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| Alesya: Fotografieren und Schreiben sind ihre Leidenschaften - Foto: Marko Maegi |
Seit mehr als zwei Jahren ist Alesya verantwortlich für die SOS-Kinderdorf-Zeitung SOSedi, die vom SOS-Kinderdorf Minsk monatlich herausgegeben wird. Der Name stammt vom russischen "Sosedi", das bedeutet "die Nachbarn". Als damals die Idee entstand, eine Kinderdorf-Zeitung zu machen, wunderte sich niemand, dass Alesya sofort meinte: "Hey, ich übernehme das!" Monat für Monat befragt sie nun SOS-Kinderdorf-Mütter und Kinder und sammelt Material für die Zeitung. "Manchmal ist es schwierig, den Inhalt zusammen zu bekommen - Gott sei Dank habe ich nie versprochen, dass SOSedi immer am Monatsanfang erscheint", lacht sie.
Alesya lebt heute in einer SOS-Jugendwohngemeinschaft in Minsk. Sie besucht ein College und studiert Wirtschaft im ersten Jahr. Dennoch ist sie viel in Kontakt mit dem SOS-Kinderdorf - nicht nur wegen "SOSedi", sondern vor allem wegen ihrer SOS-Kinderdorf-Mutter. "Sie war und ist eine liebevolle Mutter für uns", sagt Alesya: "Sie war nicht sehr streng, aber sie hat trotzdem viel von uns gefordert. Was ich besonders toll finde ist, dass sie bei Entscheidungen, die uns betrafen, auch uns Kinder entscheiden ließ." Und so kommt Alesya so oft sie kann zurück ins SOS-Kinderdorf, freut sich über bekannte Gesichter und darüber, dass es nun, wo sie nicht mehr regelmäßig hier ist, so viel zu erzählen gibt. Der Abschied vom Kinderdorf ist ihr nicht leicht gefallen. "Obwohl ich alle in der Jugendwohngemeinschaft kannte, habe ich eine Weile gebraucht, bis ich mit dieser Veränderung klar gekommen bin", erzählt sie. Es war eben doch ein Abschied, einer mehr in ihrem Leben.
Mehr als zehn Jahre ist es her, dass Alesya ins SOS-Kinderdorf Minsk
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| Mit sieben Jahren kam Alesya ins SOS-Kinderdorf - Foto: SOS-Archiv |
gekommen ist. Der Dorfleiter hatte das Waisenhaus besucht, in dem Alesya damals lebte. Weil Alesyas Kinderdorf-Mutter noch Platz in ihrer Familie hatte, besuchte sie Alesya. "Wir mochten uns", sagt Alesya schlicht, und so stand sie bald darauf vor dem SOS-Kinderdorf. Angst hatte sie trotzdem. "In meiner Fantasie sah ich Monster aus dem Haus fliegen." Doch das Leben in der neuen Familie mit sieben anderen Kindern wurde rasch Alltag für Alesya. "Es war immer viel los", erzählt sie. "Eigentlich war vorgesehen, dass wir alle zusammen essen, aber das haben wir nicht oft geschafft." In einer so großen Familie fällt viel Arbeit an, und auch die Kinder waren angehalten, mit anzupacken. So halfen etwa jene Kinder, die am Nachmittag Schule hatten, beim Kochen des Mittagessens, erzählt Alesya. Vor allem am Wochenende wurden alle Hände gebraucht: "Da haben wir gemeinsam das Haus geputzt", erzählt Alesya.
Die Nachmittage waren den Schulaufgaben gewidmet, Besuchen bei Schulfreunden oder den verschiedenen Hobbys. Auch Alesya entdeckte bald eine Leidenschaft, der sie fortan viel Zeit widmete: die Musik. In der Musikschule lernte sie, Flöte zu spielen, und von ihrem ersten selbst verdienten Geld kaufte sie sich einen Kassettenrekorder.
Dass dieses Zusammenleben nicht immer reibungslos vor sich ging, versteht sich von selbst. "Als ich mit Sasha das Zimmer teilte, da haben wir oft gestritten, weil sie so unordentlich war." Ein eigenes Zimmer zur Verfügung zu haben, das war ein Luxus, der nicht oft möglich war.
Das Leben im SOS-Kinderdorf bezeichnet Alesya wie "ein Leben in einer riesigen Familie". Und sie fügt hinzu: "Wir kannten uns so gut, wir haben uns sogar am Gang erkannt - auch die, die nicht im gleichen Haus lebten." Gemeinsame Aktivitäten, gemeinsame Feiern verstärken dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit, wie etwa der Geburtstag des SOS-Kinderdorfes. "Da gibt's jedes Jahr eine Party, wo wir alle gemeinsam ein Programm vorbereiten." Ein besonderes Abenteuer aber waren in den Sommerferien die Floßfahrten auf dem Fluss: Mehrere Wochen lang fuhr eine Gruppe von Kindern den Fluss Berevina entlang, Wind und Wetter ausgesetzt.
Auch mit Schulfreunden verbrachte Alesya viel Zeit. "Meine Freunde kannten meine Geschichte. Sie wussten, woher ich komme und wo ich lebe, aber das spielte für unsere Freundschaft keine Rolle", erzählt sie. Besuche von Schulfreunden im SOS-Kinderdorf waren eine Selbstverständlichkeit.
Kontakt mit ihrer Herkunftsfamilie hat sie kaum. Alesya will es so. Ein paar Mal hat sie, unterstützt vom SOS-Kinderdorf, Familienmitglieder getroffen, aber sie hat wenig Interesse, diese Treffen zu wiederholen. Ihr Lebensmittelpunkt ist das SOS-Kinderdorf. "Hier im SOS-Kinderdorf habe ich so viel erfahren und gelernt. Ich weiß, was ich mit meinem Leben machen will. Und ich weiß, wie ich es erreichen kann."