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| Foto: Patrick Wittmann |
Der einleitende Artikel dieser Ausgabe beschreibt, wie das Engagement von SOS-Kinderdorf in Bezug auf HIV und AIDS begann, wie es sich im Laufe der letzten Jahre entwickelt hat und welche Schwerpunkte unsere HIV/AIDS-Richtlinien beinhalten.
Am 24. November 2009 traf sich in Wien eine Reihe von Fachleuten auf dem von der Caritas Österreich organisierten Symposium “Children and HIV/AIDS in Africa“. Im Artikel „Was andere meinen“ finden Sie die zentralen Aussagen zweier Vorträge. Erfreulich: Viele der vorgestellten Erkenntnisse decken sich mit den Erfahrungen von SOS-Kinderdorf und bestätigen uns in unserem Weg.
Uganda gilt als das afrikanische Vorbild im Kampf gegen HIV und AIDS. SOS-Kinderdorf Uganda unterstützt die Bemühungen der ugandischen Regierung und bietet altersgerechte Aufklärung sowie Beratung und Behandlung in den Familienstärkungsprogrammen, Schulen und medizinischen Zentren. Verschiedene Interventionen greifen ineinander und ergänzen sich gegenseitig. Das erklärte Ziel dabei ist, über das bekannte ABC-Schema hinauszugehen, das Abstinenz, Treue und die Verwendung von Kondomen beinhaltet. Klarheit über den eigenen HIV-Status, eine entsprechende Verhaltensänderung und eine positive Lebensweise gehören ebenfalls dazu.
Im Allgemeinen Kommentar Nr. 3: HIV/AIDS und die Rechte des Kindes - ein Anhang der Kinderrechtskonvention - heißt es: „Das Problem Kinder und HIV/AIDS wird hauptsächlich als medizinisches Problem oder Gesundheitsproblem wahrgenommen, obwohl es in Wirklichkeit Probleme in größerem Umfang einschließt. ... HIV/AIDS hat so schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben der Kinder, dass all ihre Rechte, politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Natur betroffen sind.“ Diese Tatsache wird leicht aus den Augen verloren und so hat Simbabwe ein Gesamtpaket geschnürt, das Kindern und Jugendlichen ein Aufwachsen in Gesundheit, Würde und Lebensfreude gewährleisten soll.
Das Familienstärkungsprogramm Latur in Indien ermutigt Familien, zusammen zu bleiben, und unterstützt, gemeinsam mit den örtlichen Behörden und anderen Dienstleistern, jene, bei denen die Familie droht auseinanderzubrechen. In Zusammenarbeit mit der staatlichen AIDS-Kontrollorganisation von Maharashtra und anderen NGOs setzt sich SOS-Kinderdorf für die AIDS-Prävention ein und bietet Trainingsprogramme, Beratung und finanzielle Unterstützung an, um an AIDS erkrankten Menschen zu helfen. Ein wichtiges Ziel der Familienstärkungsprogramme und Selbsthilfegruppen liegt in der Einkommensgenerierung. So wurden Gruppen geschaffen, um Frauen in den Familienstärkungsprogrammen in Richtung Selbständigkeit zu unterstützen. Innerhalb der Selbsthilfegruppen sparen die Frauen Geld an, legen es gemeinsam auf einem Konto an und geben sich innerhalb der Gruppe gegenseitig Kredite mit niedrigem Zinssatz.
Eine Besonderheit der HIV/AIDS-Aktivitäten von SOS-Kinderdorf Guatemala sind die so genannten „Familienschulen“, die SOS-Kinderdorf dort betreibt: Seit Beginn des Programms vor fünf Jahren haben 400 Familien, mehrheitlich Frauen, an den Workshops in den Familienschulen teilgenommen. Doch auch Väter, Jugendliche und andere Familienmitglieder zählen zu den Besucher(inne)n. Hier geht es vor allem um Prävention und Übertragungsformen. Das Hauptaugenmerk gilt der Vermeidung der Übertragung von einer infizierten Mutter auf ihr Kind. In den Workshops der Familienschulen werden diese Themen mithilfe der Methode der „Educación Popular“ vermittelt, einer Methode, in der das Lernen und die Wissensaneignung auf der praktischen Erfahrung der Personen und der Gruppen selbst basieren. Auch in Guatemala wird Kooperation groß geschrieben: Zwei Tagungen zum Thema HIV/AIDS wurden von SOS-Kinderdorf Guatemala bereits mitorganisiert und an den Vorbereitungen zum CONCASIDA (Congreso Centroamericano de ITS/VIH/Sida = zentralamerikanischer HIV/AIDS-Kongress), der 2010 in Costa Rica stattfindet, ist SOS-Kinderdorf ebenfalls beteiligt.
Temirtau, eine rund 180.000 Einwohner zählende Industriestadt im Osten Kasachstans, ist geprägt von einer hohen Arbeitslosenrate und der landesweit höchsten Anzahl von Todesfällen aufgrund von AIDS und Drogen. Das SOS-Familienstärkungsprogramm verfolgt im Wesentlichen zwei Ziele, nämlich Familien zu befähigen, selbständig für den Schutz und die Betreuung ihrer Kinder zu sorgen und die Stadt bei der Betreuung von Kindern und Familien zu unterstützen, die von HIV/AIDS betroffen sind oder die Alkohol und Drogenprobleme haben.
Anliegen der „Joint Learning Initiative on Children and HIV/AIDS (jlica)“ ist es, die Lage von Kindern, die von HIV/AIDS betroffen sind, zu verbessern. Herzstück der Organisation sind vier interdisziplinäre „Lerngruppen“, die in diesem Bereich wissenschaftlich gearbeitet haben. Jlica macht deutlich, wie wichtig es ist, Kinder und Familien ins Zentrum der Bemühungen zu rücken. Zugang zu medizinischer Versorgung für alle müsse mit sozialer Absicherung Hand in Hand gehen. Nur so werden Bedingungen geschaffen, unter denen Betroffene von Prävention, Behandlung, Betreuung und Unterstützung profitieren können.