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| Landkarte von Ghana |
In Ghana lebt beinahe ein Drittel der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, was sich extrem auf das Wohlbefinden der Kinder auswirkt. Viele Familien haben nicht die nötigen Mittel, um ihre Kinder zur Schule zu schicken und sehr oft müssen die Kinder arbeiten oder zu Hause mithelfen, damit die Familie überleben kann. SOS-Kinderdorf hilft diesen Familien über Nahrungsmittel, gesundheitliche Unterstützung, Beratungsdienste, Bildungsunterstützung und Mikrokredite, damit jede Familie selbständig für ihre Kinder sorgen und ihnen die notwendige Fürsorge bieten kann.
Momentan werden über das Programm 1.210 Waisen und gefährdete Kinder sowie 434 Eltern und andere Erziehungsberechtigte in verschiedenen Gemeinden in Ostghana, Groß-Accra und Zentralghana unterstützt. 20 Familien sind bereits als wieder selbständig aus dem Programm ausgetreten. Bis Ende des Jahres sollten in etwa 100 Familien als wieder selbständig aus dem Programm austreten während gleichzeitig andere Familien aufgenommen werden.
Der Erfolg der Familienstärkungsprogramme in Ghana beruht sehr stark auf der Unterstützung seitens der Gemeinden. SOS-Kinderdorf hat erkannt, dass es unbedingt notwendig ist die breitere Gemeinde in seine Arbeit einzubinden, die Gemeinden auf ihre eigenen Ressourcen aufmerksam zu machen, diese auszubauen und das Selbstvertrauen zu stärken. Als Endziel sollte jede Familie auf eigenen Füßen stehen und unabhängig für ihre Kinder sorgen können. Sie brauchen vor allem Training und Ermutigung.
Aus diesem Grund werden, bevor ein Familienstärkungsprogramm ins Leben gerufen wird, die Gemeindevorsteher kontaktiert, um deren Unterstützung für das Projekt zu sichern. Gleichzeitig werden sie gebeten anerkannte Gemeindemitglieder als freiwillige Programmmitarbeiter zu ernennen. Diese Menschen helfen SOS-Kinderdorf festzustellen welche Familien gefährdet sind und diesen laufend psychosoziale Betreuung zu bieten.
Auch andere Akteure sind an der Umsetzung der Programme beteiligt. Hierzu zählen NGOs und Gemeindeorganisationen wie Frauengruppen, Kirchen und andere lokale Einrichtungen.
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| Anthony Owusu-Gyamfi |
Anthony Owusu Gyamfy ist der Koordinator der Familienstärkungsprogramme in Ghana. Dank seiner beruflichen Erfahrung und Kreativität haben die Programme einen ganz neuen Anstoß erhalten. In einem Interview mit Catherine Ngo Biyack spricht er über seine Arbeit und die Programme:
Hr. Owusu: SOS-Kinderdorf leitet im Moment Familienstärkungsprogramme in zwölf Gemeinden in drei der zehn Regionen Ghanas. An erster Stelle bieten wir Dienste zur Grundversorgung der Kinder. Sie erhalten von uns Nahrung, wenn die Eltern zu arm sind, um sie zu versorgen, wir stellen sicher dass ihre Wohnsituation angemessen und hygienisch ist und verschaffen ihnen Zugang zu einer angemessenen Schulausbildung. Außerdem betreiben wir auch Programme um den Eltern der Kinder oder anderen Menschen, die sich um sie kümmern, zu helfen und ihr Einkommen zu steigern. Wir unterstützen auch die Gemeinden darin, ihre Kapazitäten zur Unterstützung der Familienstärkungsprogramme auszubauen. Wir gehen Partnerschaften mit wichtigen Akteuren ein, um gemeinsam genügend Kinder in den jeweiligen Gemeinden unterstützen zu können.
Catherine Ngo Biyack: Und was genau ist Ihre Aufgabe als Koordinator?
Hr. Owusu: Ich koordiniere das Programm in Ghana indem ich die Projektverantwortlichen unterstütze und ihnen die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stelle. Ausserdem beaufsichtige und evaluiere ich das Programm. Und ich bilde Gemeindeverantwortliche, Freiwillige und andere Mitarbeiter aus.
