Der Not einen Riegel vorschieben 

SOS-Kinderdorf stärkt von HIV/AIDS betroffene Familien 

Über das SOS-Familienstärkungsprogramm erreicht SOS-Kinderdorf die vielen tausend Kinder, die verwaist oder in Not geraten sind, aber weiterhin in ihren Gemeinden leben sollen. In Sekhukhune, Südafrika, profitieren über 177 Familien von diesem Programm, das für viele elternlose Familien, wie jene von Tombi, lebensrettend ist.

Foto: SOS-Archiv

Der kalte Wind heulte wie ein hungriger Wolf und blies durch die kaputte Tür und das beschädigte Dach des Hauses. Vor Kälte und Angst zitternd betete Tombi, ihr einjähriges Baby im Arm: "Nkosi (Gott), bitte hilf uns. Mein Bruder und ich werden bald vor Hunger sterben. Meine Milch wird demnächst versiegen und dann muss auch mein Baby Hunger leiden. Bitte, hilf uns."

Tombi ist das Familienoberhaupt in diesem kleinen Haushalt. Sie musste die Schule verlassen und ihre schwerkranke Mutter pflegen. Doch bald darauf starb diese und ließ ihre junge Tochter und ihren jungen Sohn alleine zurück. Auf der Suche nach einem Vaterersatz schloss sich Tombi einem scheinbar netten Mann aus ihrer Gemeinde an. Doch der nützte nur ihr Bedürfnis nach Zuwendung und Liebe für seine Zwecke aus, schwängerte Tombi und ließ sie allein zurück.

Nun muss Tombi täglich dafür kämpfen, dass sie für ihr Baby, ihren kleinen Bruder und sich selbst sorgen kann. Die Vorratskammer ist leer, kein Wasserbehälter aus dem man das lebensnotwendige Nass schöpfen könnte und auch kein Geld, um Wasser zu kaufen. In dieser Lage befanden sie sich, als das SOS-Familienstärkungsprogramm Sekhukhune auf sie aufmerksam wurde.

Sekhukhune  liegt im Norden Südafrikas, in der nordwestlichen Region von Mpumalanga und dem südlichen Teil von Limpopo. Die Bevölkerung ist jung und besteht zur Hälfte aus Jugendlichen unter achtzehn. 95% der Leute leben in den 529 Landgemeinden. Die Anzahl der verwaisten und in Not geratenen Kinder erhöht sich täglich, da die Eltern an AIDS oder anderen Krankheiten sterben.

Südafrika hat die höchste Anzahl an Menschen, die mit HIV/AIDS leben, 5,5 Millionen sind bereits infiziert, und die Neuinfektionen sind häufiger als anderswo auf der Welt.  Einer von fünf Erwachsenen (im Alter von 15 - 49), einschließlich einer von drei schwangeren Frauen, lebt mit HIV/AIDS (UNAIDS/07 AIDS epidemic update). Daher muss sich das Land auf eine noch nie dagewesene Anzahl an Waisen gefasst machen. Man schätzt, dass 2010 mehr als 2,3 Millionen Kinder (unter 15) einen oder beide Elternteile verloren haben werden (UNAIDS/UNICEF/USAID "Children on the Brink", 2002). Das bedeutet nichts anderes, als dass eines von sechs südafrikanischen Kindern Waise sein wird.

Einige Familien in Sekhukhune leben unter entsetzlichen Umständen - Foto: SOS-Archiv
Einige Familien in Sekhukhune leben unter entsetzlichen Umständen
Das SOS-Sozialzentrum Sekhukhune begann seine Arbeit im Jänner 2006. Es unterstützt 177 Familien mit insgesamt 464 Kindern im Rahmen seines Familienstärkungsprogramms. Das Angebot umfasst  materielle und medizinische Unterstützung sowie Förderung schulischer und beruflicher Ausbildung und richtet sich vor allem an von HIV/AIDS betroffene Familien. Beratung und Unterstützung bei der Erlangung der Selbsterhaltungsfähigkeit sowie Campagnen zur AIDS-Prävention mittels Bewusstseinsbildung sind ebenfalls Teil des Programms. Haushalte, in denen ältere Geschwister - wie in Tombis Fall - in die Rolle der Erziehungsberechtigen schlüpfen müssen, erhalten Unterstützung in der Kinderbetreuung. Dem Programm ist der Rückhalt und die aktive Unterstützung der lokalen Gemeinde gewiss.

Das SOS-Familienförderungsprogramm versorgte Tombi und ihre Familie zuerst mit einem Lebensmittelpaket, Bettwäsche und Kleidung. Eine Tür wurde gekauft, um die beschädigte zu ersetzten, und man beauftragte jemanden mit der Reparatur des Daches. Der Programm-Koordinator leitete alles in die Wege, damit Tombi und ihr Bruder wieder zur Schule gehen können und kaufte für beide Schuluniformen und Schulbücher. Unter der Woche wird Tombis Baby in einer Kindertagesstätte betreut. Die Kosten von R100 (13 USD) pro Monat übernimmt ebenfalls das Familienförderungsprogramm.

Von der Selbsterhaltungsfähigkeit ist die Familie zwar noch meilenweit entfernt, aber wenn Tombi jetzt ein Gebet spricht, so lautet dieses so: "Danke, Nkosi, dass wir jetzt satt sind, wenn wir zur Schule gehen. Danke, dass du uns das SOS-Familienförderungsprogramm geschickt hast."

In Südafrika betreibt SOS-Kinderdorf derzeit acht SOS-Kinderdörfer, sechs SOS-Jugendeinrichtungen, sieben SOS-Kindergärten, eine SOS-Hermann-Gmeiner-Schule, ein Ausbildungszentrum für SOS-Kinderdorf-Mütter und MitarbeiterInnen und elf SOS-Sozialzentren.

Zum Schutz der Privatsphäre wurden die Namen der erwähnten Personen geändert.

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