Eine olympische und humanitäre Reise nach China 

Die 16-jährige Tiphanie aus dem SOS-Kinderdorf Calais ist eine hochtalentierte Schwimmerin. Sie hat sich zwar nicht für Frankreichs Olympiateam qualifiziert, bekam aber ein ganz spezielles Ticket für die Olympischen Spiele in Peking. Gemeinsam mit 17 weiteren französischen Sport-Nachwuchshoffnungen wird sie in China nicht nur olympische Wettkämpfe und Sehenswürdigkeiten besuchen, sondern auch chinesische Jugendliche treffen und an einem humanitären Projekt teilnehmen.

Tiphanie wird ein Reisetagebuch führen und die Besucher ihres Blogs
meine olympische reise nach china
in Text und Bild über ihre Eindrücke
auf dem Laufenden halten.

Foto mit freundlicher Genehmigung von Brigitte und Tiphanie
Nach einem Sieg über 100 m Delphin
"Ich reise nach Peking, um bei den Olympischen Spielen dabei zu sein - zusammen mit 17 anderen französischen Nachwuchssportlern, die jeweils ihre sportliche Disziplin vertreten." So beschreibt Tiphanie, ein 16-jähriges Mädchen, das im nördlichsten SOS-Kinderdorf Frankreichs in Calais lebt, ihr ganz spezielles Ticket für die Olympischen Spiele in Peking (8. bis 24 August 2008).

Die talentierte Schwimmerin wurde vom französischen Schwimmverband FFN auserkoren, an einem Projekt der Hilfsorganisation Secours Populaire Français teilzunehmen. Von 9. bis 18. August werden die 18 Sport-Talente auf einer Reise durch China ein interessantes Programm absolvieren.

Gemeinsam mit 18 jungen Sportler(inne)n aus China werden sie bei zwei olympischen Wettkämpfen - Vorrunden im Trampolinturnen und einem Basketballspiel - dabei sein. Außerdem werden sie Gelegenheit haben, die verbotene Stadt und die chinesische Mauer zu besichtigen. Dabei werden auch Jugendliche aus der Provinz Sichuan, in der nach dem Erdbeben vom 12. Mai 2008 mehr als 80.000 Tote zu beklagen waren, zur Gruppe stoßen.

Ihre Reise wird die französischen Nachwuchsathleten auch in andere Teile Chinas führen. Neben einem Besuch der Terrakotta-Armee von Xi'an steht schließlich der eigentliche humanitäre Zweck der Reise auf dem Programm: eine ausgedehnte Besichtigung des Projekts von Secours Populaire Français im Dorf Zhaona in der von Trockenheit geplagten Provinz Gansu. Die Jugendlichen werden Familien aus dem Dorf Anlagen zur Verwertung von Regenwasser übergeben.

Tiphanies große Leidenschaft

Foto mit freundlicher Genehmigung von Brigitte und Tiphanie
Tiphanie beim Startsprung

Nach ersten sportlichen Gehversuchen im Segeln und im Judo fand Tiphanie im Schwimmklub von Calais zu ihrer großen Leidenschaft, dem Schwimmsport. "Dort wurde ich 'entdeckt', und man hat mir den Vorschlag gemacht, die Aufnahmsprüfung am Sportgymnasium zu machen", erzählt sie.

Mit 13 Jahren wechselte sie an das Sportgymnasium von Dunkerque (Dünkirchen). "Von zwei Mal Training die Woche in Calais musste ich mich auf zwei Trainingseinheiten pro Tag in Dunkerque steigern und dabei zehn bis zwölf Kilometer schwimmen," erinnert sich Tiphanie. Darüber hinaus absolviert sie fünf Stunden Muskeltraining pro Woche. Der große Trainingsaufwand trug schon bald erste Früchte.

Sie fand rasch Aufnahme in die Nachwuchsauswahl von Dunkerque und nahm an zahlreichen Wettkämpfen teil. Mittlerweile hat sie mehrere Medaillen auf regionaler und nationaler Ebene gewonnen. "Seit September nehme ich an den französischen Meisterschaften teil. Ich bin sogar Seite an Seite mit [Frankreichs Schwimm-Weltstar] Laure Manaudou geschwommen!", zeigt sich Tiphanie von ihrer sportlichen Entwicklung während der vergangenen Monate begeistert.

Ihre Ziele für das kommende Schuljahr sind klar abgesteckt: "Ich möchte mich weiterhin verbessern, damit ich möglichst bald in die französische Nationalmannschaft aufgenommen werde." Wer weiß, vielleicht wird Tiphanie Frankreich ja 2012 bei den Olympischen Spielen in London vertreten…

Die ganze Familie an ihrer Seite

Foto mit freundlicher Genehmigung von Brigitte und Tiphanie
Tiphanie mit ihrer SOS-Kinderdorf-Mutter Brigitte
Tiphanie hat sieben Geschwister. Die jüngsten fünf Geschwister wurden im Dezember 2000 SOS-Kinderdorf Frankreich anvertraut, damit sie gemeinsam im liebevollen und sicheren Umfeld einer neuen Familie heranwachsen können. Tiphanie lebt somit seit mehr als siebeneinhalb Jahren im SOS-Kinderdorf Calais in der Familie von SOS-Kinderdorf-Mutter Brigitte, zu der auch Brigittes Ehemann Jean-Laurent und ihre 2000 geborene Tochter Annelyne gehören.

Mittlerweile sind zwei von Tiphanies Geschwistern selbständig geworden und haben das Dorf verlassen. Dafür hat die SOS-Kinderdorf-Familie Zuwachs durch einen kleinen Jungen und ein kleines Mädchen bekommen, die im SOS-Kinderdorf aufgenommen wurden.

Tiphanie wird von ihrer ganzen Familie mit großem Einsatz bei der Umsetzung ihres Traums unterstützt. Sowohl Brigitte, die auch Judo-Trainerin in einem Klub in Calais ist, als auch Jean-Laurent, mit dem Tiphanie einen ganzen Sommer lang intensiv trainiert hat, um sich auf die Aufnahmsprüfung am Sportgymnasium vorzubereiten, haben eine starke Affinität zum Sport.

Für SOS-Kinderdorf steht natürlich nicht alleine Tiphanies sportlicher Erfolg im Vordergrund. "Durch das Schwimmen ist Tiphanie richtiggehend aufgeblüht. Es half ihr dabei, Abstand von belastenden Situationen zu gewinnen. Dennoch zeigt sie nach wie vor große Anteilnahme am Leben und der Entwicklung ihrer Geschwister," erzählt ihre SOS-Kinderdorf-Mutter. "Die Ausübung ihres Sports war für sie auch sehr wichtig, um sich soziale Kompetenz anzueignen. Außerdem hat Tiphanie Selbstvertrauen und Zuversicht in ihre berufliche, soziale und private Zukunft gewonnen."

Das SOS-Kinderdorf Calais und der französische SOS-Kinderdorf-Verein sind stolz auf ihren kleinen Champion und wünschen Tiphanie einen wundervollen Aufenthalt in China.

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