Eine gute Idee - nicht nur für Leseratten 

Was machen Sie, wenn Sie ein Buch lesen möchten? Sie kaufen es in einem Geschäft, bestellen es online oder leihen es in einer Bibliothek aus? Was aber, wenn es das alles nicht gibt oder wenn Sie so arm sind, dass Sie sich gar kein Buch leisten können? Dann muss die Bildung zu Ihnen kommen, wie das die Bücherei auf Rädern rund um das indonesische SOS-Kinderdorf Flores praktiziert.
Die Kinder holen neuen Lesestoff aus der mobilen Bücherei - Foto: B. Neeleman
Die Kinder holen neuen Lesestoff aus der mobilen Bücherei

In einem Land mit einer Ost-West-Ausdehnung von rund 5.400 km (etwa die Entfernung London - New York), das aus ca. 6.000 bewohnten Inseln besteht, ist ein flächendeckender Zugang der Bevölkerung zu Bildungseinrichtungen eine schier unüberwindbare Hürde. Die Idee der Bücherei auf Rädern in Flores wurde gemeinsam mit den Organisationen Murti Bunanta Foundation, Ohanashi Caravan Center und International Board on Books for Young People entwickelt. Dank der engen Zusammenarbeit mit den Behörden profitieren auch öffentliche Schulen und Dorfgemeinschaften von dem Projekt.

 
Gregor Nitihardjo, Direktor von SOS-Kinderdorf Indonesien, beschreibt die Ziele der Bücherei auf Rädern: "Besonders Kinder, die in abgelegenen Regionen leben, sollen zum Lesen motiviert werden.  Die Kleinen Sunda-Inseln, zu denen Flores gehört, sind extrem isoliert. Ihre Bewohner sind sehr arm. Die meisten Kinder haben nicht einmal die Bücher, die sie für die Schule benötigen würden, zu Hause. Weil sie nicht üben können, sind ihre Lesefähigkeiten oft schwach. Was bietet sich da Besseres an als eine mobile Bücherei?"

Das "Bücherbike" - Foto: B. Neeleman
Das "Bücherbike"

Die Bücherei auf Rädern besteht aus zwei auf Mororrädern montierten Boxen, die jeweils ca. 700 Bücher und Zeitschriften fassen. Ein "Bücherbike" fährt das Gebiet um das SOS-Kinderdorf Flores ab und bringt so die Bücher auch zu vielen Kindern der Umgebung, das andere deckt die Schulen der Stadt Maumere ab. Die Motorräder sind bis zu dreimal pro Woche unterwegs und machen auf sich aufmerksam, indem aus Lautsprechern eine bekannte Melodie erklingt, die mit dem Text "Ich bin pfiffig, denn ich liebe es zu lesen!" unterlegt ist.

Der Verleih der Bücher und Zeitschriften ist kostenlos. Die Kinder nehmen ihre Lektüre allerdings nicht mit nach Hause, sondern lesen vor Ort. Während der langen Trockenzeit stellen die Schulen einfach Tische und Bänke in den Hof, während der Regenzeit benützt man die Klassenzimmer. Die meisten Bücher sind dünn und bebildert, um das Interesse der Kinder zu wecken und sie nicht gleich zu überfordern.

Durch Lesen die Welt entdecken! - Foto: B. Neeleman
Durch Lesen die Welt entdecken!
Mitarbeiter von SOS-Kinderdorf betätigen sich als mobile Bibliothekare. Sie fahren die Motorräder, beraten bei der Auswahl der Lektüre, zeigen vor, wie man Bücher behandeln soll, und beaufsichtigen die Leseratten. Vor allem für die Jüngeren werden sie manchmal sogar selbst zu Märchenonkeln.

Wenn möglich werden die Kinder nach Schulstufen und Lesefähigkeiten gruppiert. Da das Bildungsniveau in Flores sehr niedrig ist, haben viele Drittklässler noch Probleme beim Lesen. Ältere Schüler helfen dann schon mal gerne aus!

Als die mobile Bücherei präsentiert wurde, waren die Kinder aus dem SOS-Kinderdorf Flores, den umliegenden Gemeinden und der Stadt Maumere sehr aufgeregt. Es war, als ob sie neue Spielsachen gefunden hätten. Die zehnjährige Rehana ist nach wie vor vom Bücherbike begeistert: "Es hat uns sehr geholfen, Freude am Lesen zu finden. Ich habe viele neue Dinge entdeckt, seit ich hierher komme." Und eine SOS-Kinderdorf-Mutter meint, "die Bücherei auf Rädern ist wie ein offenes Fenster, durch das die Kinder in die weite Welt sehen können."

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