"Alles begann im Jahr 2001, als ich mit meinem jüngsten Sohn schwanger war. Ich war ständig müde. Mir war oft schwindlig und übel. Ich musste mich übergeben, hatte keinen Appetit und andauernd Fieber. Ich wusste nicht was mit mir los war. Ich dachte, dass all diese Symptome mit meiner Schwangerschaft zusammen hingen und dass ich nach der Geburt wieder gesund werden würde.
Mein Mann starb etwas weniger als vier Monate nach der Geburt unseres Babys. Ende 2001 verschlimmerte sich mein Gesundheitszustand. Wegen der Krankheit war ich oft müde und schwach. Ich verlor sogar Gewicht. Trotzdem musste ich mein Bestes geben, um zu verhindern, dass die Kinder auf der Strasse landeten. Um für unsere täglichen Mahlzeiten zu sorgen, begleitete ich meinen Nachbarn aufs Feld, um ein bisschen Gemüse zu besorgen, das ich dann zerdrückte und mit Wasser und Salz kochte. Diese Mahlzeiten enthielten weder Kalorien noch Vitaminen - wir aßen einfach um unseren Hunger zu stillen. Die Kinder mussten eines nach dem anderen von der Schule abgehen, weil wir kein Geld hatten.
2003 hörte ich dann von SOS-Kinderdorf. Ich suchte um die Aufnahme meiner Kinder im Kinderdorf an, aber mein Antrag wurde abgelehnt. Ich wusste nur sehr ungenau über die Organisation Bescheid. Ich wusste, dass sie sich um Betreuung für Waisen und verlassene Kinder kümmert, aber ich hatte noch nie von den Familienstärkungsprogrammen gehört. Ich wusste nicht, dass die Organisation auch Menschen, die außerhalb der Kinderdörfer wohnen, hilft. Ich wurde dann in das Familienstärkungsprogramm aufgenommen. Als der Programmverantwortliche mich sah, bat er mich, einen HIV-Test zu machen und ich stimmte zu, ohne zu wissen, dass schon vermutet wurde was mit mir los war. Die Ergebnisse zeigten, dass ich HIV-positiv war. Ich wurde zu einem Arzt gebracht, der noch weitere Untersuchungen machen wollte, um herauszufinden, wie weit die Krankheit fortgeschritten war und welche Form von Behandlung notwendig war".
"Ein Lichtblick in meinem Leben"
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| Die Medikamente helfen |
"Dank SOS-Kinderdorf erhielt ich meine ersten Medikamente. Bevor ich mit der Behandlung begann, forderte mich der Arzt auf, gut auf mich zu achten, da mein Zustand von einem gesundheitsfördernden Leben abhängt. Alle sechs Monate wird im Krankenhaus ein Therapiebefund (einschließlich Bluttests) erstellt, um zu sehen, wie mein Körper auf den Virus reagiert und wie auftretende Komplikationen/Nebenwirkungen behandelt werden können. Außer mir profitieren auch meine Kinder von der medizinischen Unterstützung durch das Familienstärkungsprogramm, denn sie bekommen kostenlose Betreuung und Medikamente. Alle meine Kinder können wieder zur Schule gehen, da ihre Schulgebühren und Unterrichtsmittel bezahlt werden.
Was das Essen betrifft, so erhalte ich zweimal pro Monat eine Ration Soja, Öl, Salz, Bohnen, Maismehl, Zucker, Milch, Sardinen und Reis. Das Essen, das ich bekomme, ist für die ganze Familie sehr wichtig. Es ermöglicht meinen Kindern eine ausgewogene Ernährung und ist auch sehr wichtig für meine tägliche antiretrovirale Therapie. Medizin kann nicht auf nüchternen Magen eingenommen werden, also muss ich zuerst essen und dann die Medikamente einnehmen. Das Essen, das mir über das Familienstärkungsprogramm zur Verfügung gestellt wird, trägt nicht nur zur maximalen Wirkung der Medikamente bei sondern stärkt auch mein Immunsystem. Mein Zustand verbessert sich Schritt für Schritt. Ich kann sogar einige Aufgaben übernehmen, die mich vor ein paar Jahren überfordert hätten, wie zum Beispiel am Brunnen oder Fluss Wasser holen, unser Zuhause sauber halten, Geschirr waschen, Holz hacken oder auf dem Feld arbeiten.
Das Familienstärkungsprogramm hat mir ein kleines Startbudget für eine einkommensgenerierende Aktivität versprochen, damit ich finanziell unabhängig sein kann. Ich würde gerne einige unserer am meisten konsumierten Produkte, Erdnüsse und Maniok, verkaufen".
Geheimhaltung
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| Schulausbildung in Bangui |
"Ich habe meine Situation letztendlich akzeptiert und habe begonnen, auch mit der Krankheit ein normales Leben zu führen. Jedoch habe ich entschieden, niemandem davon zu erzählen. In unserer Gesellschaft wird man schnell stigmatisiert. Es ist sehr schwierig, den anderen zu sagen, dass man mit HIV/Aids infiziert ist. Im Moment habe ich sehr gute Beziehungen zu meiner Nachbarschaft. Wenn jemand ein Problem hat, kommt er/sie zu mir, um sich mir anzuvertrauen und um Rat zu bitten. Würden meine Nachbarn herausfinden, dass ich mit HIV/Aids infiziert bin, wäre das das Ende unserer Freundschaft unseres Vertrauensverhältnisses. Nur mein ältester Sohn weiß Bescheid. Ich habe ihm alle Dokumente gezeigt, auch meine Krankenakte und meine Medikamente. Ich habe ihm versichert, dass ich in guten Händen bin, habe ihm aber auch gesagt, dass jederzeit alles Denkbare passieren kann - man weiß ja nie".
Momentan unterstützt das Familienstärkungsprogramm in Bangui über 2.000 Menschen, darunter 1.635 Kinder. Die gebotene Hilfe ist vielfältig: Schulgebühren werden bezahlt, es gibt Alphabetisierungsprogramme, Berufsausbildungen und Unterstützung zur Verbesserung der gesundheitlichen und sanitären Situation, indem Latrinen gebaut und Häuser renoviert werden. Außerdem werden die Menschen über medizinische und juristische Themen informiert und unterrichtet. Man versucht auch, Geburtsurkunden für Kinder zu bekommen und über die Rechte von Kindern zu informieren. Ein weiterer Teil des Programms besteht in der Durchführung von HIV/Aids-Tests und der Verteilung von Medikamenten. Zusätzlich werden einkommensgenerierende Projekte wie kleine Geschäfte, Viehzucht, Anbau von Nahrungsmittelpflanzen und Gartenbau ins Leben gerufen. Alle Aktivitäten werden in enger Zusammenarbeit mit der örtlichen Gemeinde durchgeführt, um mehr Menschen wie Sylvie auf ihrem Weg Richtung wieder gewonnener Selbständigkeit zu unterstützen.