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Die ohnehin schon benachteiligten Kinder sind von den Folgen der Lebensmittelkrise betroffen - Foto: Christian Martinelli
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Mindestens 5,2 Millionen Menschen in der Metropole Mexico City (von insgesamt 30 Millionen Einwohnern in dieser Millionenstadt und ihrem Einzugsgebiet; die Gesamtbevölkerung des Landes beträgt 103 Millionen Einwohner) haben Schwierigkeiten, an Nahrung zu kommen. Sie sind es, die am meisten unter den gestiegenen Lebensmittelpreisen leiden. Die Situation der armen und benachteiligten Menschen wird sich weiterhin verschlimmern, da die Preise weiter ansteigen werden und es ohnehin schon schwieriger geworden ist, ihre täglichen Bedürfnisse zu befriedigen.
In der Hoffnung Arbeit zu finden, sind viele Menschen vor 15 bis 20 Jahren vom Land in die wichtigsten städtischen Einzugsgebiete gezogen. Die Folge daraus sind große Ansammlungen armer Bewohner in den Außenbezirken dieser Städte. Die niedrigen Löhne erklären sich durch die Tatsache, dass Nahrung damals billig war. Da die Lebensmittelpreise heute enorm angestiegen und die entsprechenden Lohnerhöhungen ausgeblieben sind, sind die armen städtischen Bewohner am meisten davon betroffen. Im Gegensatz zur armen Bevölkerung in ländlichen Gebieten haben sie keine Möglichkeit, selbst Nahrungsmittel anzubauen, um ihr Nahrungsmitteldefizit zu decken.
In Mexiko leben die Menschen hauptsächlich von Reis, Bohnen, Tortilla, Mais und Chili. Reis ist eines der Hauptnahrungsmittel, aber das Land produziert nicht genug davon und muss 52,5% aus anderen Ländern importieren. In den ersten beiden Maiwochen ist der Preis für Mais um ca. 14% angestiegen (bei einem Gesamtpreisanstieg von 40% seit Dezember 2007). Die Preise für andere Hauptnahrungsmittel sind ebenfalls enorm gestiegen: Für Tortilla bezahlt man jetzt 22% mehr, und für Huhn und Brot muss man um 9% bzw. 6% mehr ausgeben. Suppe und Hackfleisch sind ein wenig billiger geworden, doch insgesamt überwiegt der Preisanstieg.
Die Kinder im ganzen Land sind davon betroffen. Präsident Felipe Calderón hat einen Nothilfeplan angekündigt, um diese Krise in den Griff zu bekommen. In einer Fernsehrede am 26. Mai versprach er, Maßnahmen wie Steuersenkungen zu treffen, damit sich die Bevölkerung die Grundnahrungsmittel weiterhin leisten kann. Den weniger wohlhabenden Familien möchte er gesicherten Zugang zu leistbaren Grundnahrungsmitteln wie Maismehl und Milch verschaffen.
Auswirkungen auf das tägliche Leben
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Das Familienbudget ist knapp. SOS-Mütter finden einen Weg, sich über Wasser zu halten - F oto: Christian Martinelli
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Wie in vielen anderen Ländern ist das Problem nicht die Lebensmittelknappheit sondern die Leistbarkeit der Lebensmittel. Viele mexikanische Familien geben den Großteil ihres Einkommens für Nahrung aus. Wie gehen die Leute mit den in die Höhe schnellenden Lebensmittelpreisen um? Sie kaufen jetzt andere Dinge, und da heute nicht alles leistbar ist, wird Nahrung in kleineren Mengen gekauft.
In den SOS-Kinderdörfern ist die Situation ähnlich. Auch hier müssen wir Wege finden, mit dem Preisanstieg zu Recht zu kommen. Da die SOS-Familien ein fixes Budget haben, das noch nicht angepasst wurde, ist es mittlerweile eine große Herausforderung, die Kinder zu versorgen. Wenn Maria einmal in der Woche auf den Markt geht, um das benötigte Getreide, Gemüse und Obst zu kaufen, plant sie zusätzlich Zeit ein, um die Preise zu vergleichen, damit sie sich auch sicher ist, dass sie günstig einkauft. Wie viele andere SOS-Kinderdorf-Mütter muss auch sie bei anderen Ausgaben, wie z.B. für künstlerische Aktivitäten, einsparen und das Geld für Lebensmittel ausgeben. Trotz dieser zusätzlichen Belastung können die SOS-Kinderdorf-Kinder weiterhin zur Schule gehen und erhalten die gewohnte Unterstützung.
