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| Landkarte von Malawi |
Malawi, eines der ärmsten Länder der Welt, steht vor schweren sozioökonomischen Problemen wie Nahrungsknappheit, einem eingeschränkten Zugang zur Gesundheitsvorsorge, eines schlechten Hygienestandards sowie einer hohen HIV/Aids-Rate. Es gibt nur wenige soziale Auffangsysteme und die grundlegenden Sozialeinrichtungen die es gibt sind großteils unzureichend. SOS-Kinderdorf begann im Jahr 1992 mit seiner Arbeit in Malawi, als der Grundstein für das erste Dorf in der Landeshauptstadt Lilongwe gelegt wurde. Im Lauf der Jahre entstanden weitere SOS-Kinderdorf-Einrichtungen in Lilongwe: ein SOS-Kindergarten und eine SOS-Hermann-Gmeiner-Grundschule, ein SOS-medizinisches Zentrum, das bereits zweimal vergrößert wurde, eine Mittelschule, eine SOS-Jugendeinrichtung, ein SOS-Sozialzentrum, das Familienstärkungsprogramme koordiniert, und ein SOS-Berufsbildungszentrum.
Diese umfassende Infrastruktur ist bestens auf die Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen sowie der Familien aus der umliegenden Gemeinde abgestimmt.
Lernen wir doch mehr über einige unserer Einrichtungen, indem wir Annie, James, Isaac und Evans begleiten:
Was genau geschieht im SOS-Kindergarten?
Der Tag beginnt normalerweise damit, dass die Kinder von ihren Eltern in den Kindergarten gebracht werden. Sie kommen dort je nach Terminplan ihrer Eltern zu etwas unterschiedlichen Zeiten an. Die meisten Kinder gehen gern in den Kindergarten und drehen sich nicht einmal nach ihren Eltern um, wenn sie zu ihren Freunden auf den Spielplatz laufen.
Annie begibt sich in ihren Gruppenraum, wo ihr Erzieher schon eine Aktivität rund um die Bücherecke geplant hat. Hier können die Kinder Wissenswertes über Bücher und den richtigen Umgang mit ihnen lernen. Annies Freundin Chrissy macht im Nebenzimmer ein Puzzle. Da die Kinder noch klein sind, werden sie schnell unruhig und der Lärmpegel steigt! Sie müssen zwar lernen, sich zu konzentrieren, dürfen sich dabei aber nicht langweilen.
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| Kinder am Spielplatz |
Das ist der richtige Moment um das Tempo zu ändern und so treffen sich die Gruppen im Freien am Spielplatz. Eines der beliebtesten Geräte dort ist die Seilbrücke. Annie und Chrissy klettern auf den niedrigen Brückenturm und müssen dort warten, bis sie an der Reihe sind und sie sicher auf die andere Seite klettern können. Sie haben ganz offensichtlich Spaß daran, lernen aber gleichzeitig auch geduldig zu sein und Spielsachen mit anderen zu teilen.
Annie und Chrissie würden lieber noch draußen bleiben, aber es ist Zeit, in die Gruppenräume zurückzukehren. Jetzt ist die Kunst an der Reihe! Das ist Chrissies Lieblingsbeschäftigung, sie möchte nämlich einmal eine berühmte Malerin werden. Natürlich werden alle gemalten Bilder an den Wänden des Gruppenraums ausgestellt.
Schon ist Mittagszeit - Zeit um etwas zu essen und anschließend wieder auf den Geräten am Spielplatz zu turnen. Schon bald sind die Kinder vom Herumlaufen müde und sie treffen sich alle in einem der Zimmer, um auf Decken oder Matratzen ein Nickerchen zu machen. Endlich Ruhe - gerade genug, damit die Erzieher wieder zu Atem kommen!
Bevor der Kindergartentag zu Ende geht, kommen alle Kinder noch einmal in ihren Gruppenräumen zusammen. Manchmal liest ihnen ihr Erzieher eine Geschichte vor, oder sie erzählen sich gegenseitig, was sie mit ihren Freunden und Freundinnen erlebt haben.
Dann ist es Zeit abgeholt zu werden und nach Hause zu gehen. Annie und Chrissie verabschieden sich voneinander und freuen sich auf ein Wiedersehen am nächsten Tag. Und im Kindergarten wird es still.
Spezieller Laptop
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| Der stolzer Besitzer eines neuen Computers |
In der SOS-Hermann-Gmeiner-Grundschule ist James gerade beim Lernen. Als er ins SOS-Kinderdorf Lilongwe kam, schien er durch seinen geistigen und körperlichen Behinderungen überfordert. Dank der Liebe und Fürsorge seiner SOS-Kinderdorf-Mutter und der Beratung, Begleitung und Geduld seiner Lehrer und Sonderschullehrer, ist James aber richtiggehend aufgeblüht. Er hat sich zu einer in Schule und Dorf allseits bekannten "Persönlichkeit" entwickelt.
Auch schulisch hat James erstaunliche Fortschritte gemacht, was hauptsächlich daran liegt, dass er entschlossen ist, in allem was er tut Erfolg zu haben. Er kann inzwischen aussagekräftige Sätze bilden, logisch argumentieren und ganz allgemein verbal kommunizieren. James' größter Stolz ist jedoch sein Computer für Menschen mit speziellen Bedürfnissen. Er kann inzwischen seinen Namen schreiben, die eine oder andere mathematische Frage lösen und das ABC tippen. "Ich bin sehr glücklich, dass ich diesen Computer habe. Ich habe mich in der Schule verbessert. Nur deshalb habe ich meine Prüfungen im letzten Jahr bestanden. Ich bin jetzt in die 4. Schulstufe vorgerückt", erzählt er stolz.
