Glücklich bei "Las Tortugitas" 

Lidia ist alleinerziehende Mutter von sechs kleinen Kindern. Viele Jahre lang lebte sie ausgegrenzt in Mar del Plata in Argentinien und kämpfte mit einer Vielzahl sozialer und ökonomischer Probleme. Dank des SOS-Kinderdorf-Familienstärkungsprogramms hat sich nun aber für Lidia und ihre Kinder ein neuer Weg in die Zukunft geöffnet.
Landkarte von Argentinien - Foto: SOS-Archiv
Landkarte von Argentinien

Bevor sie Teil des SOS-Kinderdorf-Familienstärkungsprogramms wurde arbeitet Lidia auf eine Farm wo sie trotz vieler Arbeitsstunden nur so wenig verdiente, dass nicht einmal sie allein davon leben konnte. Wegen Lidias Arbeit waren ihre Kinder untertags immer allein und sahen ihre Mutter nur am Abend.

Eines Tages aber stieß Lidia auf das soeben eröffnete SOS-Gemeindezentrum 'El sueño del pibe' (Der Traum jedes Kindes). Als sie mehr über SOS-Kinderdorf erfuhr und welche Unterstützung ihr das Gemeindezentrum bieten konnte, bat sie um Hilfe.

Das Zentrum lag aber relativ weit entfernt von Lidias Zuhause und so war es schwer für sie, ihre Kinder mitzubringen. Einige Monate später, Mitte des Jahres 2008, wurde sie dann eingeladen, in einem neuen SOS-Gemeindezentrum mitzuarbeiten, das im Haus ihrer Nachbarin Mabel in Villa del Parque eröffnet werden sollte. Den beiden Frauen gefiel die Idee und so entstand eine neue SOS-Kinderdorf-Einrichtung. 

Das Programm bietet Unterstützung für Kinder, Frauen und Familien und in der Gemeindeentwicklung. SOS-Kinderdorf arbeitet mit Gemeinden und lokalen Partnern zusammen, um benachteiligten Familien zu helfen. Die Familienstärkungsprogramme sollen auf die Situation bestimmter Zielgruppen eingehen. So werden etwa alleinerziehende Mütter unterstützt oder von HIV/AIDS betroffene Familien sowie Familien mit finanziellen Problemen, welche oft mit Drogenabhängigkeit, Krankheit und Ausgrenzung zusammen hängen.

Die teilnehmenden Familien werden in Familienkomittees zusammengeführt und leiten als solche Gemeindehäuser und Kinderbetreuungsstätten. Diese Gemeindehäuser und -zentren werden von den Familien autonom geleitet, wobei SOS-Kinderdorf ihnen die dafür notwendigen Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten bietet.

Lidia und Mabel nannten das neue Familienstärkungsprogramm "Las Tortuguitas" (Die kleinen Schildkröten). Bald lernten die zwei Frauen Familien zu helfen, die ähnliche Probleme hatten wie sie selbst. Inzwischen kommen viele Mütter und Kinder ins SOS-Gemeindezentrum und Las Tortugitas ist eine anerkannte Einrichtung in der Gemeinde.

Ein Gefühl der Sicherheit im Gemeindezentrum - Foto: SOS-Archiv
Ein Gefühl der Sicherheit im Gemeindezentrum

Auch die Situation von Lidias Kindern hat sich verändert. Der fünfjährige Lautaro litt an einer leichten Behinderung an einer Hand und Lidia hatte Angst vor einer Operation. Als aber ein SOS-Kinderdorf-Mitarbeiter mit ihr über die Operation sprach und ihr mehr Information und auch Unterstützung gab, erkannte Lidia, dass eine Operation das Beste für den kleinen Lautaro war. Der Junge wurde vor einigen Monaten operiert und ist inzwischen vollkommen beschwerdefrei.

Auch Lidias anderen Kindern geht es gut. Die neunjährige Rocio war früher untergewichtig, inzwischen ist sie rundum gesund; Die 13-jährige Vanesa hatte keinen Personalausweis, jetzt besitzt sie einen.

Dank der Unterstützung seitens des SOS-Kinderdorf-Familienstärkungsprogramms kann sich Lidia nun um ihre Familie kümmern.

Im Jahr 1979 wurde Argentiniens erstes SOS-Kinderdorf in Oberá in der Provinz Misiones im Nordosten des Landes eröffent.1982 wurde dann das nächste SOS-Kinderdorf in Mar del Plata an der Atlantikküste eröffnet und im Jahr 2000 öffnete das SOS-Kinderdorf Córdoba in der gleichnamigen Stadt in Zentralargentinien seine Tore. Aufgrund der schweren Wirtschaftskrise im Jahr 2001 und der darauffolgenden Verschlechterung der sozialen Bedingungen in Argentinien entschied die Organisation ein weiteres SOS-Kinderdorf zu bauen. Das neueste SOS-Kinderdorf in Luján ist seit Februar 2008 in Betrieb.