"Nun habe ich mein Diplom!" 

Amparo, eine Mutter aus der Gemeinde sitzt im Gemeindezentrum "Rayito de Luz" ("Kleiner Lichtstrahl") im Ortsteil Belencito der Gemeinde Mixco. Sie ist im 8. Monat schwanger und lächelt schüchtern, während ein Mädchen in ihren Armen schläft. Fünf Minuten später legt sie das Mädchen in eine Wiege, die mit Decken ausgelegt ist und wendet sich einem anderen Kinderbettchen zu, in dem ein etwa neun Monate altes Baby liegt, dessen Windeln gewechselt werden müssen.
Ein großes, gelb gestrichenes Gemeindehaus dient als Treffpunkt für die Kinder, die täglich herbeiströmen, um hier zu spielen und zu singen.

"Ich spüre, dass sich alles verbessert, aber ich muss weiter kämpfen" - Foto: Y. Ovalle
"Ich spüre, dass sich alles verbessert, aber ich muss weiter kämpfen"

Amparo hat zwei Töchter (die 4jährige Mayerli und die 2jährige Evelyn) und erwartet ihr drittes Kind. "Wir wissen noch nicht, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird und deshalb habe ich mir über den Namen auch noch keine Gedanken gemacht", sagt sie schüchtern. 

Im Alter von 22 Jahren konnte sich Amparo nicht vorstellen, dass ihr Leben so verlaufen würde. Sie stammt aus einer Gemeinde namens Santa Cruz Naranjo. Im Bezirk Santa Rosa wuchs sie in einer armen Familie auf. Amparo begann deshalb im Alter von 17 Jahren zu arbeiten und musste die Schule abbrechen. Sie hatte zwar nur einen Abschluss der 6. Klasse Grundschule, trotzdem gelang es ihr, Arbeit in einer Keksfabrik zu finden. Nach einigen Monaten lernte sie Gerardo kennen und wurde mit ihrer ersten Tochter schwanger. Die Beziehung zu ihrem Freund ging in die Brüche und Amparo sah ihn nie wieder. Enttäuscht und traurig kündigte sie ihre Arbeit und ging zu ihren Eltern zurück, wo sie wenige Monate später ihre Tochter Mayerli bekam.

Foto: Y. Ovalle

Auf der Suche nach Möglichkeiten

Das Leben mit ihren Eltern wurde sehr schwierig und Amparo entschied sich, in die Hauptstadt zu gehen, um bessere Chancen zu haben. Eine Weile lebte sie im Haus ihrer Schwester Gloria im Ortsteil Belencito der Gemeinde Mixco. Als Gegenleistung kümmerte sie sich täglich um ihre kleine Nichte. 

Die Tage vergingen und die junge Frau wurde zunehmend depressiver. Doch eines Nachmittags kam Gloria von ihrer Arbeit zurück und teilte ihr mit, dass es Pläne von Seiten der Gemeindeführung gab, ein Gemeindezentrum zur Betreuung von Kindern zu eröffnen und sie dachte, dass Amparo dort arbeiten könnte. Amparo hatte in der Zwischenzeit Juan kennen gelernt und ihre zweite Tochter Evelyn zur Welt gebracht. Leider verließ Juan sie wenig später.

Als allein erziehende Mutter von zwei Töchtern wusste sie, dass sie ernsthaft über ihr Leben nachdenken und Arbeit suchen musste. "Ich habe Wäsche gewaschen, gebügelt, den Haushalt erledigt und andere Dinge. Dies war der Teil meines Lebens, der mir half stärker zu werden, zu kämpfen und weiter zu kommen".

"Meine Töchter leben bereits in Betreuung und in Sicherheit" - Foto: Y. Ovalle
"Meine Töchter leben bereits in Betreuung und in Sicherheit"

Als das Gemeindezentrum "Rayito de Luz" im Mai 2006 seine Pforten öffnete, war Amparo eine der vom Familienkomitee ausgewählten Mütter. Sie war glücklich darüber, an den Kursen des Familienstärkungsprogramms für Mütter der Gemeinden teilnehmen zu dürfen. Jeden Tag lernte sie etwas Neues dazu, dass sie mit den Kindern in die Praxis umsetzen konnte. "Ich hatte keine Angst, ich wollte einfach nur dazulernen. Ich fühlte mich dazu berufen."

Im Juni 2007 entschied SOS-Kinderdorf, dass Amparo als Anerkennung ihrer Leistung an einem Kurs zur Ausbildung als Kinderbetreuerin teilnehmen durfte. Der Kurs wird vom Social Welfare Sekretariat angeboten und die Schulungen umfassen Themen wie Ernährung, spezielle Kinderbetreuung, Werteschulung, erste Hilfe und allgemeine Erziehung für Kinder von 0 - 8 Jahren.

Ein neues Leben

Ein halbes Jahr später ist Amparo eine jener 75 Frauen, die den Kurs abgeschlossen haben. Es ist der Tag, an dem die Abschlusszeugnisse überreicht werden. Mit Tränen in den Augen hält Amparo ihr Diplom in den Händen und posiert für ein Foto. Sie zittert vor Aufregung und die Zufriedenheit in ihrem Gesicht sagt alles aus. 

Nach einem 6monatigen Kurs erhalten Amparo und 75 weitere Frauen ihr Diplom - Foto: Y. Ovalle
Nach einem 6monatigen Kurs erhalten Amparo und 75 weitere Frauen ihr Diplom

Die Mütter wissen, dass diese Frauen, denen sie ihre Kinder täglich anvertrauen, laufend Fortbildung erhalten und ihre Arbeit als Berufung sehen.

Am meisten gefällt Amparo die Arbeit mit den kleinen Kindern, sie hat darin Erfahrung. In Kürze erwartet sie ihr drittes Kind und fühlt sich sehr bereit dazu. Der Vater des Kindes - er ist ihr derzeitiger Freund  - hat sie sehr unterstützt und die anderen beiden Töchter sind für ihn wie leibliche Kinder. Beide sind in das Familienstärkungsprogramm mit eingebunden. Mit diesem erweiterten Wissen beginnt sie nun, Pläne für ihre Familie zu schmieden. "Ich spüre, dass sich alles verbessert, aber ich muss weiter kämpfen", sagt sie.

Das Sozialzentrum von SOS-Kinderdorf Mixco hat Platz für 530 Kinder und bietet, um zur nachhaltigen Stärkung der Familien beizutragen, Unterstützung für  Kinder, Mütter, Familien und zur Gemeindenentwicklung. Die teilnehmenden Familien sind in Familienkomitees organisiert. Im Rahmen dieser Komitees organisieren die Mütter in Eigeninitiative die Betreuung der Kinder in den Gemeindezentren. SOS-Kinderdorf bietet Unterstützung durch Aus- und Weiterbildung an.