SOS-Kinderdorf fordert sofortige Hilfe für unbegleitete Kinder in Haiti  

20/01/2010 - SOS-Kinderdorf fordert alle Nothilfeakteure in Haiti auf, die Kinder an erste Stelle zu stellen und entsprechend den UN-Richtlinien zur alternativen Betreuung von Kindern (UN Guidelines for the Alternative Care of Children) zu handeln.

Photo: www.alertnet.org
Ein Junge nach dem Erdbeben in Haiti - Photo: www.alertnet.org
In Notsituationen zählen Kinder immer zu den verletzlichsten Gesellschaftsgruppen. Die Richtlinien zur alternativen Betreuung von Kindern, die im November 2009 von der UN-Generalversammlung begrüßt wurden, bieten einen Rahmen für die Arbeit mit Kindern in Notsituationen und sollten von allen Nothilfeakteuren in Haiti angewandt werden.

Es gibt von ihren Eltern getrennte Kinder, die in Begleitung eines Verwandten sind und um die sich Tanten, Onkel oder ältere Geschwister kümmern können, solange die Kinder getrennt von ihrer Mutter und/oder ihrem Vater leben müssen.  

Es wird aber auch viele unbegleitete Kinder geben, was bedeutet, dass sich kein Verwandter und auch kein anderer Erwachsener mit gesetzlicher Erziehungsvollmacht um sie kümmert. Diese Kinder sind manchmal in der Obhut von Nachbarn, Freunden der Familie oder vollkommen Fremden. Aber manchmal sind sie auch ganz auf sich gestellt und dadurch extrem verletzlich.  

Die Hilfsorganisationen in Haiti müssen unbedingt koordiniert zusammenarbeiten, um diese unbegleiteten Kinder so schnell wie möglich zu identifizieren und zu registrieren, und darauf hinarbeiten, sie so bald wie möglich wieder mit ihren Familien zusammenzuführen. Momentan kann die Situation der meisten unbegleiteten Kinder noch nicht verlässlich beurteilt werden. Daher warnt SOS-Kinderdorf alle Hilfsorganisationen in Haiti und sonstige Stellen, die vor Ort mit Kinderbelangen betraut sind, vor verfrühten Entscheidungen hinsichtlich einer längerfristigen Betreuungsform für diese Kinder (wie z.B. Adoption). 

SOS-Kinderdorf wird sich dafür einsetzen, Kinder wieder mit ihren Familien zusammenzuführen und wird sicherstellen, dass diese Kinder in dieser Phase der Unsicherheit und Unklarheit beschützt und in einem sicheren Umfeld betreut werden. Wir werden alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um Familien wieder zu vereinen und ihnen zu helfen, ihr Leben wieder aufzubauen.  

SOS-Kinderdorf Haiti wird unbegleiteten Kindern eine temporäre Betreuung in einem geschützten Umfeld anbieten, um dann alle notwendigen Schritte zu unternehmen, diese Kinder wieder mit ihren Familien zusammenzuführen. Nur in jenen Fällen, in denen alle Möglichkeiten einer Familienzusammenführung ausgeschöpft wurden (nach ca. sechs bis zwölf Monaten), wird SOS-Kinderdorf gemeinsam mit den örtlichen Behörden, Kinderschutzeinrichtungen und den betroffenen Kindern selbst nach einer dauerhaften Unterbringungsmöglichkeit suchen. Dies kann ein SOS-Kinderdorf sein, aber entsprechend dem Wohl des jeweiligen Kindes auch eine andere Form der alternativen Betreuung.  

Das Nothilfeprogramm von SOS-Kinderdorf Haiti umfasst die folgenden Maßnahmen:  

  • Hilfspakete für Kinder und Familien (Nahrungsmittel, Medikamente, Kleidung, Material zur Errichtung von provisorischen Unterkünften etc.)
  • Provisorische Aufnahme und Betreuung für unbegleitete Kinder in unseren zwei SOS-Kinderdörfern in Santo und Cap Haitien sowie in anderen SOS-Kinderdorf-Einrichtungen, z.B. in der SOS-Schule in Santo  
  • Psychosoziale Unterstützung für traumatisierte Kinder und deren Familien  
  • Familienzusammenführungsprogramme für unbegleitete Kinder
  • Unterstützung für Familien beim Wiederaufbau ihrer Häuser und ihrer allgemeinen Lebenssituation durch umfassende Sozialprogramme (Beratung, Berufsausbildung, Einkommensbeschaffung, etc.)
  • Hilfe für Gemeinden beim Wiederaufbau ihrer Infrastruktur z.B. Schulen
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