Glücksblenden / Teil 2 

Foto: Benno Neeleman
SOS-Kinderdorf Cochin/Indien - Foto: Benno Neeleman

Benno Neeleman ist eine große Erscheinung, groß sind auch sein Erfahrungsschatz, sein Herz. Wenn er hinter einen Baum geht, um unbeobachtet zu weinen, braucht er nicht im Detail zu erzählen, welche Erlebnisse ihm eine schwer traumatisierte Frau im Kongo monoton, gefühlsleer und in einem einzigen Redefluss geschildert hat - eine von vielen Leidensgeschichten in einem der schlimmsten und beständigsten Konflikte im heutigen Afrika. Hier war für ihn beinahe die Grenze erreicht, als Mensch und als Fotograf. In diesen intimen, schrecklichen Moment eindringen mit der Kamera? "Aber wenn ich mit diesen Bildern einen Menschen erreiche, dann hat es sich schon gelohnt." Kurz nach dem Genozid war er in Ruanda. Nach seiner Rückkehr hat er überlegt, das Fotografieren an den Nagel zu hängen. Und wieder kommt diese leise Stimme aus diesem starken Mann: "Wer erzählt dann die Geschichte?"

Foto: Benno Neeleman
Waschtag in einem ägyptischen SOS-Kinderdorf - Foto: Benno Neeleman

Wir retten uns aus der Düsternis mit der Frage, welches Kinderdorf ihm am besten liebsten wäre, in dem Wissen, in den Kinderdörfern trägt auch jedes Kind eine Leidensgeschichte in sich, die in der Seele dokumentiert ist. In Lilongwe in Malawi hätte er sich am wohlsten gefühlt, er könne nicht genau sagen warum. "Die Stimmung dort ist besonders, die Freundlichkeit der Menschen, das Lachen der Kinder." Dort hätten sie ihn auch schon einmal mit SOS-Kinderdorf-Präsident Kutin verwechselt, "wegen der Glatze". Auch Morelia in Mexiko hätte ihm sehr gefallen und das indonesische Flores und und und…
Nun aber, in aller Offenheit: "Was hältst du von der Arbeit von SOS-Kinderdorf?"

"Sie ist nicht superperfekt, aber sehr gut", spricht der Hoffnungsfotograf mit dem Blick für das Glück und für das, was ohne Worte erzählt werden will. Dann nämlich ist ein Foto für ihn gelungen, wenn es keine Erklärung braucht, nicht im Guten und nicht im Traurigen. Manchmal muss aber sogar er zum Wort greifen, wie im Südsudan, kleine Notizen machen, damit die Last ein wenig leichter wird.

Foto: Benno Neeleman
Familienförderprogramm in Flores/Indonesien - Foto: Benno Neeleman

Hat er, der Weitgereiste, einen fixen Bezugspunkt, weil wir doch von Beheimatung sprechen, davon, wie wichtig es ist, ein Zuhause zu haben? Erst vor kurzem ist er dahintergekommen, dass ganz in der Nähe seines Wohnortes, gleich hinter der Grenze in Deutschland, ein SOS-Kinderdorf liegt, jenes in Kleve am Niederrhein. Einer, der schon 86 Länder bereist hat, "nimmt halt das am weitesten Entfernte", bis er das Nächstliegende entdeckt. Es ist, als würde er eine Zwiebelschicht nach der anderen abarbeiten, bis er wieder in seiner holländischen Heimat landet. Dann macht er die Tür hinter sich zu, eine gute Flasche Wein auf und genießt den Frieden um sich. Meist halten diese Ruhephasen aber nicht lange an und der nächste Aufbruch folgt.


Nachdem das SOS-Kinderdorf in Imst auch so etwas wie der Mittelpunkt von konzentrischen Kreisen ist, möchte Benno Neeleman dort sicher einmal hin. Aber noch liegt es vielleicht zu nah.

Foto: Benno Neeleman
SOS-Kinderdorf Morelia/Mexiko - Foto: Benno Neeleman

Eine Reihe von Profifotografen ist immer wieder für SOS-Kinderdorf im Einsatz und stellt Bildmaterial zu einem günstigen Preis, manchmal sogar kostenlos, zur Verfügung. Benno Neeleman, Jahrgang 1957, fotografiert u.a. auch für UNICEF, UNAIDS, Plan, Terre des Hommes, Ärzte ohne Grenzen und Caritas und hat schon einige renommierte Fotopreise erhalten. Für SOS-Kinderdorf war er bereits in mehr als 30 Ländern unterwegs.

Website von Benno Neeleman: http://www.fotobene.eu

Copyright: Benno Neeleman
Copyright: Neeleman

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