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| Ahmed Ibrahim mit Fatuma Suudi Hassan, dem Minister für Familien und soziale Entwicklung während ihres gemeinsamen Besuches in Hargeisa im Oktober des vergangenen Jahres. |
Unbeeindruckt von der unbarmherzigen Mittagshitze in Hargeisa sowie dem hügeligen und rauen Gelände machte sich das FSP-Team auf den Weg in Richtung Lixle, einer Siedlung für Vertriebene in der Nähe des SOS-Kinderdorfs Hargeisa. Die meisten Einwohner des Dorfes sind Opfer des somalischen Bürgerkriegs in den späten 80er Jahren. Das Dorf, in dem mehrere betreute Familien leben, wurde im Zuge der Projektformulierung als Zielgebiet für die Durchführung des Familienstärkungsprogramms ausgewählt.
Im Rahmen des Familienstärkungsprogramms finden wöchentlich Besuche statt. Auf diese Weise soll überprüft werden, inwieweit sich das Selbstvertrauen der Familien entsprechend der Familienentwicklungspläne verbessert hat. Unser heutiger Besuch ist allerdings etwas besonderes, denn Ahmed Ibrahim, nationaler Direktor von SOS-Kinderdorf Somalia und Somaliland, begleitet uns. Es war ihm ein Anliegen, den Familien zu versichern, dass sie Teil der großen SOS-Kinderdorf-Familie sind. "Sie haben emotionale Unterstützung verdient" erklärt er, "es ist an der Zeit, dass ich ihnen einen Besuch abstatte".
Die SOS-Kinderdorf Mitarbeiter/innen sind sehr beliebt
Während unserer unruhigen Fahrt auf der staubigen und holprigen Straße sehen wir viele Erwachsene und Kinder, die uns freundlich zuwinkten. "Offenbar seid ihr sehr beliebt hier" meint Ahmed lachend. "Klar", antwortete ich. "Man kennt uns hier sehr gut, weil wir viele Familien aus dem Dorf unterstützen."
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| Ein Haus nach ortsüblichem Muster, erbaut aus Abfallprodukten |
Als wir uns dem Dorf näherten, fallen uns zwei Dinge auf: die Straße wird zunehmend schmäler und die von hohen Mauern umgebenen Ziegelhäuser werden von kleinen, einfachen Hütten aus Plastiktüten, Kartons, alten Teppichen, Eisen und Blechdosen abgelöst. "Das ist Lixle" erklärt meine Kollegin Fatma dem nationalen Direktor, als der Wagen langsamer wird und der Fahrer am Straßenrand hält.
Fatuma über die Zeit vor und mit dem Familienstärkungsprogramm
Wir steigen aus und gehen auf eine Hütte zu, in der es nur einen Raum gibt und die aus rostigen Eisenblechen errichtet ist. Dort treffen wir auf Fatuma, die im Rahmen des Familienstärkungsprogramms betreut wird. Sie ist dabei Kanister auszuwaschen, in denen sie auf einem nahe gelegenen Markt Milch verkauft. Vor fünf Jahren verlor Fatuma ihren Mann und sorgt trotz Krankheit für ihre sechs Kinder (fünf Jungs und ein Mädchen). Im Rahmen des Familienstärkungsprogramms präsentierte sie ihre Pläne für ein kleines Unternehmen und erhielt dafür ein nicht erstattungsfähiges Darlehen.
Nachdem der Begrüßung und dem gegenseitigen Kennenlernen bietet uns Fatuma drei alte Kanister als Sitzgelegenheit an. Ihr warmherziger Empfang und ihre Großzügigkeit beeindrucken. Die Kanister sind die einzigen "Möbelstücke" in ihrem Besitz. Wir erzählen Ahmed von Fatumas Familie und von ihrer Geschäftsidee und dieser möchte wissen, wie es ihr vor und seit der Unterstützung durch das Familienstärkungsprogramm so ergangen ist.
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| Ahmed Ibrahim mit Teilnehmern des Familienstärkungsprogramms in der Nähe des SOS-Kinderdorfs Hargeisa |
Fatuma erzählt: "Ich war sehr oft krank und mein Gesundheitszustand verschlechterte sich rasch. Meine Kinder gingen häufig aus dem Haus, ohne etwas gegessen zu haben und versprachen mir, bei den Nachbarn um etwas Nahrung zu bitten. Keines meiner Kinder ging zur Schule. Nach der Aufnahme in das Familienstärkungsprogramm erhielt ich kostenlos Behandlung im SOS-medizinischen Zentrum und vor kurzem auch Unterstützung beim Aufbau meines kleinen Unternehmens. Heute gehen meine Kinder zur Schule und ich muss mir keine Gedanken mehr darüber machen, woher ich die nächste Mahlzeit für sie bekomme. Jedes Mal wenn ich koche bete ich unbewusst für SOS. Erst seit kurzem ist mir klar, dass es der Hunger und der Stress waren, die mich krank gemacht haben".
Aufmerksam verfolgt Ahmed Fatums Geschichte. Er dankt ihr für das offene Gespräch und ermutigt sie, sich noch mehr für ihr Unternehmen ins zeug zu legen, ohne dabei das Wohl der Kinder aus den Augen zu verlieren.
Der Besuch gibt den Familien Hoffnung
Wir spazieren durch das ganze Dorf und besuchen vier weitere Familien. Jedes Mal fragt Ahmed nach der Anzahl der Kinder, die in der Familie leben, nach den Hilfsleistungen und nach der Familiensituation vor und seit der Betreuung im Rahmen des Familienstärkungsprogramms. Er fordert die Familien auf, sämtliche Möglichkeiten des Familienstärkungsprogramms in Anspruch zu nehmen, um ihr Leben und das ihrer Kinder zu verbessern. Kinder, so meint er, sind die Hauptzielgruppe der Programme und sie gelte es daher zu beschützen und zu betreuen.
Die Familien sind sichtlich aufgewühlt und der Besuch gibt ihnen neuen Mut. Die Eltern versprechen Ahmed, sich nach Kräften zu bemühen, um das Leben ihrer Kinder positiver zu gestalten.
Der Besuch führt dem nationalen Direktor die grausame Realität der langfristigen Begleiterscheinungen des Bürgerkriegs vor Augen und lässt ihn gleichzeitig den positiven Beitrag des Familienstärkungsprogramms von SOS-Kinderdorf erkennen. Dazu gehören medizinische Grundversorgung, Bildung, psychosoziale Beratung, Beratung zum Thema Kinderrechte, die Vermittlung von Kenntnissen in Sachen Kinderbetreuung und die Förderung von Erwerbstätigkeit.
Die Tatsache, dass sich der nationale Direktor die Zeit nimmt, Familien die im Rahmen der Familienstärkungsprogramme betreut werden zu besuchen, zeigt deutlich, wie wichtig es ihm ist, die SOS-Kinderdorf-Werte Mut, Verantwortung, Vertrauen und Verlässlichkeit zu leben. Denn diese Werte sind es, die das Fundament bilden, auf dem SOS-Kinderdorf vor 60 Jahren erbaut wurde.
* Name von der Redaktion geändert