Grünes Licht für ein Familienstärkungsprogramm in Kenia 

2009 erfolgte der Start zu einem neuen SOS-Familienstärkungsprogramm in Eldoret in Kenia.
Ein Teilnehmer am SOS-Familienstärkungsprogramm - Foto: SOS-Archiv
Ein Teilnehmer am SOS-Familienstärkungsprogramm

Im SOS-Kinderdorf Eldoret gibt es seit Neuestem ein SOS-Familienstärkungsprogramm. Zwar gab es weder ein Feuerwerk noch Luftballons, um den Start des Programms offiziell zu zelebrieren, eines steht jedoch fest: die erste Phase kann schon einmal als gelungen bezeichnet werden. Informationsveranstaltungen für die Gemeindevertreter dienten dazu, diese in den Prozess mit einzubinden, ihnen die Probleme, mit denen die Familien in Eldoret tagtäglich konfrontiert sind, darzulegen, und sie so zu einem Teil des Programms werden zu lassen. Dank der großartigen Unterstützung durch die Gemeindeverantwortlichen konnte das Programm rasch Fuß fassen und wird von der lokalen Bevölkerung immer besser angenommen. Frau Lilly Wangui, die Programmkoordinatorin, erklärt, dass die intensive Zusammenarbeit mit externen Partnern dazu dienen soll, die angebotenen Dienstleistungen noch weiter auszubauen.

Der Vorsorgeaspekt

Die Koordinatorin erklärt auch, dass das Hauptaugenmerk auf der Unterstützung von Waisen und gefährdeten Kindern liegt, die in den umliegenden Gemeinden in extremer Armut leben. Das Projekt bemüht sich, so Lilly weiter, insbesondere Haushalte zu erreichen, die von todkranken Menschen, Geschwistergruppen oder Großeltern geführt werden. "Es handelt sich um ein gemeindebasiertes Unterstützungsprojekt, dessen Erfolg  auf der Zusammenarbeit mit den Gemeinden zum Schutz und zur Unterstützung gefährdeter Kinder beruht", sagt sie. Neben dem Schutz gefährdeter Kinder hat das Programm auch einen starken Vorsorgecharakter, einerseits durch die Information der Gemeinden über die unterschiedlichsten sozialen Probleme, andererseits durch die Betreuung und Beratung gefährdeter Familien. Lilly freut sich besonders über die Unterstützung seitens der wichtigsten Gemeindevertreter, die dazu beigetragen habe, die Zielgruppe zu definieren und die entsprechenden Personen auszuwählen. "Die aktive Teilnahme der örtlichen Führungsriege stellt sicher, dass alles reibungslos abläuft", erklärt sie.

Die Bohnen werden händisch gereinigt - Foto: H. Atkins
Die Bohnen werden händisch gereinigt

Derzeit betreut das Programm 222 Menschen (185 Kinder und 37 Bezugspersonen). Das Familienstärkungsprogramm bietet pädagogische Unterstützung, stellt die Versorgung mit Nahrungsmitteln und medizinischen Leistungen sicher, und hilft den Familien dabei, ihre Kinder selbst zu schützen und sie zu versorgen. Die betreuten Personen erhalten Grundnahrungsmittel für sechs Monate. Neben der medizinischen Versorgung und der Versorgung mit Nahrungsmitteln werden auch soziale und psychologische Hilfeleistungen angeboten. Capacity-Building-Workshops sind ebenfalls Teil des Projekts und sollen Familien all jene Kenntnisse vermitteln, die sie benötigen, um selbst ein Einkommen zu erwirtschaften. Die Kinder werden im Umfeld ihrer Herkunftsfamilien betreut.

Zahlreiche Herausforderungen

Das hieße aber nicht, so die Koordinatorin, dass keine großen Herausforderungen zu bewältigen waren. Eine Studie habe gezeigt, dass die grundlegende Infrastruktur mangelhaft war und nur wenige soziale Dienstleistungen zur Verfügung standen. Die Entwässerung war unzureichend, die Unterkünfte desolat und arme Familien konnten sich keine Grundschulausbildung für ihre Kinder leisten. Neun Gegenden wurden unter die Lupe genommen und die Ergebnisse zeigten, dass eine große Anzahl an armen Familien dringend Hilfe benötigte. Es gab Fälle von verlassenen Kindern, alleinerziehenden Eltern und von Kindern, die nicht in den Kindergarten gehen konnten, weil sie nicht in der Lage waren, ihre Schulgebühren zu zahlen. Außerdem herrschte eine hohe Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die häufig mit Alkoholmissbrauch einherging.

Dies, so Lilly, stellte eine große Herausforderung dar und es war notwendig, das Programm zu überarbeiten und es auf die unterschiedlichen Bedürfnisse, wie den Bedarf an Nahrungsmitteln, Kleidung und sozialer Unterstützung, abzustimmen. Programme zur Ausrottung des Sandflohs wurden bereits gestartet (ein Sandfloh ist ein kleines Insekt das seine Eier unter der Haut von Menschen und Tieren ablegt), Lilly weist aber ausdrücklich darauf hin, dass es der Unterstützung des Gesundheitsministeriums bedarf, um das Programm langfristig zu einem Erfolg zu machen.  

Erste Erfolge

Foto: S. Rønning
Gefragt nach den größten Erfolgen seit Beginn des Programms, erinnert sich Lilly an die Geschichte eines neunjährigen Jungen, der eine Wunde am Fuß hatte. "Mit unserer Unterstützung konnten der Junge ins Krankenhaus gebracht und dort operiert werden", erzählt sie. Seine Großmutter hatte sich offenbar geweigert, ihn ins Krankenhaus bringen zu lassen, da sie Angst hatte, man könnte ihm dort den Fuß amputieren. Die Folge war, dass sich die Verletzung bis zum Knie des Jungen ausgeweitet hatte und er schreckliche Schmerzen litt. "Wir sind froh, dass er noch am Leben ist und sind stolz auf dieses Ergebnis", sagt sie. 

Ein anderes Erfolgserlebnis war der Vorschulunterricht für 100 Kinder. Lilly erklärt, dass die meisten Kinder die Schulausbildung abgebrochen hatten, weshalb es notwendig war, sie auf den Wiedereinstieg vorzubereiten.

Ziel für das erste Jahr ist es, noch weitere Zielpersonen ausfindig zu machen und das Programm vollständig umzusetzen.