Seit sich die Lage verschlechtert hat, hat SOS-Kinderdorf Mexiko wiederholt festgestellt, dass viele Familien, die im Rahmen der Familienstärkungsprogramme unterstützt werden, die finanzielle Hilfe jetzt gänzlich für Lebensmittel brauchen. Die bei SOS-Kinderdorf Mexiko für Spenden verantwortliche Lariza A. Meléndez Enríquez weist darauf hin, dass „es schon vor dieser Nahrungsmittelkrise sehr schwierig war, dieses Programm mit nur 20 Dollar pro Kind pro Monat durchzuführen. Heute ist es nahezu unmöglich.“
Außerdem wenden sich viele Familien an die SOS Familienstärkungsprogramme, da es für immer mehr Familien zunehmend schwierig wird, ihre Grundbedürfnisse zu decken. Allerdings sagt SOS-Kinderdorf Mexiko auch, „dass wir keinen Platz haben, um allen Familien, die dieses Programm benötigen, zu helfen.“
Gründe für den Preisanstieg
In Mexiko trägt eine Vielzahl an Faktoren zum Anstieg der Lebensmittelpreise bei. Einer der wichtigsten Gründe, den es zu bedenken gilt, ist dass durch die enge Bindung der mexikanischen Wirtschaft an die US Wirtschaft sich die Abwertung des Dollars in hohem Maße auf den Preisanstieg von Agrarprodukten ausgewirkt hat. Mexiko produziert selbst nicht genügend Lebensmittel und muss daher einen hohen Prozentsatz an Lebensmitteln importieren.
SOS-Kinderdorf Mexiko beobachtet in den Gemeinden, in denen es tätig ist, einen zunehmenden Druck auf den Familien. Um der Lage Herr zu werden, plant es, mit anderen nicht-staatlichen Unternehmen zusammenzuarbeiten.
Erfahrungen in den Dörfern
SOS-Kinderdorf Mexiko fasst kurz zusammen, wie sich die steigenden Nahrungsmittelpreise auf die Programme in den jeweiligen Dörfern ausgewirkt haben:
Familienförderung in Mexiko
„Eines der Programme in Mexiko, das von dieser Krise am meisten betroffen ist, ist das Familienstärkungsprogramm in Mexiko. In einer Großstadt wie Mexiko ist alles noch viel schwerer. Schon vor dieser Krise war es schwierig, dieses Programm in Mexiko durchzuführen. Da es sehr kompliziert ist, Partnerschaften zu gründen und Unterstützung seitens der Regierung zu erhalten, müssen alle Aufgaben von SOS-Kinderdorf und den Familien selbst gelöst werden. Seit Beginn der Krise haben die in diesem Programm betreuten Familien mitbekommen, wie stark die Preise gestiegen sind: So ist Reis von 12 auf 22 Dollar, Maiskeimöl von 20 auf 30 Dollar angestiegen, und die Preise für Bohnen liegen bei 20 statt vorher bei 12 Dollar. Um die Qualität der Lebensmittel zu gewährleisten mussten wir die Eltern der Kinder um einen kleinen finanziellen Beitrag bitten, damit wir mit dieser Krise zurechtkommen.“
SOS-Kinderdorf Tehuacan
Aufgrund der erhöhten Lebensmittelpreise sind die Familien nun gezwungen, ihr Erspartes zu verbrauchen. Manche Familien leben bereits vom Geld, das für Schulabschlussfeiern geplant war. Heute kommen die Familien nicht mehr mit dem gleichen Geld aus. Sie müssen ihr Budget erweitern. Das Dorf ist auf Spenden von Gütern wie Milch, Maismehl, Bohnen, Soja, Reis, Thunfisch, Gelatine etc. angewiesen. Dennoch reicht es nicht für das ganze Dorf. Ein Sprecher des SOS-Kinderdorfs Tehuacan meint: „Wir gehen davon aus, dass wenn die Lebensmittelpreise weiter ansteigen, wir im dritten Quartal Schwierigkeiten mit dem Familienbudget bekommen.“
SOS-Kinderdorf Mexiko
