und einigen Teilen der östlichen Provinzen. Die Überschwemmungen haben große Verwüstungen angerichtet, zerstörte Brücken, Bewässerungskanale hinterlassen und Anbaugebiete vernichtet. Im Süden des Landes, der am stärksten betroffen war, wurde ca. 70 % der Getreideernte vernichtet.

Als Folge der Überschwemmungen sind die Preise für Grundnahrungsmittel angestiegen, insbesondere die Preise für Mais und wichtige Gemüsesorten. In den Märkten sind zwar ausreichend Nahrungsmittel vorhanden, die Menschen können sie sich aber nicht leisten. Die explodierenden Nahrungsmittelpreise führen zu noch größerer Armut.

Der kürzlich angestiegene Ölpreis auf dem Weltmarkt hat ebenfalls zum Anstieg der Nahrungsmittelpreise geführt. Sambia erlebt auch eine Energieknappheit infolge der veralteten Infrastruktur, die einer dringenden Modernisierung bedarf. Die Menschen müssen mit häufigen Stromausfällen leben, die die Kosten der Nahrungsmittelproduktion nach oben getrieben haben. Dies hat ebenfalls zum Anstieg der Nahrungsmittelpreise geführt.

Außerdem hat die Regierung die Subventionen auf dem Agrarsektor und die Finanzierung der Sozialversicherung im nationalen Budget 2008 gekürzt.

Sambias landwirtschaftliche Produktion steht ernsten Problemen gegenüber, da für die Saison 2008/2009 bescheidene Ernteerträge zu erwarten sind. Diese geringen Erträge in der kommenden Saison werden die Preise weiter ansteigen lassen und auch der Import von Nahrungsmitteln wird steigen.

Experten zufolge, besteht die Gefahr, dass die explodierenden Nahrungsmittelpreise in Sambia, ähnlich wie in anderen afrikanischen Ländern zu sozialen Unruhen führen könnten.

Aufgrund des Preisanstiegs der Nahrungsmittel sind Familien nicht mehr in der Lage ihre Kinder und sich selbst zu versorgen und das Land ist von Nahrungsmittellieferungen aus dem Ausland abhängig. Geschätzte 50 000 Menschen werden in diesem Jahr auf Hilfslieferungen angewiesen sein.