Jugendhausleiterin, Schwester und Vorbild 

1975 übersiedelte Mona als siebenjähriges Kind in das SOS-Kinderdorf Khartum in der gleichnamigen Hauptstadt des Sudan. 26 Jahre später, im Jahr 2001, kehrte sie zurück und ist seitdem die erste Jugendhausleiterin für Mädchen. "Das SOS-Kinderdorf ist ein Teil von mir selbst; es gab mir ein Dach über dem Kopf, eine liebevolle Mutter, einen Vater (für die meisten Kinder wird der Dorfleiter zum Vaterersatz) und eine wunderbare Familie", sagt sie voller Pathos.

Sag doch "hallo"! - Foto: Rafif Ben Messalem
Sag doch "hallo"!

Mona schloss 1999 ihr Betriebswirtschaftsstudium ab und arbeitete danach eine Weile in einem Büro. Doch schon bald zog es sie zurück ins Kinderdorf, um "meiner Familie ein bisschen von dem zurückzugeben, was sie mir geschenkt hat", erklärt sie. Mona erzählt, dass im SOS-Kinderdorf gerade nach einer Jugendhausleiterin für das neueröffnete Jugendhaus gesucht wurde. (Jugendhausleiter betreuen und unterstützen die Jugendlichen in ihrer Entwicklung.)

Die Rückkehr in das Kinderdorf hat Mona auch wieder jener Frau nähergebracht, für die sie am meisten Dankbarkeit empfindet: ihrer SOS-Kinderdorf-Mutter. Mona besucht die mittlerweile in das Haus für pensionierte SOS-Kinderdorf-Mütter übersiedelte ältere Dame regelmäßig und kümmert sich um sie.

Die Mädchen werden auf die Selbstständigkeit vorbereitet

Mona ist sich der großen Verantwortung und Bedeutung ihrer Funktion vollauf bewusst. Sie erzählt uns, dass sie von den Mädchen, die sie lieben, wie eine ältere Schwester gesehen, sehr wohl auch als Betreuerin respektiert wird. In dieser Doppelrolle kann Mona nicht nur nett und freundlich sein, sondern muss gegebenenfalls auch Strenge und Durchsetzungsvermögen an den Tag legen.

Mona hofft, dass es ihr gelingen wird, die Mädchen gut auf die Welt da draußen vorzubereiten. Im Gegensatz zu der Jugendeinrichtung für die Jungen befindet sich die Jugendeinrichtung für Mädchen in Khartum unmittelbar auf dem Gelände des SOS-Kinderdorfes. Dies entspricht durchaus den kulturellen Gepflogenheiten des Landes, da im Sudan junge Mädchen nicht ohne elterliche Aufsicht leben dürfen. 

Mit dem Rückhalt der Familie - Foto: Rafif Ben Messalem
Mit dem Rückhalt der Familie

Laut Mona sind die Mädchen in einem schwierigen Alter und, um alle Schwierigkeiten zu meistern und Selbstständigkeit zu erlangen, brauchen sie eine große Menge Unterstützung und Begleitung. Das Kinderdorf zu verlassen, ist einfach ein Schock, der nicht einfach zu verkraften ist. Mona kennt die Situation aus eigener Erfahrung und scheut weder Zeit noch Mühe, um mit den Mädchen alle möglichen Probleme zu besprechen, die die Zukunft mit sich bringen könnte.

Wenn die Pflicht ruft

Tajalarifeen Sirajeldin, auch genannt Baba Taj ist der Leiter des SOS-Kinderdorfes Khartum. Er erzählt uns, dass Mona immer schon der gute Geist des Kinderdorfes war. Sie sei einfach immer bereit zu helfen, und zwar nicht nur den Kindern und Jugendlichen, sondern auch den Müttern. "Auf Mona ist immer Verlass; wenn ein Kind in der Nacht erkrankt, wissen die Mütter genau, wenn sie anrufen können: Mona bringt das Kind ins Spital, auch wenn es 2 Uhr morgens ist", sagt Baba Taj.

"Mona ist ein wunderbares Vorbild für die Jugendlichen", fügt er hinzu und erzählt, dass sie ihre Schützlinge nicht nur beim Lernen und Erwachsenwerden unterstützt, sondern mit ihnen auch vielfältige Kultur- und Freizeitaktivitäten wie etwa Theaterbesuche unternimmt.  

Mona denkt gerade darüber nach, ob sie nicht selbst noch einen MBA-Lehrgang absolvieren soll. Denn eines vergisst sie nie: "Ich muss in allem mein Bestes geben, denn nur so kann ich den Mädchen ein gutes Vorbild sein."

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