Der grüne Gedanken im SOS-Kinderdorf Nairobi 

Das SOS-Kinderdorf Nairobi wurde vor 35 Jahren auf einem von der kenianischen Regierung zur Verfügung gestellten Buschgrundstück errichtet. Seitdem hat sich rundum das Dorf eine richtige Siedlung entwickelt, der leider auch der Großteil der Naherholungsgebiete zum Opfer gefallen ist. Das Kinderdorf pflegt auf dem dorfeigenen Gelände nun seine eigenen Grünflächen.
Landschaftspflege in der Grünanlage des SOS-Kinderdorfes Nairobi - Foto: SOS Archiv
Landschaftspflege in der Grünanlage des SOS-Kinderdorfes Nairobi

Im SOS-Kinderdorf Nairobi rinnt das Abwasser nicht einfach in den Abfluss. Stattdessen wird es in einer Kläranlage wieder aufbereitet und anschließend für die Bewässerung der Gemüsebeete und der Grünflächen im Dorf verwendet. Auf diese Weise bleibt die Anlage grün, insbesondere während der Trockenzeit wenn es kaum regnet. Dieses Konzept hat dem Dorf auch schon Geld eingebracht, da die saftig grünen Gärten manchmal als Kulisse für Hochzeitsfotos benutzt werden. Grünflächen sind in Buru Buru, wo sich das Kinderdorf befindet, rar und nach der offiziellen Trauung kommen die Frischvermählten in die Dorfgärten, um dort Fotos zu machen, an denen sich auch die nächsten Generationen noch erfreuen können.

Einundzwanzig Stufen der Wiederaufbereitung

Der Wiederaufbereitungsprozess an sich ist schon sehr interessant. Zunächst kommt das Wasser in einen Klärbehälter, in dem es alle sechs Monate zur Abtötung von Bakterien mit Desinfektionsmitteln verdünnt wird. Nach Entsorgung der Abfälle durch die städtische Müllabfuhr beginnt der 21-stufige Klärprozess in den 21 weiteren Behältern der Anlage.

Das erste Stadium der Wasserwiederaufbereitung - Foto: SOS Archiv
Das erste Stadium der Wasserwiederaufbereitung

Interessant ist, dass während des gesamten Aufbereitungsprozesses dem Wasser keine Desinfektionsmittel zugesetzt werden. Stattdessen übernimmt eine Pflanze an der Wasseroberfläche, der sogenannte Wassersalat, zwei wichtige Aufgaben: sie säubert das Wasser und wehrt zugleich Mücken ab.

In den letzten beiden Stadien ist das Wasser bereits sehr sauber und es wimmelt nur so vor Fröschen und anderen Wassertieren. 1998 wurden in diesen Behältern Fische ausgesetzt, die sich eine Zeit lang auch vermehrt haben, bald aber von den in dieser Region heimischen Eisvögeln gefressen wurden - ein eindeutiger Beweis dafür, dass es in der Kläranlage Leben geben kann. Dies wurde auch von einer Gruppe Nairobischer Studenten bestätigt, die 1999 vier Monate lang Untersuchungen anstellten, um sicherzustellen, dass das wiederaufbereitete Wasser den Pflanzen und Menschen nicht schaden würde.

Sauberes Wasser für den Gemüseanbau

Der Spinat gedeiht prächtig - Foto: SOS Archiv
Der Spinat gedeiht prächtig

SOS-Kinderdorf Nairobi hat schon immer in einer kleinen Ecke eigenes Gemüse angebaut. Im März 2007, als das Ministerium für Landwirtschaft und Viehzucht im Dorf einen Tag der offenen Tür veranstaltete, erlebte das Projekt aber einen neuen Aufschwung. Den ganzen Tag lang hatten verschiedene Organisationen die Möglichkeit, ihre Produkte zur Schau zu stellen und am Ende spendete eine Saatgutfirma dem Dorf verschiedene Samen. Auf diese Weise lernten die Jugendlichen im Dorf alles über die verschiedenen Samen, über die Bodenbeschaffenheit und die geeignete Saat und trugen somit erheblich zur Verbesserung des Ertrags bei. Da das Projekt auch ein wenig Geld einbringen soll, werden die Produkte an SOS-Familien und andere Mitarbeiter verkauft.

