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| Volle Konzentration! |
Mit seiner kleinen Hand bemüht er sich, den Pinsel ruhig zu halten, damit ja keinen Tropfen schwarzer Tinte auf das Papier tropft. Das würde das ganze Werk zerstören. Die Zunge im Mundwinkel, fixiert er das dicke Reispapier mit seinen Augen. Auf seinem Stuhl am hinteren Ende des Klassenzimmers buchstabiert er das Wort K-o-n-z-e-n-t-r-a-t-i-o-n. Mit dieser ist es jedoch bald vorbei, denn schon scherzt er mit seinem Gegenüber. Die Mädchen beim Fenster haben den Vorteil, dass der Sonnenschein auf dem Papier ihren Zeichnungen etwas Erhabenes verleiht. Alle konzentrieren sich jetzt auf die Tafel, wo der Lehrer die Zeichnung eines Hummers aufgehängt hat, den sie mit einigen einfachen und präzisen Strichen nachzeichnen sollen.
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| Kalligrafiestunde |
In China ist Kalligraphie eine anerkannte Kunstform. Wörtlich übersetzt steht der Begriff für "Schönschrift", und jeden Samstag trifft sich eine Gruppe von Kindern aus dem SOS-Kinderdorf Tianjin, um von einem anerkannten Meister diese jahrhundertealte orientalische Fertigkeit zu erlernen. Kalligraphie bezeichnet die Kunst, quadratische chinesische Schriftzeichen auf Reispapier in ausdrucksvolle Bilder zu verwandeln, was erst durch die Geschwindigkeit und den Druck möglich wird, mit dem die dafür verwendeten chinesischen Pinsel geführt werden. Hört sich einfach an, ist es aber nicht - man benötigt dafür jahrelange Übung und hunderte Blätter Reispapier.
Der sechzehnjährige Luo, ein Junge aus der SOS-Kinderdorf-Jugendwohneinrichtung, weiß alles über das Thema. Seit Jahren übt er sich schreibender- und malenderweise in der Kunst der Kalligraphie, und sein Zimmer ist geschmückt mit großen, farbenfrohen Reispapierzeichnungen, die er selbst geschaffen hat. Doch wofür steht das alles? Häufig drücken die Schriftzeichen philosophische Gedanken aus, die nur schwer zu übersetzen sind.
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| Luo und einige seiner Meisterwerke |
Als er noch bei seiner SOS-Kinderdorffamilie lebte, besuchte auch Luo die Wochenendkurse. Seine Werke wurden kürzlich durch die Veröffentlichung in einem lokalen Magazin ausgezeichnet, weshalb es im auch im Traum nicht einfallen würde, sein Hobby aufzugeben. Luo übt sich fast täglich im Gebrauch der Pinsel, obwohl ihn sein Studium an einer technischen Schule sehr in Anspruch nimmt und er dort in zwei Jahren seinen Abschluss machen wird.
Der Wochenendkurs in Kalligraphie findet im SOS-Sozialzentrum statt, wo regelmäßig Kurse für Kinder und Mütter angeboten werden. Derzeit leben im Dorf 160 Kinder in 16 Familienhäusern.
Das Sozialzentrum bietet keine Kurse für die Bewohner aus dem Umfeld, jedoch helfen Freiwillige aus der Umgebung häufig im Rahmen von Wochenendkursen aus. Nahe dem Sozialzentrum befindet sich ein Kindergarten, in dem auch Kinder aus der Nachbarschaft betreut werden.