„Die Lebensmittelkrise hat bisher noch keine Auswirkungen auf das Dorf gezeigt und es hat keine größeren Veränderungen im Lebensstil der Familien gegeben. Allerdings erwarten wir auch hier einen weiteren Anstieg der Lebensmittelpreise und folglich auch unmittelbare Konsequenzen für die Budgets der Familien.“
SOS-Kinderdorf Morelia
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| SOS-Mutter Lety versucht mit dem Budget auszukommen - Foto: L. Meléndez |
„Die Familien im SOS-Kinderdorf Morelia bekommen den Anstieg der Lebensmittelpreise vor allem zu spüren, wenn die Mütter Milch, Maiskeimöl, Tortillas und Eier kaufen. Die Veränderung ist letzten Monat eingetreten. Die Preise für Maiskeimöl sind in nur einem Monat von 1,8 Dollar auf 4,6 Dollar angestiegen. Manche Familien haben angefangen, ihr Erspartes zu verwenden, das eigentlich für Uniformen vorgesehen war, damit sie die gleiche Menge Lebensmittel kaufen können. Die Familien fürchten sich vor den nächsten Monaten. Einen weiteren Preisanstieg für Tortilla hat es am Montag, den 2. Juni 2008 gegeben. Um Geld zu sparen, wird den Leuten in Morelia empfohlen, ihre Einkäufe in den örtlichen Supermärkten zu tätigen. Allerdings sind auch schon die kleinen Geschäfte betroffen.“
SOS-Kinderdorf Tijuana
SOS-Kinderdorf Tijuana hat vor einigen Monaten, als das Problem mit dem Reis akut wurde, begonnen etwas gegen die Lebensmittelkrise zu unternehmen. Im Dorf entstand die Idee der Nahrungsmittelspenden. „Wir haben eine Reissammelaktion gehalten, und heute haben wir einen Vorrat, der für die nächsten sechs Monate ausreicht. Außerdem haben wir begonnen, um weitere Produkte wie Milch, Bohnen, Getreideprodukte usw. zu fragen. Obwohl wir eine große Menge an diesen Produkten erhalten haben, brauchen wir noch mehr.“ Das Hauptgesprächsthema im Dorf ist die Lebensmittelkrise. So ist der Preis für Maiskeimöl, wie auch für andere Grundnahrungsmittel (Bohnen, Milch, Eier), um das Dreifache gestiegen.
Wenn die Lebensmittelpreise weiterhin ansteigen, werden die Familien ihre ursprünglich für Schul- und Schreibmaterial geplanten Ersparnisse für Lebensmittel verwenden müssen. „Wenn die Kinder eingeschult werden, wird das ein Problem. Deshalb sammeln wir auch Schul- und Schreibmaterial. Wenn wir diese Vorsorgemaßnahmen nicht getroffen hätten, wäre das Familienbudget schwer belastet worden.“
Familienförderung in Comitan
“Dieses Programm ist bisher noch nicht betroffen, da die Familien in diesem Programm Lebensmittel von den Regierungsbehörden erhalten. Diese Produkte reichen von Grundnahrungsmitteln wie Reis, Bohnen, Zucker, Maiskeimöl zu Suppe und Maismehl. Jede Familie erhält 300 kg Bohnen, 300 kg Reis, 25 kg Zucker, 25 Kanister Milch zu je 12 Liter und 150 Packungen Milch.“
SOS-Kinderdorf Tuxtla
“Die SOS-Kinderdorf-Mütter in diesem Dorf haben die schwierige Lage bereits im April mit dem Dorfleiter diskutiert, hatten sie doch höhere Ausgaben insbesondere für Öl, Mais, Zucker, Fleisch und andere Lebensmittel. Sie mussten ihre Ersparnisse für Uniformen, Schulgeld und Schuhe für Lebensmittel ausgeben.
Seit Dezember konnten sie keine neue Kleidung kaufen. Zusätzlich brauchen die SOS-Mütter viel Zeit, um nach billigeren Gütern zu suchen und können nicht mehr die gleiche Menge Lebensmittel kaufen. Die Familien aßen vorher drei bis vier Mal pro Woche Fleisch, können das heute aber nicht mehr.
Sie versuchen, in Supermärkten einzukaufen, um ein paar Pesos zu sparen, aber die Preise für die öffentlichen Verkehrsmittel sind ebenfalls gestiegen, sodass sie nicht oft zu den Supermärkten fahren können.“