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| Bildung ist vielen Kindern verwehrt - Foto: P. Wittmann |
Was für die meisten Kinder eine Selbstverständlichkeit ist, nämlich morgens zur Schule zu gehen, bleibt für Millionen von Mädchen und Jungen ein unerfüllter Traum. Während die einen vielleicht jammern, weil sie langweilige Schulstunden erleben, diese schwänzen oder sich fragen, was das Gelernte mit ihrem Leben und ihrer Zukunft zu tun hat, haben die anderen gar keine Möglichkeit, sich solche Fragen zu stellen: Entweder gibt es dort, wo sie aufwachsen, keine Schulen, oder sie dürfen nicht zur Schule gehen. Zum Beispiel weil sie Mädchen sind oder einer Minderheit angehören oder weil ihre Familien Schulgeld, Schulbücher, -kantine, -transport und -uniformen nicht bezahlen können. UNICEF [1] schätzt, dass ca. 93 Millionen Kinder weltweit keinerlei schulische Ausbildung bekommen, und World Vision [2] gibt an, dass davon mindestens ein Drittel Kinder mit Behinderungen sind. Das Recht auf Bildung [3] bleibt vielen Menschen und nicht zuletzt Kindern verwehrt.
Grundstein für positive Entwicklung
Spätestens seit der Verkündigung der "Milleniumsziele" der Vereinten Nationen ist der breiten Öffentlichkeit bewusst geworden, dass Bildung ein Grundstein für positive Entwicklung ist. Eines der acht Milleniumsziele ist der freie Zugang zu Grundschulbildung für alle. Leider sieht die Realität anders aus, selbst wenn die meisten Staaten sich offiziell dazu bekannt haben. Auf 100 Lehrer(innen) kommen immer noch 150 Soldaten, stellt Katarina Tomasevski, lange Zeit Bildungsbeauftragte für die Vereinten Nationen, in ihrer letzten Publikation [4] fest. Und der jüngste UNICEF-Bericht zur Situation von Kindern und Jugendlichen in der Welt [5] fasst es klar zusammen: Weltweit wurde in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 12% des Bruttosozialprodukts für Landesverteidigung ausgegeben, für Bildung nur halb so viel.
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| Unterricht muss sich auch am einzelnen Kind orientieren - Foto: P. Wittmann |
Nicht nur der Mangel an Bildungsmöglichkeit ist ein Problem, die Qualität der Bildungssysteme ist in vielen Ländern mangelhaft. Laut UN World Youth Report [6] sind es im Besonderen die benachteiligten Kinder, die oftmals nicht ausreichend Bildung und Ausbildung erhalten und deshalb auch nicht in der Berufswelt Fuß fassen können. Benachteiligt sind Kinder durch Herkunft, soziale Zugehörigkeit, Verwahrlosung, Krisen (z. B. bewaffnete Konflikte), Flucht, Menschenhandel und andere Gründe. In der Schule werden sie oftmals stigmatisiert und darüber hinaus durch Curricula, Bildungsstrukturen und Lehrpersonen, die auf individuelle Bedürfnisse und Lernschwierigkeiten nicht adäquat reagieren, doppelt benachteiligt. Darüber hinaus führen Mangelernährung, Traumata, Misshandlungen und Vernachlässigung zu hohen Wiederholungsraten, schlechten Lernleistungen und Schulverweigerung. Umstände, die Kindern kaum eine Chance geben, den Kreislauf von Gewalt und Armut zu durchbrechen.
Unsere Zielgruppe und ihre Bedürfnisse
Damit Kinder und Jugendliche aus der Betreuung von SOS-Kinderdorf kompetent und verantwortungsvoll in die Zukunft gehen können, setzt die neue Bildungsinitiative "Learning for Life" vermehrt an den spezifischen Bildungsbedürfnissen unserer Zielgruppe an. Dabei geht es sowohl um die Sicherstellung von Bildungszugang und Bildungserfolg aller Kinder in unseren Programmen als auch um die Weiterentwicklung der von SOS-Kinderdorf geleiteten Schulen und Ausbildungszentren.
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| Nongkhai/Thailand - Foto: R. Fleischanderl |
Die Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen wird dabei genauso unterstützt wie ein moderner kindzentrierter und personalisierter Unterricht, der auf die unterschiedlichen Lernbedürfnisse von Mädchen und Jungen, aber auch auf Kinder mit Migrations- oder Minderheitenhintergrund Rücksicht nimmt. Kinderschutz, Lernen in der eigenen Muttersprache, Kinderpartizipation sind dabei nur einige der Anliegen, damit sich Kinder durch Bildung zu kompetenten, selbstbewussten und verantwortungsvollen Menschen entwickeln können.
Dass SOS-Kinderdorf diese Ziele nicht alleine erreichen kann, ist angesichts der eingangs genannten Zahlen offensichtlich. Die Kooperation mit anderen Organisationen und öffentlichen Stellen wird in Zukunft für Bildungseinrichtungen des SOS-Kinderdorfes eine viel größere Rolle spielen als bisher. Gemeinsam mit Partnern Angebote zu planen und durchzuführen, damit mehr benachteiligte Kinder ihr Recht auf qualitätsvolle Bildung in Anspruch nehmen können, wird in Zukunft nicht nur die Schulen und Ausbildungszentren von SOS-Kinderdorf betreffen. Es werden auch neue Formen der Zusammenarbeit im Bildungsbereich insgesamt entstehen. Dass es dazu gut qualifizierte Mitarbeiter(innen) benötigt, steht außer Frage. Durch bessere Bildungsangebote und ein stärkeres Bewusstseins von Bildungsqualität will SOS-Kinderdorf die nachhaltige Entwicklung von Kindern, Familien und Gemeinden mitgestalten und fördern.