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| Foto: Ivannia Cambronero |
Fünfzig Kinder, die die Zeit bis zur Fertigstellung in angemieteten Wohnungen überbrückt hatten, konnten endlich mit ihren SOS-Müttern die Häuser beziehen, sich in ihren Zimmern einrichten, den Schulweg erkunden, Freundschaften mit Kindern aus den anderen Familien schließen, sich an den Alltag in der neuen Umgebung gewöhnen. Wenn das neue SOS-Kinderdorf voll besetzt ist, werden insgesamt 120 Kinder in 14 Familien in der Häuserzeile in einer kleinen Seitenstraße inmitten der Stadt leben.
"Die Eroberung eines Dorfes" - Wie es ist, wenn fünfzig Kinder gleichzeitig nach Hause kommen, veranschaulicht der Film aus Cali.
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| Eine der Familien im SOS-Kinderdorf in Cali - Foto: Ivannia Cambronero |
Santiago de Cali, die Hauptstadt des Departamento Valle del Cauca, war als Sitz eines der mächtigsten Drogenkartelle der Welt bekannt und berüchtigt. Das Kartell ist zwar mittlerweile zerschlagen, dennoch knebeln Drogenhandel und damit verbundene Gewaltkriminalität die regionale Wirtschaftsentwicklung und sind für das soziale Miteinander in der Zwei-Millionen-Stadt unverändert eine tägliche Bedrohung. Cali und seine Einzugsgebiete - auf Grund der begünstigten geographischen Lage an sich ein begehrter Standort für Industrie und Landwirtschaft - kämpfen mit denselben Problemen wie ganz Kolumbien. Viele Menschen aus ländlichen Gebieten flüchten vor dem bewaffneten Konflikt und der Armut in die Großstädte oder sie werden gezielt von Grund und Boden vertrieben. Viele holt in den urbanen Ballungsräumen aber das ein, dem sie entkommen wollten. Allein Cali hat zwischen 1997 und 2009 mehr als 60.000 Vertriebene aufgenommen, die meisten davon Frauen und Kinder. Insgesamt sind rund drei Millionen Menschen in Kolumbien Flüchtlinge im eigenen Land.
Eckdaten zur Situation von Kindern in Cali
Im Kreislauf von Entwurzelung, Arbeitslosigkeit, Armut, Gewalt, schlechter medizinischer Versorgung, geringer Bildung und zu wenigen Sozialeinrichtungen für benachteiligte Bevölkerungsschichten bleiben Kinder oft als erste auf der Strecke oder sie bleiben einfach übrig, weil sich niemand mehr um sie kümmern will oder kann.
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| Geschwister unter sich - Foto: Ivannia Cambronero |
So erging es den Geschwistern Kimberly, Leidy und Brian. Der Vater hat nie bei ihnen gelebt, und als die Mutter starb, blieb nur mehr die Großmutter, selbst krank und ohne finanzielle Mittel. Nach eingehender Prüfung ihrer Situation und nachdem klar war, dass niemand aus der Verwandtschaft für die Kinder sorgen kann, wurden die drei im SOS-Kinderdorf Cali aufgenommen.
Wie sich Kimberly, Leidy und Brian in ihrer neuen SOS-Familie zurechtfinden, sehen Sie in unserer Bildergalerie.
Andere Kinder leben im SOS-Kinderdorf in Cali, weil sie sexuell missbraucht worden sind, massiver häuslicher Gewalt ausgesetzt waren oder vernachlässigt wurden - ein Schicksal, das sie mit vielen anderen Kindern teilen. Die einzige Lösung ist dann oftmals, die Kinder aus ihren Herkunftsfamilien zu nehmen, wenn sie nicht bereits schon von ihrer Familie verlassen worden sind. Bei vielen Familien ist es jedoch möglich, durch entsprechende Hilfestellung die Situation - häufig ein Resultat von Armut und Überforderung - gravierend zu verbessern, und sicherzustellen, dass die Kinder adäquat betreut und geschützt werden.
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| Im Gemeinschaftszentrum in der Communa 18 - Foto: Ivannia Cambronero |
In Cali gibt es Stadtviertel, wo das Leben besonders gefährlich ist. Sie sind Schauplatz für Drogenhändler, bewaffnete Gangs, Polizei, Armee und Paramilitärs, die sich gegenseitig bekriegen. Eines dieser Slums ist die Comuna 18. Dort ist SOS-Kinderdorf bereits seit zwei Jahren mit einem SOS-Sozialzentrum aktiv, um Familien in Notlagen und Krisensituationen zu unterstützen. Die Mitarbeiter tragen eine Uniform mit dem SOS-Kinderdorf-Logo. "Wegen dem Sicherheitsrisiko", erzählt einer von ihnen. Angeschlossen an das Sozialzentrum sind zwei Gemeinschaftszentren mit Tagesmütterprogrammen, die die Familien "besitzen" und selbst organisieren. SOS-Kinderdorf steht beratend zur Seite und bietet Ausbildungskurse an.
Eine der Familien ist die von Juan David, Valentina und Nicolás. Die insgesamt achtköpfige Familie lebt auf engstem Raum zusammen und kämpft mit einer Vielzahl an Problemen, die sich auch in Aggressionen niederschlagen. Seit die Familie sowohl vom SOS-Sozialzentrum als auch vom Gemeinschaftszentrum unterstützt wird, hat sich das Zusammenleben deutlich stabilisiert und für Juan David, Valentina und Nicolás vieles zum Besseren verändert.
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| Natürlich hat das SOS-Kinderdorf in Cali auch einen Spielplatz - Foto: Ivannia Cambronero |
In den vergangenen Jahrzehnten sind bereits mehr als 2.600 Kinder in kolumbianischen SOS-Kinderdörfern aufgewachsen, derzeit werden rund 800 Kinder und Jugendliche betreut. Mit Cali gibt es sechs Standorte, ein siebtes SOS-Kinderdorf mit einer Reihe von zusätzlichen Familienprogrammen entsteht zurzeit in Cartagena. Vor allem die Sozialzentren im Verbund mit den von den Familien eigenständig koordinierten Gemeinschaftszentren leisten einen wichtigen Beitrag, um positive Perspektiven und echte Zukunftschancen für Kinder und ihre Familien zu schaffen (2008 wurden rund 6.700 Kinder und Erwachsene in den Sozialprogrammen unterstützt).