 |
| Die Kinder im SOS-Kinderdorf Chengdu sind sichtlich erleichtert, das Erdbeben unversehrt überstanden zu haben - Foto: SOS-Archiv |
Nachdem sich die Mitarbeiter des Dorfes vom ersten Schock erholt hatten, waren sie sofort zum Kindergarten gelaufen. Sie halfen den Pädagoginnen, die Kinder sofort nach draußen zu bringen. Kurze Zeit später waren alle Kinder gesund am Spielplatzgelände versammelt. Wir taten alles, damit sie sich sicher fühlten und sie beruhigten sich schnell.
Nachdem wir sichergestellt hatten, dass es allen Kindern im Dorf gut geht, versuchten wir die Schulen zu kontaktieren. Da die Telefone nicht funktionierten, gingen viele SOS-Mütter zu den Schulen, um die Kinder abzuholen.
Am späten Nachmittag hatte sich die Lage im Dorf beruhigt und es wurde bestätigt, dass alle Kinder wohlauf waren. Außer einigen Schülern, deren Schulen weiter weg waren und zu denen kein Kontakt aufgenommen werden konnte, kehrten alle Kinder unversehrt zurück ins Dorf. Einige Kinder hatten lediglich ein paar kleine Kratzer.
Nachdem alle Dorfbewohner in Sicherheit waren, wurde der Zustand der Gebäude und Einrichtungen kontrolliert. Die Familienhäuser und die anderen Gebäude im Dorf blieben verschont. Nur am SOS-Ausbildungszentrum, an der SOS-Jugendeinrichtung und an ein oder zwei Familienhäusern waren einige kleine Risse zu sehen. Die stellen aber kein Risiko dar.
Die stärkste Bebenwelle dauerte mehr als drei Minuten. Nur eine Viertelstunde später begannen Fernsehen und Radio ihre Berichterstattung über die Katastrophe. Leute versammelten sich um Radios, um die neuesten Informationen zu erfahren und um zu hören, wie sie sich verhalten sollen.
Die Regierung reagierte schnell und traf Vorkehrungen zum Schutz der öffentlichen Einrichtungen, zur Gewährleistung der Sicherheit, setzte Nothilfeprogramme in Gang und begann mit der Veröffentlichung von aktuellen Nachrichten.
An den Tagen nach dem Erdbeben folgten hunderte kleine Nachbeben. Die meisten waren schwach, und wir konnten nur wenige wahrnehmen. Alle Grund- und Mittelschulen in Chengdu wurden vorübergehend geschlossen.
Um die Kinder nicht zu gefährden, bleiben sie vorläufig im SOS-Kinderdorf. Das Leben soll so normal wie nur möglich weitergehen. Wir sind achtsam und bereiten uns auf etwaige stärkere Nachbeben vor. Unsere Mitarbeiter sind 24 Stunden im Einsatz. Das Dorf bietet auch Menschen aus der Nachbarschaft Unterkunft.
Das Dorf ist sicher, aber die Katastrophe hat in der Provinz Sichuan viel zerstört. Vor allem einige Gebiete 50 km vom Dorf entfernt hat es sehr schwer getroffen. Laut aktuellen Zahlen ist die Opferzahl auf mindestens 20.000 angestiegen, weitere 25.000 Menschen sind immer noch unter den Ruinen begraben. Den Behörden zufolge wurden bereits 64.040 Menschen, davon 12.587 Schwerverletzte, ärztlich versorgt. Insgesamt sind etwa zehn Millionen Menschen vom Erdbeben betroffen. Zehntausende sind obdachlos und viele, die bislang in Hochhäusern wohnten, sind verängstigt und ziehen es vor die Nächte vorübergehend im Freien zu verbringen.
* Stand vom 15. Mai 2008