Familiengeschichten / Teil 1 

Mittlerweile begleitet SOS-Kinderdorf über 3.400 Kinder und ihre Familien in Mittel- und Osteuropa, den baltischen Staaten und in den GUS-Staaten im Rahmen von Familienförderprogrammen. Im Jahr 2008 soll sich diese Zahl mehr als verdoppeln. Warum setzt SOS-Kinderdorf neben der familienpädagogischen Betreuung von vernachlässigten und verlassenen Kindern in SOS-Kinderdörfern vermehrt auf präventive Sozialarbeit für benachteiligte Familien?

Foto: Reinis Hofmanis
Valmiera/Lettland - Foto: Reinis Hofmanis

In der gesamten Region befinden sich geschätzte 1,3 Millionen Kinder in institutioneller Betreuung, sind also getrennt von ihrer leiblichen Familie. Abgesehen davon, dass die Betreuungsqualität häufig nicht einmal Mindeststandards genügt, wäre es bei einem hohen Prozentsatz zu verhindern, dass Kinder aus ihren Familien gerissen werden. Mit adäquater sozialpädagogischer Intervention, durch entsprechende materielle Zuwendungen, Beratungstätigkeit und andere Unterstützungsleistungen ist es oft möglich, Familien, die am Rande des Zusammenbruchs stehen, aufzufangen und auch langfristig zu stabilisieren.

Die politische und wirtschaftliche Transformation hat in vielen Ländern der ehemaligen Sowjetunion vieles zum Positiven verändert, aber sie hat - vor allem was die Sozialsysteme betrifft - in vielen Bereichen ein Vakuum hinterlassen. Arme bis mittellose Familien leben heute häufig schlechter als vor 20 Jahren. 

Armut, Arbeitslosigkeit, Alkohol- und Drogenmissbrauch, HIV/AIDS sind die größten Probleme. Hauptbetroffene sind Alleinerzieherinnen und Großfamilien. Dazu kommt, dass viele Familien, die unter dem Existenzminimum leben, kaum bis gar nicht wissen, wie sie zu Sozialleistungen kommen können, die ihnen aber vom Gesetz her zustehen.

Foto: Peter Lydén
Estland: Frauen tragen zumeist die Hauptlast in den Familien, wenn sie nicht überhaupt nur auf sich gestellt sind - Foto: Peter Lydén

Estland, EU-Mitgliedsland und in vielen Bereichen ein Reformstaat par excellence, kämpft mit einer Reihe von sozialen Problemen. Die Zahl der Alkohol- und Drogenabhängigen ist in einigen strukturschwachen Landesteilen dramatisch hoch, auch die HIV-Infektionsraten steigen. Ida gehört zu jenen, die SOS-Kinderdorf in Estland betreut. Jung, allein erziehend, drogensüchtig, arbeitslos, in beengten, desolaten Wohnverhältnissen mit ihrer Mutter und Großmutter. Es gelang, Ida in einem Methadonprogramm unterzubringen. Die Familie wird mit Lebensmitteln unterstützt, über den Umgang mit HIV aufgeklärt und in sozialen Fragen beraten. Heute ist Ida soweit, sogar Zukunftspläne für sich und ihr Kind zu entwickeln.
 

 

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