"Sieh mal die drei Katzen!", ruft James. Auf dem Computer sind spezielle Lernprogramme installiert, bei denen zum Beispiel Symbole neben einer Zahl abgebildet sind, damit James weiß für wie viele Dinge die Zahl steht. Neben der Zahl drei sind drei Katzen abgebildet. Außerdem verfügt der Computer über ein Audio-Unterstützungssystem. Jeder Buchstabe und jede Zahl, die auf dem Computer erscheint, wird vom Computer gesprochen, damit James gleichzeitig sieht, wie die Zahlen geschrieben werden und hört, wie man sie spricht. James hat schon viel erreicht!
Ein Schritt Richtung Unabhängigkeit
Auch Evans, der in der SOS-Kinderdorf-Jugendeinrichtung in Lilongwe lebt, hat schon viel erreicht.
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| Evans zeigt stolz sein Abschlusszeugnis |
Wenn die Kinder, die in einer SOS-Familie aufwachsen, ins Teenager-Alter kommen, beobachten ihre SOS-Kinderdorf-Mütter sie besonders genau, um zu sehen wie sich bei ihnen Verantwortungsbewusstsein und Selbständigkeit entwickeln. Wenn eine Mutter überzeugt ist, dass ein Jugendlicher bereit ist, flügge zu werden, beginnt sie, zusammen mit den Jugendbetreuern seinen Umzug in ein eine SOS-Jugendeinrichtung vorzubereiten. Diese Einrichtungen sind eine Art Zwischenschritt vor der endgültigen Selbständigkeit.
Evans steht nun vor diesem Schritt und erzählt:
"Wenn Kinder heranwachsen, erwarten alle, dass sie irgendwann ihre Eltern verlassen und selbständig werden. Wenn sie aber nicht gut darauf vorbereitet werden, sich um sich selbst zu kümmern, werden sie an den Herausforderungen des Lebens scheitern. Es wird ihnen dann nicht gelingen, sich in ihre Gemeinschaft einzubringen und sie werden ihr eigenes Leben gefährden, weil sie zu wenig wissen und nicht über die notwendigen Fähigkeiten verfügen.
Um dies zu vermeiden, hat das SOS-Kinderdorf Lilongwe ein sechsmonatiges Orientierungsprogramm für alle Jugendlichen organisiert, die in eine Jugendeinrichtung wechseln sollen. Die Entscheidung wer wechseln darf, wird anhand von Kriterien wie Leistungen und Reife getroffen und wir Jugendlichen bemühen uns alle sehr, möglichst bald wechseln zu dürfen.
Ich bin einer der stolzen Jugendlichen, die schon an der Orientierung teilgenommen haben. Wir haben dort viele Themen behandelt, wie zum Beispiel Hygiene, Liebe, die Wichtigkeit von Erziehung und Berufsausbildung, den Umgang mit Geld, Haushaltsplanung, aber auch HIV/Aids.
Der Höhepunkt war der Tag, an dem SOS-Kinderdorf eine Abschlussfeier für uns organisierte, die für das Ende des Orientierungsprogramms, aber auch für unseren Abschied aus den SOS-Kinderdorf-Familien stand. Was mich fasziniert hat war, dass unser Mütter viel getanzt haben, in ihren Gesichtern aber Tränen waren. Ich glaube das waren Freudentränen.
Und jetzt bin ich hier in der Jugendeinrichtung und führe ein beinahe selbständiges Leben, für das ich selbst verantwortlich bin!"
Von Lilongwe nach Indien
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| Isaac bei der Arbeit an einem Projekt im Berufsbildungszentrum |
Die letzte Person die wir besuchen ist Isaac, ein junger Mann der im SOS-Berufsbildungszentrum in Lilongwe ausgebildet wurde. Mitte 2008 machte er seinen Lehrabschluss als Maurer und konnte dann als Vorarbeiter auf einer Baustelle beginnen.
Kenneth Nkhonjera, der Leiter des Berufsbildungszentrums, erinnert sich: "Manchmal kommen Unternehmen zu mir, die Mitarbeiter suchen und so konnte ich auch Isaac und eine Unternehmer zusammen bringen. Dieser brauchte Unterstützung von einer Person mit Fachausbildung." Der Unternehmer wollte eine Firma gründen, die Erdziegel, Beton und anderes Baumaterial herstellt, um dieses dann an Baufirmen zu verkaufen. – Es handelt sich dabei um ein Projekt gleichsam als positive Reaktion auf die globale Forderung, die Umwelt zu schützen und die Zerstörung der Ozonschicht zu verhindern. Isaac wurde als Teil seiner Ausbildung für drei Monate nach Indien geschickt.
Mr. Nkhonjera ist sehr stolz auf alle seine Absolventen und Absolventinnen und ganz besonders auf Isaac. "Maurerei gilt eigentlich als Kurs für Personen mit niedriger akademischer Qualifikation, aber Isaac hat bewiesen, dass man damit weit kommen kann und die Schüler der Maurerklasse sind jetzt motivierter, weil sie sehen, welchen Erfolg ihr Freund hat."
In Malawi gibt es auch im Norden des Landes, in Mzuzu, und im Süden, in Blantyre, SOS-Kinderdörfer und andere SOS-Kinderdorf-Einrichtungen.