Die Kinder und Kindeskinder von Tschernobyl 

Hilfe für Familien in Weißrussland 

Die Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sind auch heute noch für Weißrussland nicht abzusehen. Alleine die Zahl der Krebserkrankungen an der Schilddrüse bei Kindern ist in den letzten 20 Jahren um das 87fache gestiegen. Die Kinder, die kurz nach der Katastrophe geboren wurden, bekommen jetzt eigene Kinder - und auch diese Kinder haben ein immens hohes Risiko, an Krebs zu erkranken.
Foto: Wolfgang Kehl
Die vier Häuser des SOS-Sozialzentrums liegen nur ein paar Minuten von der Spezialklinik entfernt - Foto: W. Kehl

Seit 1996 nimmt das SOS-Sozialzentrum, das zum SOS-Kinderdorf Borowljany gehört, Familien auf, deren Kinder oft monatelang in der nahegelegenen Fachklinik behandelt werden. Ludmilla und ihre Kinder Wowa und Wassilij stehen stellvertretend für 86 Kinder und genauso viele Mütter, die alleine im Jahre 2007 im SOS-Sozialzentrum gelebt haben.
Das SOS-Sozialzentrum besteht aus vier Häusern mit mehreren Wohnungen und ist speziell für Familien eingerichtet worden, in denen entweder Kinder an Krebs erkrankt sind oder aufgrund ihrer Vorgeschichte einem besonders hohen Krebsrisiko ausgesetzt sind. Nicht nur während der Behandlung können Familien hier wohnen.

Das SOS-Sozialzentrum bietet Erholungsaufenthalte für Familien an, die nach wie vor in stark kontaminierten Gebieten leben. So waren im vergangenen Jahr 98 Mädchen, 100 Jungen und 32 Väter oder Mütter hier für drei Wochen zu Gast. Die Erholungsaufenthalte sind vor allem für arme und kinderreiche Familien gedacht. Im Sozialzentrum bekommen sie ein wenig Abstand von der oft belastenden Situation zu Hause.

Foto: Marko Mägi
Die Kinder müssen oft monatelang zur Therapie in Minsk bleiben - Foto: M. Mägi

Die Leute vom Sozialzentrum helfen mit psychologischer Betreuung vor allem bei Eheproblemen oder für allein erziehende Mütter, mit Ernährungsberatung oder bei so einfachen Dingen wie Amtsgängen - viele Familien wissen nicht mal, welche Ansprüche sie haben und wie sie diese Ansprüche geltend machen können.

Für die Kinder werden Ferienlager angeboten. 180 Kinder haben im letzten Jahr daran teilgenommen. Lilya Shestakova, die Leiterin des Zentrums, sagt: "Die größte Herausforderung für uns ist es, zu vergessen, dass die Kinder krank sind. Wir müssen sie einfach als Kinder sehen, nicht als kranke Kinder." Wenn Lilya zusammenfasst, worauf es ankommt, sagt sie: "Es ist wichtig, positiv zu denken. Wir müssen den Leuten zeigen, dass diese Krankheiten überwunden werden können."

Artikel von Wolfgang Kehl, Mitarbeiter beim deutschen Förderverein SOS-Kinderdörfer weltweit.

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