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| Foto: D. Sansoni |
Für viele der 800 Millionen Menschen, die bereits darum kämpfen ihre grundlegendsten Bedürfnisse zu decken, haben die steigenden Nahrungsmittelpreise eine zusätzliche, unerträgliche Belastung geschaffen. Familien mit niedrigem Fixeinkommen, beispielsweise Lohnarbeiter, sind besonders schwer von der Nahrungsmittelkrise betroffen. Sie reagieren am sensibelsten auf Preisschwankungen für Grundnahrungsmittel wie Reis und Getreide, die unbezahlbar werden. Die steigenden Nahrungsmittelpreise haben zu sozialen Unruhen in vielen Entwicklungsländern geführt.
Bei unserer Arbeit mit den Familien sehen wir, dass die Gefährdung der Kinder zunimmt, wenn ihre Eltern mit ernsthaften sozioökonomischen Problemen konfrontiert sind. Deshalb konzentriert sich SOS-Kinderdorf in seinen Familienstärkungsprogrammen darauf, Wege zu finden, um die Bedürfnisse der Kinder nachhaltig zu befriedigen. Richard Pichler, Generalsekretär von SOS-Kinderdorf International, sieht, wenn die Krise weiter anhält, eine echte Gefahr für viele Familien, die durch Förderprogramme in eine unabhängige Existenzsicherung begleitet werden sollen: "Auch die SOS-Kinderdorf-Familien müssen Budgetumschichtungen vornehmen, um die hohen Preise für Lebensmittel an anderer Stelle auszugleichen. Aber die Familien in unseren Förderprogrammen trifft die Krise noch viel härter. Sie müssen Schulgeld und Mittel für die medizinische Versorgung der Kinder abzweigen, um Essen kaufen zu können. Es werden bereits Kinder aus den Schulen genommen."
Mehrere Faktoren sind für die steigenden Nahrungsmittel- und Energiepreise verantwortlich. Neue Entwicklungen in der alternativen Treibstoffproduktion hatten großen Einfluss auf die Nahrungsmittelpreise. Aufgrund der Ölknappheit haben sich die Ölpreise im letzten Jahr verdoppelt und alternative Ressourcen werden immer attraktiver. Anbauflächen dienen vermehrt zur Herstellung von Bioethanol, dadurch steht weniger Land für die Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung, was wiederum zu einem hohen Preisanstieg führt. Dazu kommt der hohe Preisanstieg von Düngemitteln auf der Basis von Ölproduktion, der mancherorts 70 % beträgt.
Abgesehen von den erhöhten Produktionskosten wirken sich auch klimatische Veränderungen (mangelnde Regenfälle, Wassermangel und Überschwemmungen) auf die Lebensmittelpreise aus. Schlechte klimatische Bedingungen haben einen negativen Effekt auf die Ernte.
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| Foto: J. Lugtigheid |
Aufgrund des Wachstums städtischer Gebiete und des Wohlstands können sich immer mehr Menschen in den asiatischen Gebieten teurere Nahrungsmittel wie beispielsweise Fleischprodukte leisten. Die Nachfrage nach solchen Nahrungsmitteln und somit deren globaler Marktwert sind angestiegen.
Restriktive Exportbeschränkungen und Spekulationen auf dem Weltmarkt haben die Krise zusätzlich verschärft. Von den hohen Preisen am stärksten betroffene Länder sind jene, die von Importen für die Grundnahrungsmittelproduktion abhängig sind, beispielsweise die Philippinen in der Reisproduktion, Mexiko in der Produktion von Getreide und Reis und der Kosovo in der Getreideproduktion. Schätzungen der FAO zufolge wird der Preis für Nahrungsmittelimporte im Jahr 2008 um 26 % im Vergleich zum Vorjahr ansteigen.
Richard Pichler betont: "Hier ist wirklich internationale Solidarität gefordert und eine enge Zusammenarbeit von Organisationen, Regierungen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern. Wir von SOS-Kinderdorf suchen in den einzelnen Ländern nach spezifischen Lösungen für ein Problem, das uns wahrscheinlich auch mittel- bis langfristig beschäftigen wird. Für uns steht die Sicherung aller Grundrechte der Kinder im Vordergrund, was unter den derzeitigen Bedingungen immer schwieriger wird. SOS-Kinderdorf benötigt sicher auch zusätzliche Mittel, um die Auswirkungen dieser globalen Krise bis auf die Ebene jedes einzelnen Kindes, das wir betreuen, abfangen zu können."
Aufgrund seiner Arbeit für und in Gemeinschaften in aller Welt ist auch SOS-Kinderdorf von der Nahrungsmittelkrise betroffen. Wir werfen einen Blick auf die Situation in einigen Ländern.