Für den Beruf der Kinderdorfmutter sucht SOS-Kinderdorf Frauen, an deren Persönlichkeit und Lebensbewältigungsformen sich die Kinder orientieren können. Die SOS-Kinderdorf-Mutter gibt über die Beziehung, die sich zwischen dem einzelnen Kind und ihr entwickelt, einen Teil von sich selbst an das Kind weiter. Sie begleitet die Entwicklungsprozesse der Kinder und arbeitet mit dem Ziel, jedes Kind bestmöglich zu fördern, mit dem Dorfleiter und den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Dorf zusammen.
Aufgrund der an ihren Beruf geknüpften Anforderungen bewegt sie sich immer im Spannungsfeld zwischen Privatsphäre und Beruf, zwischen Familienleben und Organisation und ist gefordert, beides in Balance zu halten. Die SOS-Kinderdorf-Mutter bezieht ein Gehalt, verfügt über ein von der Anzahl der betreuten Kinder abhängiges Familienbudget und führt ihren Haushalt eigenverantwortlich. Sie wird von einer Familienhelferin, in vielen Ländern „SOS-Tante" genannt, in ihren Aufgaben unterstützt.
Wer wird SOS-Kinderdorf-Mutter?
Gesucht werden im Allgemeinen alleinstehende Frauen zwischen 25 und 40 Jahren, die zumindest acht bis zehn Schuljahre absolviert haben. Belastbarkeit, psychische Stabilität, Beziehungsfähigkeit und pädagogische Fähigkeiten sind ebenso notwendig wie Kenntnisse im Bereich der Haushaltsführung und die Bereitschaft, sich auf diesen Beruf einzulassen und mindestens eine Generation von Kindern in einer SOS-Kinderdorf-Familie großzuziehen. In einigen europäischen Ländern üben auch verheiratete Frauen oder Paare den Beruf der SOS-Kinderdorf-Mutter aus. Eine Stärke des SOS-Kinderdorfes ist es, dass in jedem Land lokale Mitarbeiter/innen angestellt werden. Dies trifft natürlich auch auf die SOS-Kinderdorf-Mütter zu.
Professionalisierung
Hermann Gmeiner hatte von Beginn an eine Vision hinsichtlich der Rolle der SOS-Kinderdorf-Mutter, für ihn war es ein eigenständiger Beruf. 1978 wurden erstmals international gültige Standards hinsichtlich der Auswahl, Ausbildung und Unterstützungsangebote für SOS-Kinderdorf-Mütter formuliert. Diese werden von den nationalen SOS-Kinderdorf-Vereinen umgesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt. Die Organisation kommt damit ihrer Verantwortung nach, jene Rahmenbedingungen zu gewährleisten, die notwendig sind, damit die SOS-Kinderdorf-Mutter ihre Aufgaben bestmöglich wahrnehmen kann.
Die Aus- und Fortbildung der SOS-Kinderdorf-Mütter wird je nach kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten in jeder Region auf unterschiedliche Weise organisiert. Dabei reicht die Bandbreite von regionalen über nationale Ausbildungszentren hin zu Programmen, die in SOS-Kinderdörfern oder in Kooperation mit anderen Organisationen umgesetzt werden.
Wie auch immer sie organisiert ist - jede angehende SOS-Kinderdorf-Mutter absolviert eine zweijährige Grundausbildung. Diese besteht aus mindestens drei Monaten theoretischer und 21 Monaten praktischer, das heißt „On-the-job"-Ausbildung. Im Rahmen des theoretischen Teils werden den Frauen Bildungsangebote zu allen wesentlichen Aufgabenbereichen einer SOS-Kinderdorf-Mutter gemacht (pädagogisch-psychologische Themen, Hauswirtschafts- und Ernährungslehre, kreative Methoden, etc.). Dabei setzen qualifizierte Trainer/innen an den bisherigen Lebens- und Lernerfahrungen der Frauen an und ermöglichen ihnen dadurch, ihre persönlichen wie fachlichen Kompetenzen zu erweitern.
„Der Beruf der SOS-Kinderdorf-Mutter wird kontinuierlich weiterentwickelt", lautet ein Standard im Personalhandbuch von SOS-Kinderdorf International. Der SOS-Kinderdorf-Mutter werden eine Ausbildung auf hohem Niveau sowie Unterstützung und Weiterbildung angeboten. Ziel ist dabei, dass sie ihre persönlichen wie fachlichen Fähigkeiten beständig weiterentwickelt, um die ihr anvertrauten Kinder und Jugendlichen optimal zu betreuen.
Berufe, die das Arbeiten und Leben innerhalb eines Familiensystems notwendig machen, werden in der nationalen Arbeitsgesetzgebung oft unzureichend berücksichtigt. Daher ist bis heute nur in wenigen Ländern der Beruf der SOS-Kinderdorf-Mutter auch als solcher anerkannt.
Die Anerkennung des Berufes SOS-Kinderdorf-Mutter sowie auch der Ausbildung zur SOS-Kinderdorf-Mutter durch alle nationalen pädagogischen Instanzen weltweit ist uns ein Anliegen. Damit möchten wir den Status der SOS-Kinderdorf-Mutter als professionelle Betreuerin festigen. Einige nationale SOS-Kinderdorf-Vereine haben eine Anerkennung des Berufes SOS-Kinderdorf-Mutter in ihren Ländern bereits erreicht. Unter „Downloads" geben Good-Practice-Beispiele Einblick in ihre Arbeit.
Zusätzliche Angebote
Abgesehen vom regelmäßigen Austausch mit ihrem Vorgesetzten, dem Dorfleiter, kann die SOS-Kinderdorf-Mutter je nach Bedarf auf andere professionelle Angebote zurückgreifen, zum Beispiel auf von pädagogischen Mitarbeiter(inne)n organisierte Lernhilfe oder Freizeitangebote, auf Therapieangebote für Kinder oder auf psychologische Beratung für sich selbst. Die Dorfgemeinschaft ist ein Netzwerk, in dem die Kinderdorfmutter Austausch und Unterstützung findet.
Neigt sich die berufliche Laufbahn der SOS-Kinderdorf-Mutter dem Ende zu, kann sie sich in Einzelgesprächen und speziellen Seminaren mit anderen betroffenen SOS-Kinderdorf-Müttern auf ihren neuen Lebensabschnitt vorbereiten. Mit der Auszahlung einer monatliche Pension unterstützt SOS-Kinderdorf in Ländern, wo es keine staatlichen Pensionen gibt, jene Frauen, die mindestens 15 Jahre als SOS-Kinderdorf-Mutter gearbeitet und das gesetzliche Pensionsalter erreicht haben. Auch eine permanente Wohnmöglichkeit im SOS-Kinderdorf sowie medizinische Grundversorgung stehen den Frauen zur Verfügung.
Falls Sie sich als SOS-Kinderdorf-Mutter bewerben wollen, wenden Sie sich bitte an den SOS-Kinderdorf-Verein in Ihrem Land.