Unser neues Heim - "ein Neubeginn für mich und meine Kinder" 

Das Wohnprogramm, eines der Angebote des Familienstärkungsprogramms von SOS-Kinderdorf Benin in Abomey-Calavi, sorgt dafür, dass Familien einen anständigen Platz zum Leben haben, zusammenzubleiben und den Kreis der Armut durchbrechen können. Leocadie und ihre drei Töchter waren unter den ersten Nutznießern dieses Programms.

Die 35-jährige Leocadie und ihre Töchter Pelagie (acht), Valerie (sechs) und Carina (fünf) leben in Tokpa Zoungo, einer Stadt in der Nähe des SOS-Kinderdorfs Abomey-Calavi im Süden des Benin. In diesem Landesteil wird der Alltag für viele Menschen zu einem Kampf: Probleme wie Armut und schlechte Gesundheit sind allgegenwärtig.

Leocadies Familie kam früher eigentlich recht gut zurecht. Sie führten ein einfaches Leben und hatten im Großen und Ganzen alles, was sie brauchten. Ihr Ehemann arbeitete in einem lokalen Betrieb, und sie bezogen ihr eigenes kleines Geschäftseinkommen aus dem Verkauf von Reis und Bohnen. Es war ausreichend, um die täglichen Ausgaben für Nahrung und die Dinge des täglichen Lebens abzudecken.

Ein grausames Schicksal

Infolge eines Schicksalsschlags änderte sich 2003 die Situation dramatisch: "Mein Mann starb ein paar Monate nach der Geburt unseres dritten Kindes an Fieber. Ich war noch sehr mitgenommen und schwach und brauchte ihn. Er war die einzige Unterstützung, die ich hatte", sagt Leocadie. Ihre einzige nahe Verwandte war ihre Großmutter, eine gebrechliche, bettelarme alte Frau.

Léocadie mit ihren 3 Kindern vor dem neuen Haus - Foto: C. Ngo Biyack
Léocadie mit ihren 3 Kindern vor dem neuen Haus

"Das erste Jahr nach dem Tod meines Mannes war sehr schwierig. Ich hatte wirklich nichts - nicht einmal das Nötigste zum Leben, nicht genug Essen für mich und meine Kinder", erzählt Leocadie weiter. Sie hatte kein Geld, und da sie nun ihren Mann verloren hatte, blieb ihr nur noch das Einkommen, das sie mit dem Verkauf von Reis und Bohnen erwirtschaftete. Die Kinder hatten nicht täglich zu essen, und die Kleinste, Carina, war ständig krank. Sie konnte nicht die nötige Behandlung bekommen, und Pelagie konnte nicht in den Kindergarten gehen.

Die Familie lebte unter schrecklichen Bedingungen; ohne richtiges Dach über dem Kopf lebten sie in einer wackeligen Unterkunft aus Wellblech, Supermarktverpackung und Recycling-Material. Sie teilten sich einen einzigen Raum, Bad und Toilette befanden sich außerhalb und wurden auch von den Nachbarn benutzt. Mehrere Jahre mussten sie so leben, da Leocadie nicht genug Geld für die  Baumaterialien hatte (Zement, Wellblech, Eisen etc.), die für das Haus benötigt wurden.

Das neue Haus

Als 2004 das SOS-Familienstärkungsprogramm in Abomey-Calavi ins Leben gerufen wurde, war Leocadie eine der ersten Nutznießerinnen. Zuerst wurde die Familie mit dem Nötigsten versorgt, und dann ging es an den Bau des Hauses.

In jeder Gemeinde, die unterstützt wird, arbeitet ein ehrenamtlicher Helfer pro zehn bis zwanzig Familien. Sie vermitteln zwischen den Programm-Teilnehmern und der Programmverwaltung. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Wohnprobleme der Teilnehmer aufzuzeigen und das Projekt, für das man sich entschieden hat, vorzubereiten. Wenn an einem Haus Renovierungsarbeiten vorgenommen werden sollen, spricht der ehrenamtliche Helfer mit der Familie und den Menschen in der Gemeinde über Projektumfang und Zeitplan sowie über die Aufgabenverteilung.

Die Menschen aus der Gemeinde werden aktiv eingebunden; gelernte Arbeiter werden als Maurer und Tischler angestellt, während andere dafür herangezogen werden, Sand und Steine zu sammeln oder Wasser vom Fluss zu holen, um Ziegel zu machen und vieles mehr. So geht der Bau rasch voran.

Dank einer genauen Planung und Vorbereitung betrug die Bauzeit nur zwei Wochen. Das neue Haus wurde neben dem alten Elendsquartier errichtet (Es wurde nicht abgerissen, damit die Familie während der Bauarbeiten eine Unterkunft hatte). Für das Fundament wurden Ziegel verwendet und auch sonst nur solide Baumaterialien, denn sie sollten ja ein sicheres Dach über dem Kopf bekommen. Leocadie, ihre Töchter und ihre Großmutter bezogen schließlich ihr gemütliches neues Zuhause. Leocadie sagte: "Ich möchte allen, die zum Erfolg dieses Projekts beigetragen haben, ein großes Dankeschön aussprechen. Dieses neue Haus bedeutet einen Neubeginn für mich und meine Kinder."

Fast drei Jahre später ist das Haus immer noch wunderschön und gepflegt, und die Familie ist überglücklich. Bisher wurden drei Familien in das Wohnprogramm aufgenommen. Alle lebten in baufälligen Häusern oder Hütten, die keinen Schutz vor Unwettern boten und eine Gefahr für die Gesundheit darstellten. Weitere vier Familien, die unter schrecklichen Bedingungen leben, sind Teilnehmeranwärter.

Solide und breitgefächerte Unterstützung

Tafel in einer Schule in Abomey-Calavi - Foto: SOS-Archiv
Tafel in einer Schule in Abomey-Calavi
Das Familienstärkungs-programm unterstützt Leocadies Familie in vielerlei Hinsicht. Sie bekommen Essenspakete alle drei Monate und Zugang zu grundlegender medizinischer Versorgung. Da sie jetzt Schulgeld, Schuluniformen und Schulmaterialien erhalten, können die Mädchen, die jahrelang zu Hause bleiben mussten, in die Schule und in den Kindergarten gehen.

Langfristiges Ziel des Familienstärkungsprogramms ist es, dem Familienoberhaupt zu finanzieller Unabhängigkeit zu verhelfen. Leocadie erhielt hierfür einen günstigen Micro-Kredit, damit sie sich eine Einkommensquelle aufbauen kann. Sie begann, Akassa (vergorener Maisbrei) mit frittiertem Fisch zu verkaufen, eines der beliebtesten lokalen Gerichte. Ihr Geschäft geht gut, und sie kann bereits Pläne für einen Ausbau ihrer Unternehmungen schmieden.

Das Familienstärkungsprogramm wird demnächst allen Teilnehmern ein maßgeschneidertes Schulungsprogramm anbieten. Leocadie wird einen Alphabetisierungskurs belegen und lernen, wie man sich richtig ernährt oder Virusinfektionen und ansteckende Krankheiten verhüten kann.

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