Vom Gemüse zum Schwein

Ein SOS-Jugendlicher kümmert sich um die Kaninchen - Foto: SOS Archiv
Ein SOS-Jugendlicher kümmert sich um die Kaninchen

Aus den Einkünften des Gemüseanbaus konnte das Dorf ein Schwein kaufen, das auf den Namen Korogocho Queen getauft wurde, und ein netter Bauer aus dem knapp außerhalb Nairobis gelegenen Ruai spendete ein weiteres Schwein, die Ruai Queen. Das Schweineprojekt war ein voller Erfolg und mittlerweile gibt es im Dorf fünf ausgewachsene Schweine und 26 Ferkel. Wenn ein Schwein geschlachtet wird, wird das Fleisch im gesamten Dorf verteilt. Bleibt etwas übrig, wird es zunächst an die Mitarbeiter und dann an die Familien der Nachbarschaft verkauft.

Neben dem Schweineprojekt gibt es noch zwei weitere erfolgreiche Zuchtprojekte: Hühner und Kaninchen, die auch ihres Fleisches wegen gezüchtet werden. Während das Geflügelprojekt mit 300 Hühnern begann, gab es anfangs nur zwei gespendete Kaninchen, die ihrem Ruf aber gerecht wurden und sich rasch vermehrten. Die von Patrick Mungai betreuten Kaninchen, Hühner und Schweine sind nicht nur Fleisch- und Einkommensquellen, sondern auch Lernobjekte für die Kinder und Jugendlichen im Dorf, die sich für Landwirtschaft interessieren. 

Aufforstung und Wassergewinnung

Saftig grüne Gärten im SOS-Kinderdorf Nairobi - Foto: B. Neeleman
Saftig grüne Gärten im SOS-Kinderdorf Nairobi
In diesem Land, dessen Wälder mit besorgniserregender Geschwindigkeit gerodet werden, ist SOS-Kinderdorf Nairobi eine Partnerschaft mit dem Kenya Forest Service eingegangen und hat auf den Grünflächen des Dorfes in der Nähe des Fußballplatzes und neben dem angrenzenden Nairobi-Fluss 700 Setzlinge gepflanzt. Von den 5 angepflanzten Arten sind drei heimisch. Die beiden anderen, Zypressen und Eukalyptusbäume, werden wenn sie ausgewachsen sind gefällt und als Bauholz und Heizmaterial verwendet. An ihrer Stelle werden dann wieder neue Bäumchen gepflanzt. Die heimischen Bäume werden nicht gefällt und sollen sich durch Samenverteilung vermehren. Auf diese Weise entsteht ein Wassergewinnungsgebiet, das die Erosion und Schlickbildung im Nairobi-Fluss verhindern soll. In der Zwischenzeit genießen die Kinder den Schatten, den die Bäume spenden, insbesondere wenn sie ein Picknick machen.

In einer Welt, in der Klimawandel, Urbanisierung und explosionsartiges Bevölkerungswachstum verheerende Auswirkungen haben, trägt SOS-Kinderdorf Nairobi sein Steinchen dazu bei, dieser Entwicklung entgegenzutreten. Vom Ökosystem, das mit den Abwässern des Dorfes die Gemüsebeete bewässert, Tiere ernährt, Teiche entstehen lässt und das Dorf grün hält, profitieren auch die Kinder, Mütter und andere Mitarbeiter sowie die umliegende Gemeinde, ermöglicht es ihnen doch, in einer von Überbevölkerung geprägten Umwelt eine bessere Lebensqualität zu erreichen.

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