Catherine Ngo Biyack: Wie gehen Sie in der Auswahl der Kinder und Familien die unterstützt werden vor? Oder, um es anders zu formulieren, gibt es irgendwelche bestimmten Auswahlkriterien, die berücksichtigt werden?
Hr. Owusu: In den letzten drei oder vier Jahren haben wir vor allem das Risiko eines Kindes von seiner Familie verlassen zu werden als Kriterium verwendet. Das Risiko kann darin bestehen, dass die Familie sehr arm ist, dass ein oder beide Elternteile verstorben sind oder dass ein Elternteil unheilbar krank ist. Wir arbeiten auf Basis dieser Kriterien mit der Gemeinde zusammen und stellen Leute zur Verfügung, die herausfinden, welche Gemeindemitglieder hilfsbedürftig sind.
Catherine Ngo Biyack: Haben Sie je Feedback von Programmteilnehmern bekommen, das Ihnen bestätigt, dass was Sie tun an der Basis geschätzt wird?
Hr. Owusu: Ja, wir bekommen laufend positives Feedback von unseren Teilnehmern. Von den Kindern, den Frauen, ja sogar von den Gemeindemitgliedern die nicht teilnehmen, weil sich das Leben der meisten verändert hat. Wir haben sicher gestellt, dass alle Kinder zur Schule gehen und das Einkommensniveau der Eltern oder anderer Erziehungsberechtigter hat sich verbessert. Wir haben ein Mikrokredit-System eingeführt das sich über lange Zeit aufrecht erhalten kann und wir sind der Meinung, dass es uns gelungen ist auch außerhalb von SOS-Kinderdorf Ressourcen zu mobilisieren.
Catherine Ngo Biyack: Sie haben hier in Ghana ein sehr großes Team, das nicht nur SOS-Kinderdorf-Mitarbeiter sondern auch Gemeindemitglieder und Freiwillige umfasst. Was genau macht die Familienstärkungsprogramme hier so beliebt?
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| Ein Freiwilliger mit Teilnehmern eines Familienstärkungsprogramms |
Hr. Owusu: Ich glaube die Programme sind in Ghana deshalb so beliebt, weil wir die Gemeinde in die Planung und die Durchführung unserer Projekte einbinden. Dadurch haben die Gemeindemitglieder das Gefühl, dass die Familienstärkungsprogramme in Ghana ihr eigenes Projekt sind.
Catherine Ngo Biyack: Sie haben in Asiakwas, das ungefähr 200 km nordöstlich von Ghanas Hauptstadt Accra liegt, ein neues Projekt gestartet, das sogenannte Farming and Livelihood Improvemente Programme (FLIP), ein Programm zur Förderung der Landwirtschaft und Verbesserung der Lebensumstände.
Hr. Owusu: Ja, das ist in Ghana etwas ganz Neues und es geht darum, junge Menschen in der Landwirtschaft zu unterstützen und ihre Lebensplanung zu verbessern. Wir versuchen so gemeinsam eine Vielzahl von Problemen, unter anderem auch die hohe Arbeitslosigkeit in einigen Gemeinden, zu lösen.
Catherine Ngo Biyack: Als Sie mit Ihrer Arbeit mit den Familienstärkungsprogrammen begannen, bestand eines Ihrer Ziele darin, die Gemeinde auf ihre eigenen Ressourcen aufmerksam zu machen, diese zu stärken und das Selbstvertrauen der Gemeindemitglieder zu festigen, damit sie selbst für ihre Kinder sorgen können. Wie nahe sind Sie diesem Ziel inzwischen gekommen?
Hr. Owusu: Ich glaube, dass wir hier schon viel erreicht haben. Inzwischen haben die meisten Gemeinden selbst Ressourcen mobilisiert um Themen wie Kinderrechte oder HIV/Aids in die Programme mit einzubeziehen. Die Gemeindemitglieder erhalten aber durch unsere Arbeit in den Gemeinden weiterhin jede Unterstützung, die sie benötigen. Es ist uns gelungen ihr Vertrauen in sich selbst zu stärken und sie glauben jetzt daran, dass sie selbst sich um alle verwaisten oder gefährdeten Kinder in ihrem Kreis kümmern können.
Catherine Ngo Biyack: Vielen Dank Herr Owusu.
Mr Owusu: Ich danke Ihnen für die Gelegenheit über unsere Arbeit zu sprechen.
Sie können das Interview auch selbst auf Englisch anhören.