Glücksblenden / Teil 1 

Nahaufnahme des Fotografen Benno Neeleman 

Copyright: Benno Neeleman
Benno Neeleman in Aktion - Copyright: Benno Neeleman
Außer dem Präsidenten von SOS-Kinderdorf dürfte wohl kaum einer so viele verschiedene SOS-Kinderdörfer gesehen haben. Die Zahl weiß Benno Neeleman nicht genau, aber eines steht für ihn fest: Sie gehören zu den schönsten Plätzen im jeweiligen Land.

Schöne Plätze müssen wie Balsam sein für einen Mann, der mit seiner Kamera häufig den Schrecken manifestiert, den Gewalt, Katastrophen und Armut bringen. Seit über zwanzig Jahren arbeitet Benno Neeleman als Profifotograf und ist auch regelmäßig für SOS-Kinderdorf unterwegs. Begonnen hat die Liaison zwischen der Kinderhilfsorganisation und dem gebürtigen Niederländer Anfang der 1990er Jahre in Rumänien. Da hat er sich verliebt, zuerst in eine Frau, dann in die Arbeit von SOS-Kinderdorf, besser gesagt, in die Kinder, die in den SOS-Kinderdörfern in ihrem Wesen wieder zu leuchten beginnen. Mit SOS-Kinderdorf assoziierte er ursprünglich "etwas Religiöses". Nachdem er die Einrichtung in Cisnadie - "sein" erstes SOS-Kinderdorf - gesehen hatte, war es um ihn geschehen. Seither hat sich die Beziehung vertieft und gehörig erweitert.

Foto: Benno Neeleman
SOS-Kinderdorf Bukarest/Rumänien - Foto: B. Neeleman

Neeleman fotografiert für verschiedenste Hilfsorganisationen, die alle eine eigene Bildsprache haben, und die Missstände und Probleme, um die sie sich kümmern, unterschiedlich kommunizieren. Bei SOS-Kinderdorf öffnet er die Blende für das Glück. "Das verkauft sich ironischerweise schwerer als das Unglück", meint Neeleman. Das Besondere an SOS-Kinderdorf sei, dass "man die Lösung sieht. Das, was die Kinder ausstrahlen, ist überall in der Welt dasselbe. Egal, in welchem Kulturkreis du dich bewegst, die Atmosphäre in den SOS-Kinderdörfern vermittelt, dass die Kinder geborgen sind."

Er erinnert sich an ein Kind in Albanien, das noch nie eine Schule von innen gesehen hatte, bevor es ins SOS-Kinderdorf in Tirana kam. Zwei Wochen später hat er dieses Mädchen wieder getroffen und bereits eine verblüffende Veränderung an ihm wahrgenommen. Vor zwei Jahren kam es wieder zu einer Begegnung, mittlerweile lernt sie Grafikdesign. Staunen und tiefe Achtung sprechen aus ihm, wenn er von diesem Wandel eines Kindes spricht, das trotz denkbar schlechter Startbedingungen innerhalb von nur sechs,sieben Jahren seine Fähigkeiten entdecken und entfalten konnte.

Foto: Benno Neeleman
SOS-Kinderdorf Tirana/Albanien - Foto: Benno Neeleman

Er war an vielen Krisenschauplätzen der Welt, sieht sich selbst aber nicht als Kriegsreporter. Soziale Dokumentation nennt er seine Fotoarbeiten. Er mag keine schreierische Bilderjagd, sondern ein behutsames, respektvolles sich Annähern an Menschenschicksale und Lebensrealitäten. Bei SOS-Kinderdorf kann er, wie im Fall des albanischen Mädchens, auch über längere Zeiträume beobachten, an Menschen "dran" bleiben und ihre Entwicklung mitverfolgen. Die Katastrophe um der Katastrophe willen entspricht nicht seinem Denken, ihm geht es darum, Verantwortung leidenden Menschen gegenüber einzufordern und jenen eine Stimme zu geben, die keine Öffentlichkeit haben, niemanden, der sie vertritt, keinen, der ihre Geschichte erzählt.

Im Gespräch kreieren wir gemeinsam das schöne Wort Hoffnungsfotograf.

Braucht es eine besondere Herangehensweise für das Fotografieren von Kindern? "Klingt ziemlich einfach, es ist die Liebe. Ich liebe Kinder. Das ist die erste Voraussetzung. Ich verbringe ja meist mehrere Tage in einem Kinderdorf, damit die Kinder Vertrauen fassen und wir uns gegenseitig kennenlernen. Dann geht alles von selbst. Die Kinder haben einen unbefangenen, spielerischen Umgang mit der Situation. Für mich sind sie richtige Kraftquellen", so Neeleman. Kraftquellen, die er braucht, wenn er in Länder geht wie die Demokratische Republik Kongo.

Foto: Benno Neeleman
SOS-Kinderdorf Bahir Dar/Äthiopien - Foto: B. Neeleman

Glücksblenden / Teil 2


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